Dienstag, 15. September 2009

Radiosendung auf BR 2

Hier ein Link zu einem Podcast, in dem unter anderem über das Sesshin mit Brad Warner berichtet wird.

http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-theologik.shtml

Der Name des Podcasts ist: Christen und die Politik - 14.09.2009
Der Part mit Brad beginnt ungefähr in der 36 Minute.

Danke an alle, die diese Sesshins möglich gemacht haben, diese Sendung gemacht haben, an Brad und an alle, die bei den Sesshins waren!

Mittwoch, 2. September 2009

Neuer Text - Es wird besser und BDSM mit Gott

Ein neuer Text von unserem neuen Mann - Cons!
ES WIRD BESSER

Und einer von Wayne:
BDSM mit Gott

Viel Spaß!

Dienstag, 7. April 2009

Sesshin Update

Brad Warner wird nun zwei Sesshins in Deutschland leiten. In Frankfurt/M und in der Nähe von München. Diese Chance solltest Du nutzen! Melde Dich am besten frühzeitig an - die Plätze sind begrenzt.

Hier die Termine:

Frankfurt am Main vom 21.8 bis zum 23.8.09
Infos unter: http://www.dogen-sangha-frankfurt.de/

Haus Hornberg
südlich von München
vom 03.9 bis zum 06.9.09
Infos unter: http://www.zeit-fuer-balance.de/index.html
Anmeldung bei: Christopher Hamacher

Samstag, 21. Februar 2009

Sesshin mit Brad Warner in Frankfurt und neuer Text

Der Termin für das Sesshin mit Brad Warner steht jetzt fest:
21.8 - 23.8.09

Weitere Informationen gibt es hier:
http://www.dogen-sangha-frankfurt.de/

Und hier geht's zum neuen Text:
Große Fische
Viel Spaß!
Für den Überblick über neue Texte und alles Weitere beachte unseren Redaktionsblog!

Montag, 9. Februar 2009

Warum können wir guten spirituellen Rat nicht akzeptieren, wenn er nicht von Superman kommt?

Mein neues Buch, Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate ist nun draußen. Die netten Leute von Borders.com haben einen Auszug vom Buch online gestellt den Du lesen kannst, wenn Du HIER klickst. Ich werde dafür dieses Jahr eine ausgedehnte Tour unternehmen, um Werbung dafür zu machen; für einen Link zu einer Liste der Termine siehe unten.


Ich würde gerne etwas über das Buch sprechen. Nicht um dafür zu werben (obwohl ich nicht abstreite, dass ich das tue), aber weil ich es geschrieben habe, um ein Thema anzusprechen, von dem ich denke, dass es sehr wichtig ist. Und das ist, warum wir, wie es scheint, guten spirituellen Rat nicht akzeptieren können, außer er kommt von Superman. Ich habe schon in meiner letzten Kolumne darüber gewettert, dass der Buddhismus keine Spiritualität ist. Doch hier verwende ich den Begriff „spirituell“ nur, um mich auf den Bereich des Lebens zu beziehen, welcher die tiefen Fragen über die Natur der Dinge anspricht. Es ist einfach ein praktisches Kürzel dafür. Aber alles, was ich das letzte Mal sagte, gilt immer noch.


Auf jeden Fall gibt es eine schon lange bestehende Auffassung, die sich durch eine Vielfalt religiöser Traditionen zieht, dass Leute nicht auf gute spirituelle Ratschläge hören wollen, außer wenn die Quelle dieser Ratschläge über Kräfte und Fähigkeiten verfügt, welche weit über die gewöhnlicher Männer hinausgehen (und Frauen, natürlich auch, aber ich zitiere das Intro der alten Superman-Serie, welches sehr sexistisch war). Es ist eben nicht genug, dass Jesus sagte, liebet eure Feinde und verkündete, dass derjenige, der ohne Schuld ist, den ersten Stein werfen solle. Damit alle die guten Dinge annehmen, meinten die Leute, welche diese Nachricht verbreiteten, wir müssten auch glauben, dass Jesus magische Kräfte hatte. Ich meine, warum sollten wir uns darum kümmern, andere so zu behandeln, wie wir selbst von ihnen behandelt werden wollen, wenn der Typ der das sagte, nicht Wasser in Wein verwandeln könnte?`Logo.


