Samstag, 24. November 2007

Keine Frage, Keine Antwort

Hier ist der zweite Fall aus Dogens Koan Buch, Shinji Shobogenzo:

Meister Obaku Ki-Un auf dem Berg Obaku im Ko-Distrikt fragte Meister Hyakujo Ekai: "Wenn ich die Lehre, die du uns gegeben hast, mit anderen teilen möchte, wie sollte ich dann lehren?"

Meister Hyakujo blieb auf seinem Kissen sitzen und sagte gar nichts.

Obaku Ki-Un fragte: "Wie kann ich zukünftig deine Söhne und Enkelschüler etwas lehren?"

Meister Hyakujo erwiderte: "Was du gesagt hast, zeigt, dass du ein wirklicher Mensch bist." *

Das ist eine der Fragen, die ich so oft gestellt bekomme, dass ich darüber nachdenke, sie in meine Frage und Antwort Liste (F.A.Q.) zu stellen, die ich nebenbei gesagt, seit der Bronzezeit nicht mehr auf den neusten Stand gebracht habe. Die Leute wollen immer wissen, "wie kann ich anderen den Buddhismus lehren?"

Die kurze Antwort ist, tu's nicht.

Natürlich meine ich dieses "tu's nicht" nicht absolut. Aber in den meisten Fällen brauchst du wirklich niemanden irgendetwas beibringen. Lass sie in Ruhe, hör auf damit, wie Brians Mutter in dem Film 'Das Leben des Brian' sagt. Wenn deine Freunde oder deine Familie etwas über den Buddhismus wissen wollen, werden sie danach fragen. Ansonsten besteht die buddhistische Regel: keine Frage, keine Antwort.

Davon wurde ich vor Kurzem überzeugt, als ein gewisser buddhistischer Meister mit dem Versuch begann, mich netterweise mit seinen Lehren zu beglücken. Allmächtiger Gott, falls es irgendetwas Lästigeres gibt als das, dann will ich nicht wissen, was es ist. Letztenendes habe ich rausgefunden, wie ich meinen Spamfilter einstelle, um seine E-Mails direkt in den Papierkorb zu leiten, so muss ich den Scheiß wenigstens nicht mehr lesen.

Ich stelle mir allerdings vor, dass jeder, der mein Zeug liest, meine Verachtung für Meister teilt, die versuchen, dir ihre Lehren aufzuzwingen. Gott, ich hoffe niemand von euch versucht das, was ich sage, irgendjemanden aufzudrängen. Vielleicht hast du trotzdem das Gefühl, dass dieser oder jener Freund von dir von der Praxis profitieren könnte, und du ihm gerne die Chance dazu geben würdest. Das ist nett, aber unglücklicherweise kannst du nicht viel dafür tun.

Den Buddhismus jemandem zu lehren, den du kennst, kommt in etwa dem gleich, jemanden den du kennst, dazu zu bringen mit dir zu schlafen. Du kannst das Thema nicht zur Sprache bringen, ohne derjenigen Person Angst zu machen. Oder noch schlimmer, sie werden sich fühlen, als ob du sie mit deiner Religion vergewaltigt hättest. Es bringt einfach nichts.

Selbst in meiner heutigen Position erzähle ich Leuten, die ich treffe, nicht wirklich von Zen, außer sie fragen. Selbst dann gebe ich erst mal ein paar scherzende Antworten, um zu sehen, ob sie wirklich ernsthaft daran interessiert sind. Wenn jemand nicht aufrichtig nach den Lehren verlangt, ist es völlig sinnlos ihr diese zuteil werden zu lassen. Sie werden sowieso nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit zuhören. Du wirst also nur deinen Atem verschwenden und dich selber zum Affen machen.

Wie auch immer, das ist meine kleine Predigt für den Tag. Ich wünsch dir einen guten.


* Zitiert aus: Die Schatzkammer der wahren buddhistischen Weisheit. O. W. Barth (2005) von G.W. Nishijima und D. D. Waskönig.

Link zum Originaltext:

http://hardcorezen.blogspot.com/2007/11/dont-ask-dont-tell.html

Sonntag, 9. September 2007

Der nackte Affe

Einige Dinge müssen klargestellt werden, bevor es los geht. Ich habe in letzter Zeit viele E-Mails und Kommentare erhalten, in denen man sich um meine finanzielle Situation sorgt. Mir tut es leid, irgendjemandem Sorgen bereitet zu haben. Aber meine finanzielle Situation ist momentan wirklich in Ordnung. Ich versuche, Zeug loszuwerden, weil ich viel zu viel habe*, nicht weil ich das Geld brauche. Ich habe immer noch einen Job. Zumindest im Moment. Und wenn das zu Ende gehen sollte, werde ich einen anderen Job finden.

Während meinem Zazen habe ich letzter Zeit beobachtet, dass mein Gehirn, basierend auf trivialsten Reizen, erstaunliche Szenarien erfindet. Irgendeine Idee wird von Gott weiß wo in meiner Birne auftauchen, woraus plötzlich komplette Welten aus geistigem Zeug entstehen. Sozusagen wie der Urknall. Ich habe mich sogar selbst dabei beobachtet, wie ich anfing, vollkommen imaginäre Gespräche über vollkommen imaginäre Dinge zu führen. Das passiert auf einem unbewussten Level, so dass ich noch nicht mal die Beschaffenheit und das Thema dieser Gespräche und was weiß ich kommentieren kann, weil sie keines zu haben scheinen. Erst nachdem sie sich gebildet haben, kann ich sie etwas Bestimmtem zuordnen. Es ist nur eine Art von gewohnter Reaktion, auf einer sehr tiefen Ebene. Also eigentlich sollte ich nicht überrascht sein, wenn Leute gewaltige fantastische Vorstellungen, aufgrund ein paar zufälliger Sätze in einem Blog, erfinden. Doch so dankbar ich euch für eure Besorgnis bin, es gibt wirklich keinen Grund dafür.

Mein neues Lieblingsbuch ist Der nackte Affe von Desmond Morris. Ich fand es an einem Bücherstand im Freien in Greenwich Village. Ich wusste von dem Buch aufgrund seines Rufes; es gilt als einer der Klassiker, die richtig gut sein sollen. Aber das war alles, was ich wusste.

Ich habe es gerade vor etwa einer halben Stunde beendet und ich denke, dass es unglaublich ist. Es wäre wesentlich besser, wenn an Buddhismus interessierte Leute, Bücher wie Der nackte Affe lesen würden, anstatt der fragwürdigen, verwirrend philosophischen Bücher in der „Spiritualitäts“-Abteilung deines örtlichen McBuchschuppens.

Der Autor, Desmond Morris, ist ein britischer Zoologe, der seine sein zoologisches Augenmerk auf den Menschen richtete. Das Buch betrachtet den Menschen als ein Tier, eine intelligente und fleischfressende Unterart fast unbehaarter Primaten. Seine Schlussfolgerungen scheinen größtenteils fast restlos gültig zu sein. Er bringt viele der Dinge, auf ich während meiner eigenen Übung gestoßen bin, sehr deutlich auf den Punkt. Sehr viele Leute fühlten sich unwohl, als das Buch 1967 zuerst herauskam – und es ist ziemlich deutlich, warum. Anstatt die Menschen als erhabene, hochgeistige Wesen mit hässlichen Körpern darzustellen, zeigt er uns, wie wir wirklich sind – eine sehr erfolgreiche Art der Affen.

Natürlich sind Menschen nach buddhistischer Sicht nicht nur Tiere. Aber das bedeutet nicht, dass wir überhaupt keine Tiere sind. Wir sind nur ziemlich verschieden von den anderen Tieren. Aber auch Elefanten sind anders als alle anderen Tiere, und ebenso Meeresnacktschnecken und Skorpione und alle anderen Lebewesen. Wie alle anderen Kreaturen haben wir sowohl eine materielle als auch eine immaterielle Seite. Aber, wieder vom buddhistischen Standpunkt aus gesehen, sind diese beiden Seiten tatsächlich ein und dasselbe. Die Tatsache, dass wir sehr erfolgreiche Primaten mit größeren Pimmeln und Titten als andere unserer Art-Verwandten sind, ist Teil unserer spirituellen Natur.
Zieh‘ dir das mal rein!

Morris’ Kapitel über das Kämpfen ist von besonderer Bedeutung. Praktisch alles, was ich in meinem letzten Artikel für Suicide Girls erwähnte, ergibt sich aus dem gleichen Standpunkt, den er dort vertritt**. Er erläutert sogar die Funktion des sympathischen und parasympathischen Nervensystems auf ziemlich genau dieselbe Weise, wie Gudo Nishijima davon redet. Nishijimas Meinung ist, dass das Üben von Zazen hilft, diese beiden gegensätzlichen Teile unseres autonomen Nervensystems auszubalancieren; und dass das „Wegfallen von Körper und Geist“, wovon Dogen redet, tatsächlich das Ausgleichen unseres autonomen Nervensystems ist.
Natürlich erwähnt Morris Zazen nicht. Ich glaube nicht einmal, dass er irgendwas darüber weiß.

Das Kapitel über Körperpflege ist ziemlich interessant. Morris vergleicht die Entwicklung der Krankenpflege bei den Menschen mit dem Putzinstinkt anderer Primaten. Er sagt, dass die meisten unserer Krankheiten nicht aufgrund von echten Verletzungen oder Keimen entstehen, sondern aus dem tiefsitzenden Bedürfnis von unseren nackten Artgenossen gepflegt zu werden. Ich habe dies selbst oft gedacht, war aber nie wirklich in der Lage, es so gut zu beschreiben, wie Morris es schafft. Dies heißt nicht, dass es keine wirklichen physischen Krankheiten gibt. Die gibt es. Aber wir täten gut daran, sorgfältig deren Ursprung zu untersuchen.
Wie auch immer, es ist ein gutes Buch.
Also los, hol’s dir.

Schaut euch den Eintrag weiter unten an, wo ich nächste Woche sein werde, und denkt daran, dass eure Anwesenheit erforderlich ist. Ernsthaft. Bitte glaubt nicht, dass abertausende Menschen zu diesen Veranstaltungen kommen, unabhängig davon, ob ihr auftaucht oder nicht, und dies als Entschuldigung benutzt, um nicht zu kommen. So viele kommen nicht. Wenn ihr mögt, was ich tue, dann unterstützt es bitte. OK?

*Obwohl ich scheinbar weit weniger Kram als die meisten Leute in meinem Alter, die ich kenne, habe. Ich denke, dass es wegen der Art des Krams ist, dass es wie mehr wirkt. Mein Freund Bob, der auch Tonnen an Monsterspielzeug und Sachen hat, sagt über sich selbst „Meine Wohnung sieht aus, als ob ein 13-Jähriger im Lotto gewonnen hätte.“ – meine Wohnung sieht ziemlich genau so aus.