Dieser Gedanke zieht sich durch alle großen und nicht so großen spirituellen Traditionen. Buddhisten sind dafür nicht weniger anfällig als andere. Es gibt massig Storys von Buddhas Wundertaten und auch von seiner jungfräulichen Geburt. Der einzig wirkliche Unterschied der Buddhisten ist im Großen und Ganzen, dass sie nicht dazu neigen es allzu wichtig zu nehmen, ob man an diese Geschichten glaubt oder nicht. Tatsächlich lassen mehrere bedeutende buddhistische Strömungen diese völlig unberücksichtigt. Aber das bedeutet nicht, dass viele andere Buddhisten diese nicht glauben oder dass diese Geschichten für viele Buddhisten nicht wichtig sind.


Die Auffassung, dass er oder sie, um als spiritueller Lehrer Glauben geschenkt zu bekommen, wie ein Supermensch erscheinen muss, hat dennoch und gerade heute sehr viel Gewicht. Natürlich, heutzutage möchten wir unseren zeitgenössischen spirituellen Lehrern weniger glauben, dass sie zaubern können – dabei fallen einige Leute einfach auf Tricks von östlichen Fakiren und westlichen Gesundbetern rein. Anspruchsvolle, weltgewandte, gebildete Großstadtmenschen neigen dazu, subtilere Wunder zu erwarten als auf dem Wasser zu laufen oder einen feuerspuckenden, wirbelnden Auftritt hinzulegen, wie Buddha es getan haben soll. Aber noch immer erwarten wir Wunder.


Manchmal möchten wir, dass unsere Typen große altehrwürdige Meister sind, die genau in Beverly Hills reinkarniert wurden oder über übersinnliche Kräfte und selig machende Visionen verfügen. Und selbst wenn wir diesem krassen Hokuspokus nicht nachjagen, suchen wir trotzdem nach Leuten, welche unserem Bild von spiritueller Reinheit entsprechen. Diejenigen, welche rein spirituell sind, sollten nicht wie gewöhnliche Leute sein. Sie müssen fortwährend heiter und unberührt sein, befreit von körperlichem Begehren und Leiden. Wenn wir herausfinden, dass diese Menschen so sind wie der Rest von uns, neigen wir dazu, uns boshaft über sie zu empören und mit dem Finger auf sie zu zeigen. Der Mechanismus, durch den dies im Zen geschieht, ist ausreichend in Büchern wie Shoes Outside the Door und The Great Failure dokumentiert. Weder Richard Baker, Hauptfigur von Shoes Outside the Door noch Dainin Katagiri, Hauptfigur von The Great Failure haben jemals beansprucht ein spiritueller Superman zu sein, aber das hinderte einige ihrer Nachfolger nicht daran mit Ärger, Verzweiflung und auch Trauer zu reagieren, als ans Tageslicht kam, dass sie es nicht waren.


Natürlich sollten sich bei jemandem, der sich für eine meditative Praxis einsetzt, positive Effekte auf das eigene Leben bemerkbar machen. Das kann vernünftigerweise erwartet werden. Was vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, ist, dass diese guten Effekte sich in exakt demselben Verhalten manifestieren, wie wir uns das wünschen würden. Wir können niemals wissen, wie diese Leute wären, wenn sie ihre Praxis nicht hätten. Außerdem ist es nicht wichtig, wie meditative Praxis deinen Lehrer beeinflusst hat. Es zählt nur, wie die meditative Praxis Dich beeinflusst. Und du bist der Einzige, der jemals den vollen Umfang davon sehen wird.


Wie auch immer, der Grund warum ich Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate geschrieben habe, war, teilweise zu versuchen, die Idee eines spirituellen Superman für immer und ewig zu zerstören. Der einzige Weg, von dem ich das Gefühl hatte, das er das tatsächlich könnte, war Rufmord an einem bestimmten östlichen spirituellen Lehrer zu begehen. Da ich aus einer Tradition komme, welche daran glaubt, dass du die wirklich wichtigen Wahrheiten nicht mit dem Blick nach außen findest, sondern mit dem Blick in dein Inneres, reichte es mir nicht, das zu tun, was die Autoren der Bücher, welche ich oben erwähnt habe, taten, und ich suchte mir jemand anderes als Ziel aus. Der Lehrer, über dessen Ruf ich herzog, musste ich selbst sein. Ich gebe zu, dass ich nicht wirklich ein gutes Beispiel bin, einfach weil so wenige Leute tatsächlich glauben, dass ich irgendein bedeutendes erleuchtetes Wesen bin. Diejenigen, welche das tun, sind meist nur wie ein paar Halb-Gare-Fritten, die einem gerade noch zu einem Happy Meal fehlen.


Doch als ich anfing populärer zu werden, haben einige Leute in einer Art und Weise auf mich reagiert, die etwas erschreckend ist. Ich wurde nur ein paar Mal auf der Straße von irgendwelchen Fremden erkannt. Aber wenn ich in letzter Zeit in ein Meditationszentrum komme, wo sie meine Arbeit kennen, leuchten die Augen der Leute auf eine abgefahrene Art auf und einige scheinen sich sogar zu ducken, wenn ich versuche mit ihnen zu reden. Für diese Leute bin ich kein durchschnittlicher Kerl. Ich finde es schwierig, mit dieser Art der Reaktion umzugehen. Einige Leute reagieren auf mich auf eine Art, die nur dann Sinn macht, wenn sie beginnen irgendetwas Himmlisches auf ihr Bild von mir zu projizieren. Sie erwarten Dinge von mir, die sie voneinander niemals erwarten würden. Und das ist unfair.


Ich wollte nicht wirklich dieses Buch schreiben. Es ist heftig, deine schlechten Seiten darzulegen und dem Hohn und der Verachtung preiszugeben. Es war körperlich schmerzhaft das Buch zu schreiben. Ich hatte zuletzt ein halbes Dutzend anderer Ideen für ein drittes Buch, welches eine Kleinigkeit zu schreiben gewesen wäre und es wäre kommerziell etwas erfolgsversprechender gewesen. Aber dieses Buch schrie danach von mir realisiert zu werden, bis ich keine andere Chance mehr hatte, außer zu gehorchen.


Da war etwas sehr Tiefes, zu dem ich nur vordringen konnte, indem ich in meinen eigenen Eingeweiden herumgrub. Genau so entdeckte ich, dass sogar die wertlosesten Teile meines Lebens nicht ausschließlich Hässlichkeit und Horror sind. Tatsächlich fand ich zu meiner eigenen Überraschung ziemlich wenig davon. Es liegt eine Art von Schönheit in der Wahrheit, welche darüber hinausgeht, ob du diese Wahrheit ansprechend oder abstoßend findest. Außerdem sind auch einige Witze in dem Buch.


Ich wollte ein Buch schreiben, welches die Wahrheit über Lehrer in östlichen spirituellen Traditionen erzählt. Weil es da doch viele Illusionen über diejenigen von uns gibt, die in diesem Spiel sind. Die Öffentlichkeit, welche von den Medien getrimmt ist, glaubt, dass Lehrer in östlichen Traditionen nicht so sind wie unsere kunterbunte Mischung von spirituellen Lehrern wie Prediger, Priester, Imams und Rabbis. Uns wird gesagt, dass Yogis, Gurus und Zen-Meister dieses spezielle Etwas genannt „Erleuchtung“ haben; und dass sie das die Welt der gewöhnlichen Menschen transzendieren lässt. Du kannst sehr gutes Geld damit machen, indem du diesen Blödsinn ausbeutest. Da gibt es einen so genannten „Roshi“ (d.h. Zen­­-Meister), welcher leichtgläubigen reichen Menschen fünf Tage in seiner gottgleichen Gegenwart für $50,000 verkauft, auf der Basis, dass sie durch die Nähe zu ihm möglicherweise einiges von der Erleuchtung für sich selbst abbekommen könnten. Es wird so nicht passieren, also könntet ihr in Zukunft genauso gut mir das Geld geben!