**Obwohl ich diesen Text geschrieben hatte, lange bevor ich das Buch bekam. Und wie kommt es, dass so wenige von den Leuten, die Kommentare posteten, bemerkten, dass ich sagte, es sei äußerst bedauerlich, dass wir immer noch gewaltige Armeen brauchen, um unsere Freiheit zu schützen? Diese Tatsache muss sich ändern, wenn wir als Art überleben wollen. Aber es wird sich nicht ändern, wenn wir uns das nicht eingestehen. Ich nehme sowieso an, dass Pazifisten gerne sauer werden und gegen diejenigen kämpfen, die mit ihnen nicht einer Meinung sind…

*** Ist schon ironisch, oder?

Donnerstag, 23. August 2007

Wie ich meinen Sommerurlaub verbrachte

Meine Vorstellung war, dass ich mich eines Tages hinsetzen würde, um meine Erlebnisse über den Aufenthalt beim Great Sky Zen Sesshin auf eine schöne, präzise Weise aufzuschreiben. Du weißt schon, so wie es ein professioneller Schriftsteller machen würde. Aber ich scheine dafür unfähig zu sein. Ich habe einfach einen zu großen Haufen Arbeit vor mir, um genügend Zeit dafür zu haben. Hier sind also meine allgemeinen Eindrücke, direkt in die Blog-Vorlage eingegeben, ohne die Rechtschreibung oder irgendwas zu prüfen.

Das Kloster Hokyoji liegt mitten im Niemandsland. Als Erstes fliegst du zum La Crosse Flughafen in La Crosse, Wisconsin, der mehr wie eine Bushaltestelle, denn wie ein Flughafen aussieht. Dagegen erscheint Akrons kleiner Flughafen wie der La Guardia-Flughafen. Dann fährst du ungefähr eine Stunde durch die sanft geschwungenen Hügel am Rande des Mississippi, kurz durch Iowa und weiter nach Minnesota. Der eigentlich nächste Ort ist ein kleines Dorf mit 200 Einwohnern in Iowa, dessen Namen ich vergessen habe. Obwohl ich mich nicht an den Namen des Ortes erinnern kann, so erinnere ich mich doch an den Namen des Typs, der seit 40 Jahren an der Tankstelle arbeitet. Er heißt Jug (Kanne) Darling (Liebling). Ohne Scheiß. Um richtig Spaß zu haben, musst du rund 45 Minuten weiter nach Iowa hineinfahren und einen anderen Ort besuchen, dessen Namen ich auch vergessen habe, der aber sage und schreibe 2000 Einwohner hat.

Aber während des einwöchigen Sesshins sind wir zu keinem dieser Orte gefahren. Für 7 Tage hatten wir Bewohner von Hokyoji zu sein, Hokyoji Essen zu essen und Hokyoji Scheiße zu scheißen, um ein altes Zen-Gedicht umzuformulieren. Das Kloster besteht aus 4 Hauptgebäuden, die sich über ein paar Morgen eines gerodeten Waldstücks am Ende einer gut 2 Kilometer langen Auffahrt verteilen. Unser Hauptgebäude war ein Zendo (Raum für die Übung des Zazen) für 30 Personen nahe der Ortsmitte. Abseits davon stand ein Gebäude, das sie „die Blockhütte“ nannten, weil es bei der Ortsgründung eine echte Holzhütte mit nur einem Raum, ohne Strom und fließend Wasser war. Heute ist es ein Haus mit Strom und fließenden Wasser, Gott sei Dank. Aber ich musste mich dort nicht einquartieren. Sie steckten mich in ein Haus weit unten am Ende des Geländes, das sie „die Werkstatt“ nannten. Wie der Name vermuten lässt, war hier die Werkstatt für‘s Holzsägen und all die anderen Arbeiten, die gemacht werden mussten, um die anderen Gebäude auf dem Grundstück zu bauen. Der erste Stock ist jetzt zu einem ziemlich spartanischen Wohnbereich umgebaut worden. Ohne fließendes Wasser, aber zumindest hatten wir Strom. Das andere Gebäude heißt „das Tee-Haus“. Es steht in der Nähe des Zendo und hat neben einem kleinen Tee-Raum auch Duschen, die einen feinen Nieselregen über deinem Kopf versprühen, je nach deiner Wahl, entweder lauwarm oder kochend heiß. Ich habe nie herausgefunden, wie ich das Wasser effektiv runter zu meinen Füßen bekomme.

Es gab neun 45-Minuten Zazen-Perioden, jeden Tag beginnend um 5 Uhr morgens und endend um 10 vor 9 abends. Die Weckglocke wurde um 04:30 Uhr geläutet. Das ist ziemlich normal. Nishijimas Sesshins sind ein bisschen einfacher, was die Menge an Zazen angeht. Ich war um die Gesundheit meiner Knie besorgt. Aber ich bin froh sagen zu können, dass ich die ganze Sache ohne erkennbaren Schaden überstanden habe. Die Zazen Perioden werden zuerst von einer Zeremonie unterbrochen, bei der das Herz Sutra rezitiert wird, dann folgt das Frühstück im Oryoki Stil, eine kurze Pause, ein Dharma Vortrag und eine weitere Zeremonie, bei welcher Dogens Jijuyu Zanmai gesungen wird. Danach kommt das Mittagessen, eine sehr lange Pause und Samu (eine Arbeits-Periode) (mehr dazu später), eine weitere verdammte Zeremonie, bei der das Dai Shin Darani gesungen wird, und eine letzte Zeremonie bei der Dogens Fukanzazengi (universelle Aufforderung zum Zazen) gesungen wird. Zwischen all dem Kram, ist vor der Wand sitzen oder Kinhin (gehendes Zazen) angesagt. Oder andersrum, all das kommt zwischen den Zazen-Perioden. Such‘s dir aus.

Manches von dem war neu für mich. Nishijimas Sesshins haben keinerlei Zeremonien oder irgendwelche Rezitationen. Deswegen kannte ich keinen dieser Gesänge. Auch die Arbeits-Perioden bei seinen Sesshins beinhalten gewöhnlich nur das Saubermachen der Toiletten oder das Fegen der Schlafzimmer. Beim Great Sky lassen sie dich schwer arbeiten. Das ist notwendig, weil selbst nach 30 oder 40 Jahren Betrieb, die Arbeiten am Anwesen größtenteils noch nicht beendet sind. Also arbeiteten wir größtenteils daran, den Garten ansehnlich zu machen, und Sachen in Ordnung zu bringen, die es nötig hatten, in Ordnung gebracht zu werden. Oh, und wir haben Wespen aus den Schlafzimmern verjagt. Ich war am Ende jeder Arbeitsperiode erschöpft. Aber es war auch gut. Es hat definitiv deine Beine nach all dem Sitzen wieder in Bewegung gebracht. Außerdem hast du eine anständige Aufgabe bekommen, was bei manchen Sesshins nicht der Fall ist.

Um die 30 Leute nahmen teil, inklusive fünf (zähl‘ nach) Zen-Meister. Mal sehen, an wen ich mich erinnern kann. Da war Tonen O’Conner vom Milwaukee Zen Center, Zuiko Redding vom Cedar Rapids Zen Center, Dokai Georgesen vom Hokyoji selbst, Rosan Yoshida aus einem Ort in Iowa, glaub ich, Genmoyo Smith aus ... ich weiß nicht mehr wo, und ich. Ich könnte all die Informationen nachsehen, die ich vergessen habe, aber das entspräche nicht der Spontaneität dieses Beitrags. Tonen und Zuiko sind Frauen, und der Rest von uns Lehrern sind Männer. Ich war wirklich beeindruckt von Zuiko. Sie studierte mit derselben sehr strengen Zen-Meisterin wie Taijun Saito, eine Nonne, die mit Nishijima studierte. Beide wurden in den Zen-Abläufen so gedrillt, dass sie diese vorwärts und rückwärts beherrschen. Ich weiß einen Scheiß über die Rituale. Ich schätze diejenigen, die sich damit auskennen, nicht gering. Ich kann es einfach nicht. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich es jemals können werde. Um ehrlich zu sein, es interessiert mich nicht sehr. Dennoch ist es interessant es zu sehen und etwas von Leuten zu lernen, die diese Abläufe beherrschen.

Was kann ich dir sonst noch erzählen? Viel, eigentlich. Und ich werde das wahrscheinlich in den kommenden Artikeln tun. Aber ich möchte es heute kurz halten.

Was habe ich gelernt? OK. Ich habe gelernt, dass es verdammt noch mal egal ist, was du während des Sitzens denkst. Ich wusste das. Aber am 4. Tag merkte ich es auf deutliche Weise. Ich war, wie so oft, ein bisschen reizbar und schmerzempfindlich geworden und dachte, „Mann, die Gedanken in meinem Kopf drehen sich wie wild, wie kommt es, dass das niemals aufhört?“ Ich sollte dir dazu sagen, dass ich kurz vor dem Sesshin mit einer Menge Zeugs konfrontiert wurde. Die Nachricht, dass die Firma für die ich arbeite, ihr Büro in Los Angeles zu schließen beabsichtigt, war keine Kleinigkeit. Das Büro in Los Angeles bin ich. Mehr davon später. Aber es reicht zu sagen, dass ein paar Dutzend anderer Sachen hätten behandelt sein müssen, nachdem das Sesshin vorüber war. Das mache ich jetzt irgendwie, und deswegen ist dieser Artikel kurz und spontan.

Egal, alles Mögliche lief in meinem Kopf rauf und runter. In Bewegung gesetzt, würde es nicht aufhören, bis es seine Energie verbraucht hätte. Und auf einmal bemerkte ich, dass es scheißegal ist. Denken war nur etwas, das während der Praxis passierte. Dennoch war die Praxis noch immer völlig richtig. Das war keine Idee wohlgemerkt. Das kam als echte Erfahrung. Es gibt ein altes Koan über einen Mönch, der sagt, ”wenn ein klarer Geist kommt, lass ihn kommen, wenn ein umwölkter Geist kommt, lass ihn kommen. ”Der Meister fragt ihn, “was, wenn weder ein klarer noch ein unklarer Geist kommt?“ Und der Mönch sagt sowas wie, “ich habe gehört bei H&M gibt es einen Ausverkauf von Unterwäsche.“ So in der Art ist es gewesen. Cool.

Es ist lustig, wie diese Dinge ablaufen. Ich habe dieselbe Lektion ein Dutzend Mal gelernt, vergessen und wieder gelernt. Und ich bin sicher, dass ich es noch ein paar Dutzend Mal mehr lernen werde, bevor sie mich verbrennen und meine Asche hinter JB’s Down in Kent, Ohio verstreuen.

Mmmmmhhhhh… Was noch? Ich hielt einen Dharma-Vortrag. All die anderen Zen-Lehrer hielten Zen-Vorträge und meiner war wie ein Auftritt von Krusty dem Clown. So ist das Leben. Beim Versuch den Rückwärtsgang des Kloster Lieferwagens ausfindig zu machen, durchfurchte ich den ganzen Hof. Ich habe andere Sachen gemacht.