Aber weil eben kein spiritueller Lehrer Superman ist, heißt das nicht, dass du nicht einiges durch die Praxis der Meditation lernen kannst. Ich glaube, dass Zazen der einzige Weg ist, den die Menschheit hat, um aus dem Schlamassel herauszukommen, in dem sie sich befindet. Wenn ich das nicht glaubte, würde ich mir nicht die Mühe machen das dauernd heraus zu posaunen.


In diesem mediengesättigten Zeitalter, wo jeder seine Skandalgeschichten auf Video festhalten und auf YouTube 2 Stunden später für alle sichtbar machen kann, gibt es keine Möglichkeit für spirituelle Supermen, um die Flaschenzüge und Drähte verschwinden zu lassen, mit denen sie ihre Zaubertricks aufführen. Es wurde Zeit, dass wir die Vorstellung eines spirituellen Superman sterben lassen und zu beginnen herauszufinden, wie wir gute spirituelle Ratschläge annehmen können, sogar von Leuten, die rülpsen und furzen und – oh mein Gott! – ficken genau wie wir. Solange wir das nicht tun können, wird da auch kein Weg sein, wie wir gute spirituelle Ratschläge von irgendjemandem annehmen können.


Brad Warner ist der Autor von Hardcore Zen und Sit Down and Shut Up! und zuletzt Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate. Er verwaltet den blog about Buddhist stuff und ebenfalls eine MySpace Seite. Wenn du mal in Südkalifornien bist und du etwas Zazen ausprobieren möchtest, dann hat er eine Gruppe, die sich jeden Samstag in Santa Monica trifft.

Hier kann man sehen, wo Brad als nächstes sprechen wird take a look here!

Kaufe seine neue CD von seiner Band Zero Defex bei CD Baby sofort!

Link zum Originaltext: http://suicidegirls.com/news/culture/23558/Brad%20Warners%20Hardcore%20Zen%20Why%20Cant%20We%20Accept%20Good%20Spiritual%20Advice%20Unless%20It%20Comes%20From%20Superman/

Übersetzt von Whitezen

Montag, 12. Januar 2009

Buddhismus ist nichts Spirituelles


 
Ich habe mir einige Kommentare zu meinem letzten Artikel für Suicide Girls angesehen und glaube den Grund gefunden zu haben, warum ich hier für so viel Verwirrung gesorgt habe. Wenn ich über Religion und die religiöse Sichtweise schreibe, nehmen viele Leser anscheinend an, dass ich den Buddhismus dazu zähle. Das tue ich nicht. Auch wenn Bücher über den Buddhismus, meine eigenen eingeschlossen, normalerweise in die Abteilung "Religion" gestopft werden, so ist der Buddhismus doch etwas ganz Anderes als eine Religion.

 
Wenn man das sagt, reagieren die Leute meistens mit "OK, dann ist der Buddhismus eine Form der Spiritualität." Spiritualität wird meistens als etwas gesehen, das besser ist als Religion. Sie existiert außerhalb von Zwängen der durchorganisierten Formalität religiöser Institutionen. Sie ist eine persönliche Beziehung zu deiner spirituellen Natur.

 
Das ist schön. Aber der Buddhismus ist keine Form der Spiritualität.

 
Überall auf der Welt war die Geschichte der Philosophie ein Kampf zwischen zwei grundlegenden Denkrichtungen - Idealismus und Materialismus. Spiritualität ist eine Art des Idealismus. Sie vertritt die Ansicht, dass die geistige Welt, die Welt der Ideen, Vorstellungen und Geisteszustände die wahre Wirklichkeit ist. Materie kommt bestenfalls an zweiter Stelle oder wird sogar als nicht vorhanden angesehen. Wir sind Geistwesen, die in Körpern ausschwabbeliger Materie gefangen sind - manche Körper sind sehr viel schwabbeliger als andere - und der Weg zum Glück besteht darin, sich aus der materiellen Welt und ihrem Elend zu befreien. Viele östliche Philosophien lehren: "Ich bin nicht dieser Körper. Ich bin die Seele darin." Das ist nicht die buddhistische Sichtweise. Aber dazu komme ich gleich noch.