Aber ich muss jetzt gehen. Sorry. Später mehr! Fragt mich nach Sachen. Vielleicht wird es mein Gedächtnis in Schwung bringen …

Link zum Originaltext


Samstag, 4. August 2007

Der Porno-Buddhist

Offenbar bin ich in gewissen buddhistischen Kreisen seit Neuestem als der „Porno-Buddhist“ bekannt. Scheinbar ist das eine Quelle großer Freude, da – wie ich hörte – diese Buddhisten es genießen, über mich zu lachen. Wie ich darauf komme? Das ist eine etwas längere Geschichte. Aber sie könnte Euch gefallen!

Traditionell ernennt ein buddhistischer Meister im Alter einen Nachfolger. Das läuft schon seit Buddha´s Zeiten so. Grundsätzlich mag ein Meister eine ganze Reihe seiner Schüler ordinieren und sogar auch einigen „den Dharma übertragen“. Die Dharmaübertragung ist etwas schwierig zu erklären. Im Wesentlichen geht es darum, dass du in den Augen des Meisters ein wenig weiter bist als der gewöhnliche „Mönch“, weil Du ein besonderes Verständnis erlangt hast, welches der Meister erkennt. Es gibt auch andere Gründe, warum die Übertragung erfolgt. Aber das tut hier nichts zur Sache. Obwohl ein Meister also eine unbegrenzte Anzahl an Ordinationen und Dharmaübertragungen vornehmen kann, ernennt er traditionell nur einen Nachfolger.

Mein Lehrer Gudo Nishijima hat mich vor kurzem zu seinem Nachfolger ernannt. Das mag ziemlich toll klingen. Tatsächlich fühlte ich mich eher verwirrt und besorgt. Denn ich habe gesehen, wie diese Dinge laufen. Sobald der Meister einen Nachfolger ernannt hat, werden all die anderen Leute, die es gern geworden wären, deswegen ziemlich sauer. Natürlich wird das Ganze noch komplizierter, wenn der Meister vor seiner Entscheidung stirbt. Wenigstens ist mein Lehrer zum Glück noch sehr lebendig und wohlauf.

Dieser Kram ist sicherlich nicht typisch buddhistisch. Aber es ist ziemlich enttäuschend zu sehen, dass es in einer Gruppe von Leuten, die sich als Buddhisten verstehen, genauso läuft wie anderswo auch. Man erwartet einfach mehr. Ich erwarte Besseres. Dieses Verhalten ist ganz einfach nicht buddhistisch. Aber im wirklichen Leben laufen die Dinge nun mal so ab.

Also druckste ich herum und zögerte etwas, die Ernennung anzunehmen, weil ich mir nicht sicher war, ob ich ausreichend für den unvermeidbaren Angriff gerüstet wäre. Letztlich entschied ich, dass es besser wäre, es einfach hinter mich zu bringen. Also sagte ich Nishijima, dass es in Ordnung wäre, wenn er die Nachricht verkünden wollte.

Als es publik wurde, begann auch schon das Gezeter. Ich habe schon davon geschrieben. Anstatt aber wieder schnell zu verschwinden, hält die Verstimmung einiger Leute an. Das Neueste ist eben mein Spitzname „der Porno-Buddhist“. Ich schätze, das liegt daran, dass ich die Kolumne für die netten Leute bei Suicide Girls schreibe.

Ich will mich jetzt hier auch gar nicht als der arme kleine Bradley hinstellen, der sich nur um seinen Kram kümmerte, als plötzlich alle Leute wütend auf ihn wurden. Mir war klar, wenn ich für Suicide Girls schreibe, würde irgendwann dieser ganze Mist passieren. Allerdings hätte ich es nicht von Leuten erwartet, die vorgaben, meine Freunde zu sein. Das ist ziemlich traurig. Zudem erwarte ich von Leuten, die sich als Buddhisten verstehen, mehr. Wie auch immer: die sind alle von meiner Weihnachtskartenliste gestrichen. Darauf könnt ihr Gift nehmen.

Dazu muss ich sagen, dass sowas nicht nur in unserer Linie vorkommt. Tatsächlich gehen wir wohl sogar besser damit um, als manche andere. Viel besser. Zumindest bislang. Meistens geschieht so was hinter den Kulissen und oft weitaus heftiger.

Sei´s drum. Kommen wir zu meinem Image als Porno-Buddhist. Als diese Anschuldigung erhoben wurde, empfahl mein Meister meinen „Freunden“ ein Kapitel namens „Blumen im Raum“ aus Dogens Shobogenzo zu lesen. Das ist wie der Muppetshow-Sketch „Schweine im Weltraum“, nur mit Blumen anstelle von Schweinen. Er meinte, es erhelle die buddhistische Haltung in Bezug auf die Lenkung des sexuellen Verlangens.

Ich werd´ hier nicht das ganze Kapitel diskutieren. Besorg Dir Teil III des Shobogenzo beim Buchhändler um die Ecke, wenn es Dich interessiert. Es geht besonders um eine Zeile, in der Dogen einen alten Chinesischen Zenmeister zitiert:

"Durch das Entfernen von Störungen verdoppeln wir die Krankheit."

Dogen kommentiert das: "Wir sind bislang nicht frei von Krankheit gewesen: wir hatten den Buddhavirus und den Patriarchenbazillus. Intellektuelles Ausschließen verstärkt und verschlimmert die Krankheit. Schon der Moment der Beseitigung selbst ist unvermeidbar Störung. Dies geschieht gleichzeitig und ist jenseits von Gleichzeitigkeit. Störungen beinhalten immer die Tatsache des Versuches sie zu beseitigen."

Wir alle haben sexuelles Verlangen. Da ist nichts spezifisch Falsches dran. Wir brauchen sexuelles Begehren, um als Spezies zu überleben. Weder Dogen noch Buddha selbst wären ohne das sexuelle Verlangen ihrer Eltern jemals geboren worden. Wenn Du glauben willst, dein Heiland sei geboren worden, ohne das vorher jemand Sex hatte: nur zu. Wie auch immer: die Zeile bezieht sich nicht speziell auf sexuelles Verlangen, sondern auf das generelle Konzept von Störungen.

Viele Leute versuchen eine Art spirituelle Reinheit zu schaffen. Dazu versuchen sie oft, alles zu beseitigen, was diese Reinheit stören könnte. Dogen aber sagt, dass Ausschluss die Seuche verstärkt und verschlimmert. Weiter sagt er: „Schon der Moment der Beseitigung selbst ist unvermeidbar Störung.“ Es gibt nur einen Grund, warum wir etwas als Störung bezeichnen: weil wir wünschten, es wäre nicht da. „Störungen beinhalten immer die Tatsache des Versuches, sie zu beseitigen.“ Ist´s nicht so?

Das ist der tatsächliche Schlüssel zum Verständnis des Buddhismus. Buddhistische Praxis versucht, alles aufzudecken. Das ist es, was wir tun, wenn wir Zazen sitzen. Es mag wie nichts aussehen. Aber wir setzen uns uns selbst aus. Viele von uns mögen nicht, was sie sehen. Aber wir fahren fort, bis jeder Stein umgedreht wurde, und jede quiekende hässliche Wanze darunter das Tageslicht erblickt hat.

In der heutigen Zeit kann niemand darauf hoffen, von Bildern begehrenswerter Objekte verschont zu bleiben. Für euch, die ihr das hier lest, sind solche Bilder 24 Stunden am Tag nur einen Mausklick entfernt – sogar noch schneller, wenn Du Abonnent bist. Wie lebt man in einer solchen Welt?

Das ist eine entscheidende Frage. Aber wie alle wichtigen Fragen ist es keine, die ich oder irgendjemand anderes für dich beantworten kann. Du musst deinen eigenen Weg finden. Den einzigen Rat, den ich dir geben kann, ist, immer wieder das Gleichgewicht zu suchen. Wenn die Dinge zu aufregend werden, ist das ein Problem. Jedes Hoch hat ein ihm entsprechendes Tief. Ich wette, dass glaubst du nicht. Die meisten von uns tun das nicht. Wir glauben, eines Tages das ewig währende Hoch zu erleben. Ich kann dich nicht daran hindern, danach zu streben. Aber ich kann zweifellos behaupten, dass so etwas nicht existiert. Es liegt nicht in der Natur der Dinge, dass es irgendwo so was gibt.

Diejenigen, die auf Reinheit und Rechtschaffenheit hoffen, versuchen immer zu zerstören, was sie stört. Aber sie suchen an der falschen Stelle. Sie glauben, die Störung käme von außerhalb ihrer selbst. Ich schätze, meine Dharmabrüder glauben, ihr Problem sitzt, von Plastikmonsterspielzeug und üppigen Suicide Girls (Ach ja, schön wär´s!) umgeben, in goldene Roben gekleidet und mit einem Stock wedelnd, drüben in einem Apartment in West Hollywood. Aber ich habe meine Zweifel. Immer wenn ich mir die Dinge die mich am meisten störten genau ansah, fand ich sie niemals außerhalb. Sie waren immer genau hier. Und da werden sie auch immer zu finden sein.

Mittwoch, 1. August 2007

Große Fische – Buddhisten bitte wegschauen!*


Eine anonyme Person hinterließ folgenden Kommentar:

Die fünfte Regel: Mir des durch unaufmerksamen Konsum verursachten Leidens bewusst, gelobe ich gute Gesundheit, sowohl körperlich als auch geistig, für mich, meine Familie und die Gesellschaft zu kultivieren, durch die Praxis aufmerksamen Essens, Trinkens und Konsumierens. Ich gelobe nur Dinge aufzunehmen, die Frieden, Wohlbefinden und Freude in meinem Körper und meinem Bewusstsein, und im Kollektivkörper und Bewusstsein meiner Familie und Gesellschaft erhalten. Ich bin entschlossen, weder Alkohol noch andere Rauschmittel zu benutzen oder Nahrung oder andere Dinge, die Gifte enthalten, wie bestimmte Fernsehprogramme, Zeitschriften, Bücher, Filme und Gespräche. Ich weiß, wenn ich meinen Körper und mein Bewusstsein mit diesen Giften beschädige, dass ich Verrat an meinen Vorfahren, meinen Eltern, meiner Gesellschaft und künftigen Generationen begehe. Ich werde daran arbeiten, Gewalttätigkeit, Furcht, Ärger und Verwirrung in mir und in der Gesellschaft zu transformieren, indem ich eine gesunde Ernährungsweise für mich und die Gesellschaft praktiziere. Ich weiß, dass eine richtige Ernährungsweise entscheidend ist für die Selbsttransformation und die Transformation der Gesellschaft.

Er (oder sie, aber ich nehme an er) meinte, es sei merkwürdig, dass ein Zen-Lehrer zu so etwas ermutigen würde. Ich nehme an, dass "Leute zu so etwas ermutigen, sich Pornos anzusehen" gemeint ist. Also dachte ich, dass ich etwas erklären sollte. Aber mir ist ziemlich klar, ganz gleich, wie viele Male ich meine Aussagen erkläre, dass man niemals jeden zufrieden stellen kann. Wie dem auch sei, ich finde dies dennoch interessant.