 
Auf der anderen Seite sieht der Materialismus Materie als maßgeblich an. Eine geistige Ebene gibt es entweder nicht oder sie ist unwichtig. Materialismus lehrt, dass das, was wir für unsere Seele halten nichts weiter als die Aktivität einer hoch komplizierten biologischen Maschine ist. Wir sind alle nur Tiere. Radikale Materialisten gehen so weit zu sagen der einzige Weg glücklich zu sein sei so viel Geld, Sex und Macht zu bekommen wie nur möglich. Es gibt keine Seele. Es gibt kein Leben nach dem Tod. Es gibt keinen Gott.

 
Buddha folgte beiden Denkrichtungen und befand beide für mangelhaft. Er wurde als Prinz geboren und verbrachte den ersten Teil seines Lebens mit der praktischen Erprobung des Materialismus. Er hatte alles, was er sich nur wünschen konnte - Geld, scharfe Frauen, Macht. Aber damit war er nicht zufrieden. Also zog er los, um zu sehen, ob das Glück in einer völlig gegensätzlichen Lebensweise zu finden wäre. Er widmete sich verschiedenen spirituellen Praktiken und erreichte ihre höchsten Ziele. Er hatte einen wahnsinnigen geistigen Höhenflug, aber dabei zerstörte er fast seinen Körper. Das war nicht das, was er wollte. Er fand den Mittleren Weg erst, als er beide Extreme ablehnte und begann die Philosophie zu lehren, die heute seinen Namen trägt.

 
Der Buddhismus geht von der Grundvoraussetzung aus, dass weder Materialismus noch Idealismus richtig ist. Im Herz-Sutra steht: "Form ist Leere, Leere ist Form". Mit anderen Worten, Materie ist Geist, Geist ist Materie. Entschuldige Sting, aber wir sind keine Geistwesen in der materiellen Welt. Vielmehr ist die erfahrbare, subjektive, spirituelle Innenwelt unseres alltäglichen Lebens und die harte, objektive, materielle Außenwelt in der wir leben ein und dasselbe. Das ist eine sehr radikale Vorstellung. Sogar heute, 2500 Jahre nachdem Gautama das zuerst feststellte, können das nur wenige Leute akzeptieren. Sogar Leute, die sich selbst Buddhisten nennen, glauben all zu oft, dass der Buddhismus eine Form der Spiritualität ist.

 
Auch wenn der Buddhismus nicht spirituell ist, ist er keinesfalls materialistisch. Buddhismus ist Realismus. Heutzutage neigen die Leute dazu anzunehmen, dass Realismus und Materialismus dasselbe ist. Wenn sie das Wort "Realität" benutzen beziehen sie sich dabei auf die materielle Welt, wie sie uns von der Wissenschaft erklärt wird. Aber das ist nicht das, was Buddhisten mit "Realität" meinen. Die materialistische Sichtweise ist auch nichts weiter als eine Vorstellung.

 
Nun, Materie gibt es zweifelsfrei wirklich. Aber das Problem ist, dass unser Verständnis von Materie vielleicht nicht richtig ist. Die meisten Leute glauben, Materie existiere zuerst, und weil es sie gibt, kann man mit den Sinnen auch etwas wahrnehmen. Sowohl Idealisten wie auch Materialisten neigen zu dieser Vorstellung. Der Computer vor dir besteht aus Materie und existiert wirklich. Genauso wie deine Stirn. Wenn du deine Stirn auf den Computer donnerst, tut das weh. Die subjektive Wahrnehmung von Schmerz ist das Ergebnis der objektiv feststellbaren Kollision der Materie deiner Stirn mit der Materie des Computers. Buddhistische Philosophen wie Dogen, Nagarjuna und Buddha selbst drehen den Spieß um und setzen Sinneswahrnehmung an den Anfang. Weil unsere Sinne auf bestimmte Weise stimuliert werden, nehmen wir an, dass es Materie gibt. Es ist eine Sicht der Welt, die völlig anders ist als das, was wir gewohnt sind.