Zuerst einmal ermutige ich euch nicht, sich Pornos anzusehen. Mich interessiert es einen Scheißdreck, ob ihr es tut oder nicht. Es geht mich verdammt noch mal nichts an. Ich denke auch, dass ich vielleicht zu sehr die finanzielle Seite dessen, was ich für Suicide Girls tue, betont habe. Jedoch könnte ich kaum meinen Lebensunterhalt davon bestreiten, für sie oder Bücher zu schreiben. Ich habe noch einen anderen Job, sodass ich nicht arm bin. Reich bin ich allerdings auch nicht. Aber ich schreibe nicht für SG wegen des Geldes. Ich mache es hauptsächlich, um fromme Buddhisten zu ärgern!

Das war ein Witz. Meine Güte!

SG liefert ein Forum, durch das ich eine ungeheure Anzahl von Menschen erreichen kann, mit dem, was ich sage. Ich könnte wahrscheinlich ebenso viel, wenn nicht mehr, durch PayPal-Spenden für diesen Blog verdienen. Aber dann halte ich nur dem Chor eine Predigt. Den SG-Lesern eine Predigt zu halten, empfinde ich als eine viel größere Herausforderung. Es ist wie ein merkwürdiger kleiner soziologischer Versuch. Ich habe immer geglaubt, dass Buddhismus für jedermann, überall gut ist. Ich versuche zu testen, ob das stimmt.

Aber zur Antwort auf das Zitat von oben. Dies ist etwas, von dem ich einige Variationen gehört habe. Ich bin nicht ganz sicher, von wem es kommt (obwohl ich eine Vermutung habe). Etwas, auf das ich hinweisen will, falls es nicht offensichtlich ist, ist, dass dies nicht aus irgendeiner traditionellen alten buddhistischen Quelle stammt. Es ist eine zeitgenössische Auslegung.

Ich würde nicht soweit gehen, zu sagen, dass es falsch ist oder diesen Ansatz verdammen. Aber es ist nicht der Ansatz, in dem ich ausgebildet wurde, noch ist es der Ansatz, den ich lehren will.

Offensichtlich gibt es viele Reize, die in der heutigen Kultur verfügbar sind, welche ziemlich ablenkend auf die Praxis wirken. Wenn du auf deinem Kissen sitzt, beginnt das ganze Zeug, das du in dein Gehirn gestopft hast, herauszusprudeln. Je weniger Zeug du da reinstopfst, desto einfacher ist es, einen ruhigen, netten Zustand im Zazen zu erreichen. Dogen warnte jedoch davor, dass ruhige, nette, gelassene Geisteszustände zu erreichen, nicht wirklich das Ziel unserer Übung sein dürfte. Es kann ein netter Nebeneffekt sein. Aber das ist nicht der Grund, warum wir es tun.

Ich verdamme nicht den Ansatz, den unser anonymer Freund vorschlägt. Ich meine, dass richtiges Essen sehr gut ist. Nicht Stunden und Stunden damit zu verbringen, virtuelle Bösewichte in der Spielhalle zu erschießen, ist auch gut. Zu wissen, wie diese Arten von Stimulation den Körper und den Verstand beeinflussen = sehr, sehr, sehr gut. Aber es bringt nicht viel, zu versuchen sich vor der Realität abzukapseln, unsere Ohren und Augen zu verschließen und laut zu rufen "Nee! Nee! Ich kann dich nicht hören!"

Dogen sagte: "Durch das Entfernen von Störungen verdoppeln wir die Krankheit ... Intellektueller Ausschluss verstärkt die Krankheit und verschlimmert sie. Der eigentliche Moment des Entfernens selbst ist zwangsläufig eine Störung. Sie finden gleichzeitig statt und sind jenseits der Gleichzeitigkeit. Störungen schließen immer die Tatsache [des Versuches] sie zu entfernen mit ein.“

Dies ist ein Kernpunkt der Lehre, die ich in Dogens Linie gelernt habe, und den ich versuche zu vermitteln. Wie dies tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, ist Sache des Einzelnen. Ich würde nicht soweit gehen wie der Verfasser, der sich diese Regel ausdachte und "schädliche Aktivitäten" auflistete. Das scheint ein bisschen zu weit zu gehen. Man weiß von mir, dass ich einzelnen im Gespräch Unter-Vier-Augen Vorschläge mache, von denen manche dem ähneln, was er sagt. Aber es kann nützlicher sein, zu entdecken, wie man angesichts jeder Art von Stimulation im Gleichgewicht bleiben kann. Diesem Pfad zu folgen ist schwieriger. Am Ende denke ich wirklich, dass es der einzige Weg ist, der Sinn macht.

Tut mir leid.

* Oder: Don’t View Big Fish

Translated by Wayne

Sonntag, 29. Juli 2007

DAS LEBEN IST SChöN, WARUM NICHT PR0N0S ABONNIEREN?
















Gerade bin ich von einem Comic Kongress aus San Diego zurückgekommen, wo ich unter anderem eine tolle Zeit mit den zwei hübschen Damen,
Bee Jellyfish und Cake, vom Suicide Girls-Stand hatte. Bee erzählte mir, dass das Interview, welches ich in ihrer Radiosendung gegeben hatte, eines der am meist diskutierten Interviews wäre, welches sie gemacht hätte.

Ich habe es schon früher hier im Blog gesagt, dass man nicht Mitglied bei Suicide Girls sein muss, um meine Sachen zu lesen. Du musst nicht. Sie bieten es gratis an. Aber weißt du was? Wenn dir gefällt, was ich dort schreibe, solltest du vielleicht darüber nachdenken, Mitglied bei Suicide Girls zu werden. Und hier ist warum.

Ich bin mir sicher, viele von euch abonnieren oder kaufen regelmäßig bestimmte buddhistische Zeitschriften. Und diese Zeitschriften berichten vielleicht detailliert von den letzten Neuigkeiten über den Dalai Lama oder davon wer mit Thich Nhat Hanh in der Stadt gesehen wurde, und was die „Blitz-Erleuchtung”-Roshis diesen Monat verkaufen. Aber sie enthalten nicht jede Woche einen Artikel von mir. Ich vermute das klingt unmöglich, aber wenn du das hier liest, gehe ich davon aus, dass du ein Fan bist oder es zumindest liebst, das was ich schreibe, zu hassen. In beiden Fällen könntest du die Leute unterstützen, die meine Texte veröffentlichen.

Komisch genug, dass die Leute von Suicide Girls mich sogar dafür bezahlen, dass ich dort eine Kolumne schreibe. Das Geld, das sie mir jeden Monat senden, hilft mir, die Kosten für die wöchentlichen Zazen-Treffen im Hill Street Center zu decken (ich bezahle den Raum) und an weit entlegene Orte zu reisen, um Reden zu halten. Ich hätte auch nicht die Möglichkeit gehabt, an einige der Orte zu gehen, die ich im vergangenen Jahr besucht habe, wenn ich nicht das Geld von SG dafür hätte verwenden können. In Zukunft plane ich mehr von der Kohle, die sie mir senden, zu benutzen, um einige buddhistische Sachen zu machen, eingeschlossen Sesshins und alles Mögliche andere.

Egal was du über sie denkst, die Leute von Suicide Girls unterstützen den Dharma. Das ist eine erstaunliche, wunderbare und wertvolle Sache. Bilder von nackten Frauen ermöglichen es vielen Leuten vom Buddhismus zu hören, die sonst niemals davon gehört hätten, nicht in einer Millionen, Milliarden Jahre. Ich verstehe es wirklich selber nicht. Aber diese Leute machen in einem Bereich, der früher von Dingen dieser Art unberührt blieb, echten Buddhismus zugänglich. Es ist eine unglaubliche und mysteriöse Welt, in der wir leben.

Sieh mal, selbst wenn du abonnierst, zwingt dich niemand, die Nacktbilder anzusehen. Das ist deine Sache. Mir treiben sie nicht die Schamesröte ins Gesicht. Es ist wirklich harmloser Stoff im Vergleich zu heutigen Standards. Andererseits habe ich 11 Jahre in Japan gelebt, wo die Einstellung gegenüber solchen Sachen völlig anders ist als die puritanische Einstellung, welche die meisten Amerikaner haben. Wenn du für ein paar Jahre an einem Ort lebst, wo eines der Top-Kinderlieder nur von Brüsten handelt, dann macht es das einem leichter mit Dingen wie den Suicide Girls. (Sieh dir das You Tube-Video unten an. Das ist keine für Erwachsene gemachte Spätausgabe eines Anime. Es ist eine Kindersendung Namens Zatch Bell.)

Abgesehen von den Nacktfotos kannst du, wenn du die Seite abonnierst, Kommentare direkt unter meinen Artikeln veröffentlichen, anstatt sie hier zu posten.

Niemand von SG rät mir oder ermutigt mich zu versuchen, euch Leute zum Abonnieren zu bewegen. Ich bekomme keinen Bonus für neue Abonnenten. Aber ich habe gerade viel darüber nachgedacht und wollte dies loswerden. Für $4 (ca. 3Euro) im Monat bekommst du 4 Artikel von mir. Ich stecke jede Woche viel mehr Arbeit in diesen Scheißkram, als ein Dollar wert ist.

Jedenfalls musst du nicht abonnieren, um meine Artikel zu lesen. Das ist wahr. Wenn du es dir nicht leisten kannst, kein Problem. Wenn du es nicht willst, werde ich nicht versuchen, dich zu überreden. Wenn es ein großes moralisches Problem für dich darstellt, solltest du es vielleicht nicht tun. Oder vielleicht solltest du es doch tun. Es liegt an dir. Aber wenn du es kannst - ich denke ein paar mehr von euch sollten abonnieren.

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Samstag, 14. Juli 2007

Es wird besser

Vor kurzem wurde ich wegen meiner angeblich so kontroversen Ansichten von einem gewissen “Buddhistischen Meister”-Typen heftig angegriffen. Bisher zog er es vor, sich in der Öffentlichkeit als mein Kumpel zu präsentieren. In letzter Zeit macht er eine Menge Aufhebens über meine angeblichen Vergehen. Und das ist gut. Wenn die Leute um irgendwas Aufhebens machen wollen, habe ich überhaupt nichts dagegen, so lange sie niemanden verletzen. Aber Moment mal. Er hat versucht jemanden zu verletzten – nämlich mich – indem er Fotos an meinen Lehrer schickte, die offensichtlich als Beweis für meine Unzulänglichkeit dienen sollten. Ich habe keine Ahnung welche Bilder er geschickt hat, aber ich verwette meinen Hintern darauf, dass dieses Foto von mir dabei war, das mich auf der Party zum Start des Suicide Girls Print-Magazins zeigt.








Das wäre eine sehr schlechte Wahl, denn ich habe dem alten Mann dieses Foto schon vor einiger Zeit gezeigt. Er lachte darüber und ich hatte den Eindruck, dass er die Mädels süß fand. Es ist ein Witz, dass es überhaupt für Aufregung sorgt. Ich habe nichts anderes getan als Helen zu bitten, sich ein paar von den Mädchen zu schnappen und ein Foto zu machen. Ansonsten stand ich auf der Party nur herum, trank Orangensaft und unterhielt mich mit Chris Gore.

Wie auch immer, unter meinen angeblich so kontroversen Ansichten gibt es eine, die ich besonders interessant finde, weil ich sie wirklich nicht kontrovers finde. Nämlich diese: Ich finde die Dinge werden besser. Ich finde das Leben auf der Erde wird langsam immer positiver. Ich hätte nie gedacht, dass das besonders problematische Ansichten sind. Aber als ich es in mein erstes Buch schrieb, musste ich hart darum kämpfen, dass es nicht rausgeschmissen wurde. Mein Herausgeber schien besorgt zu sein, es könnte einen Sturm der Entrüstung auslösen. Seitdem fällt mir auf, dass viele Leute damit nicht klarkommen, wenn ich es sage.

Als ich an meinem Film Cleveland’s Screaming arbeitete, hatte ich die Gelegenheit viele Leute aus der alten Hardcore Punk-Szene wiederzutreffen, der ich in den frühen 80ern in Ohio angehörte. Damals waren wir davon besessen, die Welt zu verändern.

Aber die meisten Leute, mit denen ich sprach, fanden, dass wir versagt hätten, dass die Dinge heute noch schlimmer wären als damals. Ich habe sie ihre Meinung sagen lassen, wie es ein guter Dokumentarfilmer tun sollte. Aber ich stimme ihnen überhaupt nicht zu. Ich finde die Punkbewegung war ein Riesenerfolg. Wirklich, ich finde wir waren erfolgreicher als wir es uns je träumen ließen und es kommt mir komisch vor, wie nur so wenige von den Leuten, die damals dabei waren als es anfing, heute sehen können was wir geschafft haben.

Aber wenn ich mir die heutige Welt so ansehe, komme ich einfach zu keinem anderen Urteil. Ja, es ist mir sehr bewusst, dass wir vor einigen wirklich großen Problemen stehen, die unsere sofortige Aufmerksamkeit verdienen. Probleme, die uns möglicherweise alle töten könnten. Ich neige auch dazu anzuerkennen, dass das Wahlvolk in diesem Land [USA] etwas fertig gebracht hat, von dem ich dachte, es sei unmöglich. Nämlich einen Präsidenten zu wählen, der noch dümmer und noch weniger geeignet ist ein Land zu führen als Bonzo Reagan – obwohl ich Bush nicht hasse oder seine Politik auch nur annähernd so scharf ablehne, wie es die meisten Leute tun, die ich kenne. In Los Angeles ist das schon eine der gefährlicheren Einstellungen, die man haben kann.

Aber sieh es doch mal so: Vielleicht jagen Bush und Konsorten den Irak in die Luft oder sorgen dafür, dass andere Leute so angepisst sind, dass sie Los Angeles in die Luft jagen. Und das wäre schlecht. Und der Irakkrieg ist keine schöne Angelegenheit. Aber in den 80ern haben es Reagan und Breschnew fast hingekriegt, die ganze gottverdammte Welt in die Luft zu jagen. Die Tatsache, dass wir es geschafft haben das zu vermeiden ist wirklich erstaunlich. Ich denke die Punk- und Hardcorebewegung spielte eine kleine, aber bedeutende Rolle dabei, den Leuten die Gefahr bewusst zu machen in der wir schwebten. Ich weiß nicht wie viele Leute wirklich 0DFx “Drop the A-Bomb on Me!” spielen hörten. Vielleicht ein paar Hundert, vielleicht ein paar Tausend, als die Platte rauskam. Aber grade diese Unbekanntheit machte seine Botschaft noch kraftvoller. Es war nicht irgendein großer Rockstar, der das gesagt hat. Sogar ein Haufen kämpfender Niemande, wie wir in Akron, Ohio hatten begriffen, wo es enden würde. Und wir waren nicht die einzigen. Aufmüpfige Niemande auf der ganzen Welt haben genau das gleiche auf ihre eigene Weise gesagt. Dieses grundsätzliche Bewusstsein machte einen großen Unterschied.

Es gibt noch andere kleine Dinge, die mir zeigen, dass wir erfolgreich waren. In meinem Film spricht Mike Duncan (den wir wegen seines knallbunten Irokesenschnitts [Mohawk] immer Mike Mohawk nannten) darüber, wie Leute ihn aus vorbeifahrenden Autos mit Gegenständen bewarfen als er 1982 mit seinem riesigen Irokesenschnitt, der aussah wie ein Segel im Wind, die Straße entlang ging. Er erzählt, wie er sich arbeitslos meldete und wie er überall abgewiesen wurde, wo er sich um einen Job bewarb. Das sind lustige Geschichten. Aber als er sie erzählte, hatte man den Verdacht, dass die jüngeren Leute im Publikum nicht ganz begreifen konnten, was er sagte. Ich erinnere mich als ich vor etwa zehn Jahren die ersten Einzelhandelsangestellten mit Iro, einer Menge Piercings und Tattoos sah. Ich war baff. Heutzutage könnte Mikes Iro es ihm schwer machen, für ein großes Finanzunternehmen zu arbeiten. Aber dass er einen trägt, wäre kein absolutes Hindernis mehr überhaupt irgendeine Arbeit zu bekommen, wie es das damals war. Die Leute können ein solches Aussehen mittlerweile akzeptieren. Das ist eine Verbesserung.

In der Highschool erklärte mich eine Bande von Typen für schwul, obwohl ich nicht die geringste Ahnung habe warum. Ich habe kein Problem mit Schwulen.
Nur bin ich es nicht. Wie dem auch sei. Diese Typen haben mich andauernd terrorisiert. Wenn ich nicht so schnell hätte laufen können wäre ich sicherlich oft das Zielobjekt für Schwulenklatschen gewesen, ohne auch nur im geringsten schwul zu sein. Heute erzählt man sich, dass schwule Pärchen händchenhaltend durch die Wadsworth High laufen und sich niemand daran stört. Fantastisch.

Sieh mal. Die Dinge ändern sich nicht über Nacht. Aber das würdest du auch gar nicht wollen. Wenn Veränderungen – sogar positive Veränderungen – zu schnell ablaufen, reagieren die Leute nicht gut darauf. Das ist ein Grund, warum du nicht einfach in eine Diktatur einmarschieren, die Regierung stürzen und dann sagen kannst: „Ok Leute, ihr seid jetzt eine Demokratie!“, und danach hast du sofort eine funktionierende Demokratie. So geht das nicht. Die westlichen Demokratien sind nicht einfach so aus dem Boden gewachsen. Sieh dir mal an was die Franzosen durchmachen mussten, um ihre Demokratie durchzusetzen und was wir durchmachen mussten, um unsere durchzusetzen. Menschen widersetzen sich meistens der Veränderung, auch wenn sie wirklich positiv sind, weil wir Routine mögen. Wir möchten gerne wissen was als nächstes kommt, sogar wenn das, was als nächstes kommt absolute Scheiße ist. Das kann man auch auf die Praxis der Meditation anwenden. Es ist sehr gut, dass du nicht innerhalb einer Stunde oder eines Tages erleuchtet werden kannst. Du würdestes nicht wollen. Es wäre ein zu großer Schock.

Trotzdem ist es sehr wichtig, uns weiter in Richtung einer besseren Welt zu bewegen. Wenn Veränderung nötig ist, muss sie von aufrichtigen Leuten kommen, die wirklich etwas tun. Das heißt, dass sogar scheinbar machtlose Menschen wie ein Haufen verwirrter Vorstadtkinder irgendwo in Ohio etwas beitragen können. Es ist egal wo du bist, du kannst etwas beitragen. Es ist deine Pflicht etwas zu bewirken.

Nur weil die großen Umbrüche, die du dir erhoffst, nicht alle auf einmal geschehen, ist das noch lange kein Grund zu sagen du hättest nichts bewirkt. Wie Ian MacKaye von Minor Threat sagte: “You tell me I make no difference, at least I’m fucking trying. What the fuck have you done?” („Du behauptest ich bewirke nichts, aber verdammt, ich versuche es wenigstens. Und was verdammt nochmal tust du?“) Und auch hier gilt das gleiche für die Meditation. Du musst nicht auf deinem allerersten Sesshin ins Nirvana eingehen. Bleib einfach dran und mit der Zeit tut sich was.

Hoffentlich wird meine ehemaliger „Buddhistischer Meister“-Kumpel mit seinen Problemen fertig. Oder er sitzt wenigstens eine Weile mit ihnen, um herauszufinden, ob sie wirklich wichtig sind oder nicht. Ich denke bei ihm werden sich die Dinge mit der Zeit auch verbessern.
















Link zum Originaltext:
http://suicidegirls.com/news/culture/21907/Brad%20Warners%20Hardcore%20Zen%20Getting%20B

Samstag, 30. Juni 2007

Komm zu uns!

Am Montag habe ich auf dem LA Film Festival einen sehr interessanten Film namens Join Us gesehen. Es ist eine Dokumentation von Ondi Timoner (ausgesprochen: tih-MOE-ner wie Jonesy aus der Jukebox Jury am Freitag herausgefunden hat), der Regisseurin vom großartigen Dig! - dem Film über die Brian Jonestown Massacre und die Dandy Warhols. Statt auf Rock´n´Roll hat Timoner ihre Kameras diesmal auf einen religiösen Kult in South Carolina gerichtet. Timoner sagt, sie sei interessiert gewesen, einen Film über psychische Manipulation zu drehen, nachdem sie Zeugin der größenwahnsinnigen Taktiken von Anton Newcombe wurde, mit denen dieser seine Bandkollegen auf einer Linie hielt. (Mal so nebenbei: Jedes mal wenn ich zu Hause eine BJM Platte spiele, fragt mich meine Frau, ob ich das bin, so ähnlich ist sich der Stil von BJM und meiner alten psychedelischen Band Dimentia 13)

Dem Film zufolge ist die neue Art von Sekte nicht mehr die riesige internationale Organisation wie die Moonies oder Scientology. Verbreiteter sind heute kleine Sekten von denen man in ländlichen Gegenden niemals was hört. Sie arbeiten völlig unter dem Radar. Es gibt praktisch keine Kontrolle über Gruppen, die sich als religiöse Sekte bezeichnen, und in Amerika kann das praktisch jeder tun. Wenn nicht alle Sektenmitglieder Selbstmord begehen wie bei Jonestown oder Heaven´s Gate, oder andere Menschen umbrigen wie Aum Shinrikyo in Japan, hört man niemals von ihnen.

Der Film begleitet den Zusammenbruch einer solchen Mini-Sekte, einer christlichen Feuer und Schwefel Kirche, angeführt von dem charismatischen deutschen Einwanderer Raimund Melz. In vertraulichen Gesprächen mit früheren und gegenwärtigen Mitgliedern der Melz-Sekte und sogar mit Melz selbst erfahren wir, wie aus einer einst eher gutartigen kleinen Landkirche etwas ziemlich beängstigendes und potentiell gefährliches geformt wurde.

Aus der Erfahrung mit meiner Dokumentation Cleveland´s Screaming habe ich gelernt, dass es selbst einer sachlichen Reportage zuträglich ist, einen Helden und einen Schurken zu haben. Der Held von Join Us ist die eine tapfere Seele, welche der Sekte entfloh und seine Brüder drinnen aufklärte, an was für einer tückischen Sache sie sich beteiligen, was letztlich weitesgehend zum Sturz der Kirche führte. Natürlich gibt es sie auch heute noch, aber die Mountain Rock Church ist ein bloßer Schatten ihres früheren Selbst, obwohl der Film behauptet, dass Melz über 5 Millionen Dollar aus seinen Schülern gesaugt hat. Melz und seine Frau sind die Schurken des Stücks.

Aber als ich den Film sah, hatte ich letztlich viel größere Sympathie, beziehungsweise jedenfalls Emphatie, mit Raimund Melz als mit seiner aufgebrachten früheren Gemeinde. Als der Anführer meines eigenen Kultes kann ich seine Seite der Geschichte deutlicher sehen, als die der vermeintlichen Helden des Films. Ich sitze da und denke „Wie bekomme ich meine Anhänger dazu, mir eine Flotte von Sportwagen zu kaufen, mir eine ganze Wohnsiedlung von kostenlosen Häusern zu bauen, welche ich dann wiederum zu überhöhten Preisen an sie vermieten kann? Wie kommt es, dass ich mein eigenes Geld nehmen muss, um das Hill Street Center für Retreats und Zazen-Kurse zu mieten, und damit jeden Monat einen immensen Verlust mache, weil nur 5 Leute vorbeikommen? Was soll das? Verdammt, vielleicht sollte ich 185 $ pro Sitzung berechnen und alle hypnotisieren, so das sie am Ende des Tages denken, dass sie erleuchtet seien…“

NEIN!NEIN!!NEIN!!! Ich scherze! S-C-H-E-R-Z-E. OK? Mal im Ernst ich verstehe Melz besser als seine Anhänger. Lass mich das etwas näher erläutern.

Die ehemaligen Mitglieder der Mountain Rock Church wollen Pastor Melz für die schrecklichen Dinge, die er sie tun ließ, teuer bezahlen lassen. Der Film verfolgt ihre Bemühungen eine Mehrere-Millionen-Dollar-Klage gegen ihr früheres Oberhaupt aufzuziehen. Man erfährt von ihrem Wunsch, dass Melz so qualvoll wie möglich sterben solle. Ein Ex-Mitglied sagt, er hoffe sie können Melz hinter Gitter bringen, da er andernfalls den Mann den er einst für so heilig hielt möglicherweise höchstpersönlich umbrächte.

Als ich mir das weiter ansah und anhörte, dachte ich darüber nach, was nun die eigentlichen Anschuldigungen sind. Melz wird des Planes bezichtigt, seine Jünger verschiedene Häuser bauen zu lassen, welche auf Gottes Geheiß – vermittelt durch Melz freilich – sogleich dem Pastor übergeben werden sollten, damit die Kirche (d.h. Melz) an ihnen verdienen kann. Der Pastor wird darüber hinaus beschuldigt seine Gemeindemitglieder angewiesen zu haben, ihre Kinder für jede kleine Ungehorsamkeit blutig zu schlagen. Melz soll die „richtige Art“ Strafe auszuteilen demonstriert, und die Kinder gelegentlich auch selbst geschlagen haben. Im Großen und Ganzen kamen die wirklich abscheulichen Bestrafungen allerdings von der Hand der liebenden Eltern.

Aufgepasst, Leute! Folgendermaßen: Wenn Du etwas tust, bist Du verantwortlich dafür. Ganz egal wer Dich dazu angestiftet hat, selbst wenn es Gott höchst persönlich war. Das Gesetz von Ursache und Wirkung bietet Dir kein Hintertürchen, durch das Du Dich heraus schleichen kannst. Es ist mir ziemlich egal, was der Große Heilige Mann oder das Große Heilige Buch Dir erzählt, was es für besondere Ausnahmen gibt, oder welches Gericht Dich letztlich freispricht. Du bist immer noch voll verantwortlich, unter allen Umständen, jederzeit, im ganzen Universum, für immer und ewig, Amen!

Ich kann Menschen, die ihre Verantwortung für die Dinge, die sie getan haben, von sich wegschieben nicht ausstehen, egal unter welchen Zwang sie standen. Klar, es ist nicht einfach zu allen Forderungen, die von außen an einen herangetragen werden, „Nein!“ zu sagen. Manchmal musst Du das aber einfach machen. Das macht den Helden des Films eigentlich heldenhaft - er geht einfach. Genauso wichtig ist es aber auch, gar nicht erst in so eine Scheiße zu geraten.

Das führt uns zu einem anderen Thema. Anders als die ehemaligen Mitglieder der Melz-Kirche uns glauben machen wollen, sind Sektenanhänger niemals einfach nur kleine unschuldige Dinger die von großen, bösen, schmutzigen und gierigen Typen hinters Licht geführt werden, weil die armen kleinen reh-äugigen Schätzchen es nicht besser wussten. Es sind Menschen, die unbedingt reingelegt werden wollen.

Mann, ich merke das manchmal bei einigen Leuten die bei mir vorbeikommen oder E-Mails schreiben. Ich ziehe sie nicht besonders an – eher stoße ich sie mit meiner Art von ganz allein ab – weswegen ich mich selbst nicht so häufig mit Ihnen auseinandersetzen muss. Aber ich höre oft von Typen, die ernsthaft nach jemandem wie Melz, Charles Manson, bin Laden, oder Hitler suchen. Es ist ziemlich beängstigend zu wissen, dass die wirklich schlimmen Fälle nicht aufhören zu suchen, bis sie entweder einen Größenwahnsinnigen oder zumindest einen armen Trottel finden, den sie in den korrupten Anführer verwandeln können, den sie sich so sehr herbeisehnen. In den Fragen mancher Menschen kann man die tiefe Sehnsucht nach jemandem, der ihnen sagt, was sie tun, fühlen und denken sollen, förmlich greifen. Manche der wirklich traurigen Fälle wollen – von allen ausgerechnet !!! – mich als großen Meister, der sie – freilich ohne ihr eigenes Zutun – in das gelobte Land führt.

Ich kann die große Enttäuschung spüren, wenn ich mich weigere dieser jemand zu sein. Und das ist manchmal wirklich hart für mich. …wenn ich doch nur derjenige sein könnte, der sie glücklich macht… Aber ich weiß, wohin das führt, und weigere mich, da mitzumachen. Ganz oft sind solche Menschen sehr geschickte Manipulatoren, die genau wissen, wie sie ihren Meister anpacken müssen, um ihn dazu zu bekommen, ihnen zu erzählen, dass Gott sie all´ die schlimmen Dinge tun sehen möchte, die sie sich innerlich so sehr herbeisehnen. Manch ein anständiger Lehrer meines Faches läuft einfach weg, wenn er so unter Druck gesetzt wird, und verweigert sich Anhängern jeder Art vollkommen. Es gibt eine Geschichte über Kobun Chino, den Meister meines ersten Zen-Lehrers, wie er einem Typen ausgesetzt war, der ihn unbedingt zu seinem Guru machen wollte. Kobun entschuldigte sich, und flüchtete aus dem Fenster des Badezimmers. Das kann ich gut verstehen. Auf Anführern jeder Art von religiösen Organisationen lastet großer Druck, der starke Papi oder die fürsorgende Mami für die Versammlung zu sein.

Der Grund ist ziemlich elementar. Wie jemand in dem Film betont, haben Menschen die längste Periode der Abhängigkeit aller Tiere, die wir kennen. Im Gegensatz zu Wesen, die innerhalb weniger Monate, wenn nicht sogar Wochen, Tage oder Stunden vollkommen unabhängig von ihren Eltern werden, können wir Jahrzehnte unter den Flügeln von Mama und Papa verbringen. Manche von uns leben niemals eigenständig, sondern verbringen stattdessen den Rest ihres Lebens mit der Suche nach neuen Eltern, die ihnen nen Lolli kaufen, wenn sie lieb waren, und den Arsch versohlen, wenn sie Scheiße gebaut haben. Und da sie schon mal dabei sind, können sie diesen Arsch auch gleich noch abwischen und kostenlose Unterkunft und Verpflegung obendrauf legen. Wir tun alles, um unseren neuen Eltern zu zeigen, dass wir artige Kinder sind.

Das soll freilich nicht die ganzen fiesen Sektenführer von ihrer Verantwortung davon freisprechen, was ihre Anhänger unter ihrer Führung anstellen. Natürlich tragen sie Verantwortung. Aber ein Guru hat nicht im ganzen Stück nur nen Monolog. Man kann keinen Sektenführer sein, ohne eine Sekte, die man führt. Die Monolog-Guru-Typen sind die, die an der Straßenecke stehen und von allen ignoriert und ausgelacht werden.

Ich vermute, Timoner wird das alles auch so verstanden haben. Gleichzeitig musste sie aber wohl ein Übergewicht auf die Darstellung der Geschichte der ehemaligen Mitglieder der Mountain Rock Church legen, damit sie diese überhaupt vor die Kamera bekommen hat. Dazu kommt Melz aber auch wirklich schlecht weg, wenn er denn mal die Gelegenheit erhält zu sprechen.

Beim Interview nach dem Film sprach Timoner darüber, wie normal alle in der Kirche waren, und dass auch sie dieser Sekte einfach hätte beitreten können. Jeder könnte das, sagte sie. Das ist nur zu wahr! Ich war in jungen Jahren ebenfalls reif, von einer Sekte eingesammelt zu werden, und habe darüber in Hardcore Zen geschrieben. Lest es nach, meine Freunde.

Über Sekten verschiedenster Religionen habe ich viel gelesen und viele Filme gesehen. Bei dem Großteil davon geht es darum, dass die Sektenjünger letztlich voll verantwortlich sind, wenn sie die Anweisungen ihrer Meister ausführen. Aber ich kann nicht ein einziges Buch oder einen Film nennen, der sich damit befasst, wie die Basis der Sekte dazu beiträgt, ihre „teuflischen“ Anführer dazu zu machen, was sie werden. Das ist keine Sache, die von einem Typ oder einer Gruppe, der oder die Befehle gibt, einfach so zu den Leuten, die diese dann ausführen nach unten durchläuft. Sie sind keine getrennten Wesen, sondern eine Art Gruppenorganismus, zu dem jedes Gruppenmitglied gleichrangig beiträgt.

Wie auch immer. Ich empfehle den Film wärmstens! Es ist ein interessantes Stück über ein wichtiges Thema.

Ich hoffe, Timoner ist auch da, wenn meine Sekte so richtig durchstartet! ;-p

Mittwoch, 16. Mai 2007

The Secret - Das Geheimnis

In letzter Zeit fragen mich eine Menge Leute nach meiner Meinung über The Secret. Für den Fall, dass Du das letzte Jahr über in einem 3 Meter tiefen Loch begraben gewesen bist, aus dem nur ein kleiner Strohhalm ragte, durch den Du Luft und gelegentlich auch mal Suppe erhalten hast, The Secret ist der letzte Schrei vorgeblicher fernöstlicher Spiritualität. Es geht vom New Age Buchladen bis zum Supermarkt weg wie warme Semmeln.

Grundsätzlich bin ich an so etwas nicht interessiert. Mal ehrlich, ich habe das Buch bei meinem Lebensmittelhändler um die Ecke mal durchgeblättert und konnte Dir nach einem Satz sagen, dass es vollkommener Schwachsinn ist. Offenbar überstehe ich allerdings gerade keine vier Tage, ohne dass jemand in einer E-Mail oder im Gespräch wissen will, was ich über The Secret denke. Als Svetlana mir erzählte, dass ein Freund von ihr so begeistert von The Secret ist, dass er ihr ein Exemplar der DVD gab, fragte ich sie, ob sie mir diese mal zum Ansehen mitbringen könnte.

Guter Gott im Himmel, was für ein Haufen Müll! Bei dem ganzen Hype um das Teil hätte ich wenigsten ein klitzeklein wenig Substanz erwartet. Das ist aber ein verdammter Infomercial. OK, das Budget ist einen Groschen größer als das der Ginsu-Messer- oder der Abdominizer Werbung. Dennoch das selbe Schema. Jede einzelne Person, die auf dem Bildschirm erscheint, ist so versessen darauf mir etwas zu verkaufen, dass ich mich fühlte, als wäre ich mitten im Werbeblock und wartete auf die Fortsetzung des Films.

Die Produzenten von diesem Mist wollen uns glauben machen, dass all die großen alten Traditionen das Geheimnis (The Secret) durch alle Zeiten hindurch gelehrt haben. Uns wird erzählt, dass eine Unmenge an toten Genies einschließlich Lincoln, Emerson, Einstein, Plato und Beethoven, seine Macht kannten. Mehrfach wird auch Buddha angeführt, wobei seine Zitate so aus dem Kontext gerissen werden, dass es den Anschein hat, als unterstützten sie die dämliche Philosophie von The Secret. Man soll also annehmen Buddhismus und The Secret laufen auf´s gleiche hinaus. Diese Dandies werden dann mit den „großartigsten Lehrern der Gegenwart“ verglichen – in anderen Worten: die Leute, die im Auftrag von The Secret vor der Kamera sprechen. Offenbar sind die größten, gegenwärtigen Lehrer des Planeten eine Gruppe von nervösen Malibu gebräunten Vollidioten mit 400 Dollar-Frisuren, die aussehen als ob sie in einem Country Club in Brentwood Martinis schlürfen und Golf spielen würden (Was sie sicher auch gerade tun, während Du das hier liest...). Ich weiß nicht wie es Dir da geht, aber bei solchen Menschen fühle ich mich sehr, sehr unwohl.

Wie auch immer, schauen wir uns also einmal die großartigen Lehren an, wie sie in einem der Extra Bonus Features der DVD von einem zugekokst dreinblickenden Typ namens Bob Procter, der sich als Philosoph vorstellt, dargelegt werden. Wirklich jeder einzelne auf dem Video hat diesen manischen Blick und liefert Dir hundert Weisheiten in einer Minute wie ein religiöser Fanatiker auf Crystal. Zumindest hat man ausnahmsweise mal diesen Psychopathen mit den Dreadlocks, der in Interviews immer mit der Plakette „Visionär“ versehen wird, außen vor gelassen. Das nächste Mal, wenn ich mein Profil bei monster aktualisier´ werde ich als meine gewünschte Stelle „Visionär“ eintragen. Wie auch immer, schauen wir uns an, was Bob zu erzählen hat:

Bob sagt, er sei nicht wirklich Bob. „Ich bin eine Seele, ein nicht-physikalisches Wesen, das in diesem Körper lebt.“ Lieber Bob, wenn Du das wirklich glaubst und diesen Nonsense mit dem Buddhismus in Verbindung bringen willst, schaust Du Dir lieber erst noch einmal einige Bücher zu diesem Thema an, da Buddha diese Vorstellung eindeutig abgelehnt hat. Aber ich schweife ab. Er fährt fort mit der Behauptung, „Ich habe die Fähigkeit die Vibrationen zu kontrollieren, die von mir angezogen werden. Wir wählen unsere Gedanken aus. Ich kann auf mich lenken, was immer ich will.“ Dazu „nehme ich die Idee und projiziere sie auf mein Unterbewusstsein, welches umgehend das gesamte Universum beeinflusst.“ Das sei so, da „Gedankenkosmische Wellen sind, die sowohl die gesamte Zeit als auch den gesamten Raum beeinflussen. Wenn ich mir mehr Reichtum wünsche, muss ich mir nur vorstellen, wie er in mein Leben fließt. Ich kann mich selbst in wundervollen Beziehungen sehen. Ich kann sehen wie das Geld zu mir kommt. Wir werden das woran wir denken. ... Du willst Wohlstand? Überfluss ist Dein Vorrecht! Wenn Du mehr willst, wenn Du größeren Reichtum wünscht, baue die Vorstellung auf, und halte an ihr fest!“

Ein neues Auto zu bekommen ist so einfach, lehne Dich in Deinem Sessel zurück und stell´ Dir vor, Du sitzt hinter dem Lenkrad. Du willst ein neues Haus? Stell Dir einfach vor Du lebst darin! So einfach ist das! Die Vibrationen „neues Haus“ werden von Dir angezogen und – voila! Es gehört Dir! Hypotheken? Azteken! Es kommt alles vom Gesetz der Anziehung, dem mächtigsten Gesetzen im Universum! Ziehe einfach das an, was du begehrst und es gehört dir!

Und für den Fall, dass du nicht gierig genug bist um vom Versprechen von Reichtum und Überfluss geködert zu werden, erwähnen sie schnell noch die Gefahr, dass das Gesetz der Anziehung nicht zwischen guten und schlechten Gedanken unterscheiden kann. Also wenn du an Autounfälle und Krebs denkst, bekommst du Autounfälle und Krebs. Bloß nicht an den felligen, pinken Elefant denken! Ihr versteht, wie´s läuft, Kids?

Du magst Dir sagen: „Ich will einfach durch‘s Wünschen reich werden! Außerdem habe ich Angst vor Autounfällen, Krebs und felligen, pinken Elefanten!“ Also fragst Du dich wahrscheinlich, wie man das bekommt was man will und das vermeidet, was man nicht will mit Hilfe des Gesetzes der Anziehung, Bob? Bob rät uns freundlicherweise: „Schau Dir den Film The Secret immer wieder an. Geh auf die Webseite. Alle Produkte, die sie dir dort anbieten, werden deine Art zu denken ändern.“ Klar! Verstehe! Ich kaufe Euch ganz viel Zeug ab und dann werde ich reich!Das macht Sinn! Dann lädt uns Bob ein: „Ich freue mich, dich bei einem der Seminare zu treffen, die diese Firma anbietet.“ Toll! Mehr Seminare die ich buchen kann! Und wenn ich mehr Seminare bei Euch buche, werde ich reicher!

Du bist mein Freund, Bob. Ich kann Dich anfassen indem ich einfach Dein Bild auf dem Bildschirm anfasse. Und wenn ich dich mal bei Einkaufen von 800 € Unterwäsche in der Hamburger Innenstadt treffe und dir erzähle, wie viel mir The Secret bedeutet, würden wir sicher mit Deinem Porsche in dein nettes Haus nach Blankenese fahren und dort Champagner trinken und wie alte Kumpel plaudern! Du bist so ein super Typ, Bob! Ich weiss das, denn du sprichst immer mit mir! Das muss so sein, schließlich sprichst du mich vor der Kamera immer wieder mit „DU“ an!

Ich werde wohl nie verstehen, warum Menschen auf so offensichtliche Fallen anspringen. Das ist mir ein großes Rätsel. Das wirklich große Geheimnis von The Secret ist, dass es sich dabei um eine Gruppe von thrashigen New-Age-Nonsense-Folkloristen handelt, die herausgefunden haben, wie sie ihre fixen Ideen verbinden und im Online-Shop verkaufen können. Gott! Sind wir wirklich so dämlich, dass das niemand bemerkt?

Ehrlich, ich halte mich nun wirklich nicht für ein Genie, aber dieser Kram ist einfach zu lächerlich, als dass ich zwanzig Sekunden darüber nachdenken, oder gar mein hart verdientes Geld darauf verschwenden würde. Vermutlich sind die Leute einfach von der Idee besessen, etwas gratis zu bekommen. Wird nicht passieren. Tut mir Leid, Bob. Es ist nicht einmal dir, oder den anderen Schwindlern auf dem Video passiert. Ihr habt euch den Arsch aufgerissen, um reiche Scharlatane zu werden, die den Leuten mit solchem Mist das Geld aus der Tasche ziehen. Ich dachte die Zeiten von „Gier ist gut“ seien mit dem Ende von Modern Talking gestorben. Schätze, da lag ich falsch. Du wusstest das, Bob, und hast es zu Geld gemacht. Das ist das einzige Geheimnis, dass ich hier erkennen kann.

Also was hat es mit den angeblich tieferen Lehren von The Secret auf sich? Das ganze „Der Geist ist das Universum“-Ding, welches sie ein paar Mal erwähnen klingt ein bisschen wie Buddhismus. Klar, weil sie es sich vom Buddhismus unter den Nagel gerissen haben. Genauso wie Hitler die Swastika und das Wort „Arier“ dem Buddhismus geklaut hat. Und ebenso wie Hitler ist alles, was diese Typen über Buddhismus wissen, welche der Begriffe abgefahren klingen. Sie haben nicht den leisesten Hauch einer Ahnung, was sie bedeuten. Bitte zeig mir die Stelle an der Buddha erwähnt „Der Geist ist das Universum“ führe dazu, dass du in einem Schloss an der Riviera landest, wenn du dir nur vorstellst, dass du dort lebst. Dieses Sutra habe ich wohl verpasst. Dass der Geist das Universum ist, bedeutet nicht mal im Ansatz, dass wir in einem von unseren Vorstellungen beherrschten Universum leben. Ich werde an dieser Stelle nicht versuchen zu erklären, was es bedeutet. Aber, um mal in die Trickkiste von The Secret zu greifen, verrate ich dir, dass ich in meinem neuen Buch drüber schreibe! Und es ist ein viel witzigeres Buch als The Secret!

Also wenn dich meine Meinung über The Secret interessiert: bitteschön. Ich werde mein Geld nicht auf die Produkte verschwenden, die sie anbieten. Und Bob, tut mir Leid Dich zu enttäuschen, aber wenn du dich darauf freust, mich wiederzusehen, wirst du eine laaaaaaaaaange Zeit warten...

Mittwoch, 18. April 2007

Soto ist gut

Meine Freundin Tonen O´Connor vom Milwaukee Zen Center hat an einigen meiner Kommentare über die Schule des Soto-Zen in einem früheren Beitrag Anstoß genommen. Deswegen dachte ich, das ganze nunmehr etwas klarzustellen. Ich liebe die Soto-Schule. Einige meiner besten Freunde sind Teil der Soto-Schule.

In allem Ernst – auch als Witzbold – : Ich habe wirklich keine großen Probleme mit der Soto-Schule. Beide meine Lehrer waren (sind) Sototypen. Tonen ist Teil von Soto. Die meisten Orte an denen ich Reden halte sind irgendwie mit Soto verbunden. Wenn Du den Buddhismus studieren willst, ist es meiner Meinung nach immer noch am Besten einem Lehrer der Soto-Linie zu folgen.

Darüber hinaus gibt es auch eine riesige Organisation in Japan, die sich Soto-shu nennt. Wie Du im oben verlinkten Wikipediaeintrag nachlesen kannst, gibt es 14700 Soto-Tempel mit 7 Millionen Anhängern. Es ist ´ne ziemlich große Maschine. Ich habe sehr wenig mit dieser Maschinerie zu tun, obwohl auch ich eine Mitgliedskarte mit mir ´rumschleppe. Der Lehrer meines ersten Lehrers, Kobun Chino, trat aus ihr aus, glaube ich, obwohl sein eigener Bruder eine zeitlang der Kopf der Organisation war. (Ich bin mir mit Kobun´s Austritt nicht ganz sicher, falls es jemand wirklich genau weiss: Sagt mir Bescheid!) Mein Lehrer Gudo Nishijima wurde vom damals amtierenden Vorsitzenden der Soto-shu (allerdings nicht Kobun´s Bruder) ordiniert, neigt aber immer noch dazu, jegliche Verwicklung mit der Organisation zu meiden. Große Organisationen sind alle ziemlich gleich. Augenscheinlich sind einige schlimmer als andere, und die Soto-shu tut viel mehr Gutes als Schlechtes. Aber, wie alle großen Organisationen, neigt sie dazu, wie eine gigantische Maschine zu funktionieren. Ich hab´s nicht so wirklich mit Bürokratie…

Ich verfolge das „rein & raus“, „wer ist wer“ und „was ist was“ in der Sotoorganisation nicht wirklich. Deswegen kommen die meisten meiner Informationen aus denselben Quellen im Internet, auf die auch jeder andere Zugriff hat. Wie bereits erwähnt, das meiste Zen auf das ich im Netz gestoßen bin, ist - ich wollte gerade „Müll“ sagen , aber ich habe mich gerade noch so davon abhalten können, sieh nur wie erwachsen ich bin! – sagen wir: ich bin einfach nicht daran interessiert. Es ist hauptsächlich jede Menge Krach und Verzerrung mit sehr wenig wirklicher Substanz. Aber ich glaube das liegt daran, dass die meisten guten Lehrer weniger Autoren sind. Warum sollten sie auch? Sie haben viel wichtigere Arbeit zu erledigen, als Zeugs in ihren Laptop zu hämmern und es ins virtuelle Netz zu schießen.

Wie auch immer: Ich wollte nur sicher stellen, dass niemand auf die Idee kommt zu glauben, ich würde alle Soto-Lehrer hassen. Obwohl ich mich manchmal frage, warum es überhaupt jemanden juckt, was ich denke.

Soto

Das ist ein Foto von mir auf der „Suicide Girls Party“ letzte Nacht. Kümmert es Dich wirklich, was so ein Typ darüber sagt, zu welchem buddhistischen Tempel Du gehen solltest? Es liegt nur bei Dir! Geh raus, hör Dir an, was die Lehrer bei Dir um die Ecke zu sagen haben, und entscheide selbst!

Mittwoch, 11. April 2007

U.G. Krishnamurti, die Soto Schule und coole Frisuren

ug033.jpg Ich war etwas erschüttert, als ich kürzlich vom Tod U.G. Krishnamurti erfahren habe. Ich kann nicht sagen, dass ich jemals ein wirklicher Anhänger war. Alles was ich kenne sind die kleinen Ton- und Videoschnipsel, die man so bei YouTube findet und die auch sonst gelegentlich mal im Internet auftauchen. Gut möglich, dass er irgendwelche wirklich dummen Dinge gesagt hat, von denen ich nichts weiss, also versteht das hier nicht als Bestätigung. OK?

Auf ihn bin ich auf die selbe Art und Weise gekommen, wie ich auf Robyn Hitchcock kam. Als ich psychedelische Alben unter dem Namen Dimentia 13 veröffentlichte, sagten Kritiker ich klänge wie Robyn Hitchcock beziehungsweise seine Band The Soft Boys. Von beiden hatte ich nie gehört, besorgte mir aber was von ihnen, und musste zugeben, das mein Zeug ein bisschen nach ihnen klang. Als ich als Buddhist online ging, meinten die Leute ich erinnere sie an U.G. Krishnamurti, von dem ich ebenfalls noch nie etwas gehört hatte. Also sah ich nach, und verstand den Grund für den Vergleich. Ich wurde nie solch ein Fan von U.G., wie ich es von Robyn Hitchcock bin. (Morgen Abend bin ich übrigens bei einer Show von ihm.) Aber ich mochte, was ich von seinem Werk hörte und las.

Meine einzige wirkliche Kritik an U.G. ist identisch mit jener an Jiddu Krishnamurti: Beide waren möglicherweise ein wenig zu intelligent, als es gut für sie selbst gewesen wäre. Oder besser: Als es gut für ihre Anhänger gewesen wäre. Beide Männer hatten offensichtlich eine Ahnung davon, was wahr und was einfach Müll ist. Beide haben den Wert jeglicher Organisation oder Methodik bestritten.

Im intellektuellen Sinne mag man geneigt sein zu sagen, dass alle Methodenlehren letztlich falsch sind. Offensichtlich können auch Menschen, die Jahrzente Zazen geübt haben, komplette Arschlöcher ohne irgendeine Ahnung von der Realität sein, und nichts sinnvolles zu sagen haben. Das geschieht, wenn Leute die Zeit auf ihrem Kissen dazu nutzen, immer tiefer in ihre eigenen Verblendungen abzutauchen, und wenn diese Täuschungen von schlechten Lehrern noch verstärkt werden. Gleichwohl bin ich überzeugt, dass solche Typen die Minderheit darstellen. Man kann sich also nicht, nicht einmal mit dem was man Zazen nennt, hinstellen, und behaupten: „Hier!Das ist es!Es funktioniert immer!Automatisch!Für jeden!“

Andererseits sage und glaube ich genau das, denn es ist eben auch Teil der Zazen-Übung, den eigenen Illusionen gegenüber eine angemessenen Haltung zu kultivieren.

Wie auch immer! Ich glaube, sowohl U.G., als auch Jiddu Krishnamurti lehnten Methodiken – wie Zen – etwas vorschnell ab. Freilich, auch ich neige oft dazu, das zu tun. Als Teil der Soto-Schule des Zen werde ich beispielsweise als Mitglied dieser Gruppe wahrgenommen. Außenstehende neigen dann dazu anzunehmen, dass ich mit allem übereinstimme was andere Mitglieder der Organisation – vor allem ihre vermeintlichen Oberhäupter – sagen und tun. Wenn ich jemanden treffe, der mir erzählt er sei im Ku Klux Klan, vermute ich, dass er Schwarze, Schwule und Juden hasst. Vielleicht gibt es Typen im KKK, die wegen der Barbeques dort sind, und sich einen Dreck um die politische Botschaft scheren. Möglich ist´s. Gleichwohl meine ich als Außenstehender, alle Mitglieder müssen mit den Positionen der Gruppierung wenigstens ein bißchen konform gehen.

Was die Soto-Organisation angeht, kümmere ich mich nicht allzu sehr darum, wofür sie zu stehen scheint. In die ganze, teure Begräbnissache, die offenbar ihre Hauptfunktion in Japan geworden ist, bin ich nicht involviert. Und, wie ich bereits erwähnte bin ich auch nicht glücklich darüber, dass man mich mit den Tätigkeiten einer amerikanische Lehrer in Verbindung bringen könnte. Dennoch habe ich mich bislang nicht von der Soto-Schule losgesagt. Gudo Nishijima trennt beharrlich zwischen der Organisation in Japan, der Soto-shu, und der Strömung von Lehrern, die bis zu Meister Dogen reicht, welcher die Soto-Linie nach Japan brachte. Aber er hat seine Bevollmächtigung durch und seine Tätigkeit für die Soto-shu nicht aufgegeben. Ich glaube auch nicht, dass er das jemals tut. Dasselbe gilt für mich.

Für mich ist es eine Frage praktischer Herangehensweise. Als Teil von Soto habe ich Zugang zu einem gewissen Grad Macht, der im Prinzip mit jeder Mitgliedschaft in einer größeren Organisation verbunden ist. Zum Beispiel wollten der Herausgeber meines ersten Buches einen Nachweis, dass ich ein rechtmäßiger und anerkannter Lehrer in einer legitimen buddhistischen Linie bin. Weil ich den liefern konnte, wurde mein Buch veröffentlicht. Natürlich sind in Amerka die Dinge so wild und verworren, das jeder der „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ gelesen hat, als Zen-Meister darstellen kann, ohne dass jemand das in Frage stellt. Freilich ist echte Legitimation wichtig. Selbst hier in Amerika wird man sich dessen langsam bewusst.

Natürlich bedeutet die Übertragung von einem oder sogar mehreren rechtmäßigen Lehrern einer legitimen Linie noch nicht, das alles einwandfrei ist. Dennoch bestreite ich die Macht und den Sinn solcher Linien nicht. Die Übertragung zu bekommen ist noch der leichteste Teil der Übung. Der schwierige Teil ist, dem gerecht zu werden, was übertragen wurde.

Wie auch immer. Obwohl ich genau weiss, was ich rüberbringen möchte, habe ich keine Illusionen über meine Fähigkeiten diesbezüglich. Dazu kommt: Alles was man sagt kann und wird falsch aufgefasst, von Leuten, die entschlossen sind Dinge falsch aufzufassen. Also sagst Du einfach was Du sagst, und machst es so deutlich (klar) wie Du kannst. Dann machst Du einfach Deine Steuererklärung. (Das ist das, was ich tun werde, wenn ich hiermit fertig bin.)

Wie auch immer. Ich bin etwas erschüttert über die Todesnachricht. Das ist alles. Er war ein interessanter Typ mit ´ner coolen Frisur.