 
Die Wissenschaft ist eine sehr gute Art, um die materielle Seite der Wirklichkeit zu untersuchen, also müssen wir die Wissenschaft akzeptieren (jedenfalls echte Wissenschaft). Aber Dogen, der Typ der die buddhistische Schule gründete, in der ich lerne und praktiziere, sagte, dass das Universum in all seinen Richtungen nur ein kleiner Bruchteil der Realität ist.

 
Das heißt nicht, die materielle Welt ist hier und irgendwo da draußen im unendlichen Weltraum gibt es ein anderes, noch größeres Universum, das aus etwas Anderem besteht. Dogen sprach von unserer alltäglichen Erfahrung. Die materielle Seite unserer Erfahrung ist nur ein kleiner Teil unserer Existenz.

 
Weiterhin erleben wir geistige Wahrnehmungen niemals getrennt von unserem Körper oder umgekehrt. Die Vorstellung, dass es die eine Seite gibt, die andere aber nicht stimmt nicht mit unserer wirklichen Erfahrung überein.

 
Wir bewegen uns andauernd zwischen Materialismus und Idealismus hin und her. Wenn uns der Materialismus nicht zufrieden stellt, versuchen wir es mit Idealismus, wenn uns der Idealismus hängen lässt, gehen wir zurück zum Materialismus. Hier und heute [USA] können wir beobachten, wie das mit unserem gesamten Kulturkreis passiert. Vor hundert Jahren schien es so, als würde der Materialismus eines Tages alle Probleme der Menschheit lösen. Zwar genießt selbst die Mehrzahl der Ärmsten von uns Wohlstand und Komfort, wie ihn sich unsere Vorfahren nicht hätten erträumen können. Dennoch konnte der Materialismus viele unserer grundsätzlichsten Bedürfnisse nicht erfüllen. So treibt unser Kulturkreis wieder zurück auf den Idealismus zu, in der Hoffnung er möge uns die Erfüllung bringen, die wir suchen. Was wir als eine Kultur aber vergessen haben ist, dass der Idealismus uns bereits hängen gelassen hat. Deswegen sind wir ja überhaupt erst so materialistisch geworden.

 
Viele Leute sehen den Buddhismus als spirituelle Antwort auf unsere materiellen Übel. Aber wenn der Buddhismus nur eine weitere Form der Spiritualität ist, dann ist er so wertlos wie jede andere Religion. Wir brauchen etwas Anderes.

 
Alle mir bekannten Formen von Religion, Philosophie, Sucht oder anderen Methoden, die uns helfen sollen damit klarzukommen, was das Leben uns zumutet sagen uns: "Du fühlst dich unerfüllt? OK. Versuch das. Es wird dir Erfüllung bringen." Materialismus funktioniert eine Zeit lang. Aber sobald du etwas gekauft hast, ist der Kitzel des Kaufs vorbei und du willst etwas Anderes kaufen. Spiritualität kann dir zu einem großen, wahnsinnigen Höhenflug verhelfen. Aber leider wirst du immer wieder runterkommen.

 
Der Buddhismus verspricht nicht, unsere Wünsche zu erfüllen. Stattdessen sagt er "Du fühlst dich unerfüllt? Das ist OK. Das ist normal. Jeder fühlt sich unerfüllt. Du wirst dich immer unerfüllt fühlen. Es ist kein Problem sich unerfüllt zu fühlen. Tatsächlich ist es so: Wenn du lernst es richtig zu sehen, ist dieser Mangel an Erfüllung das Beste, was du überhaupt erleben kannst." Das ist die realistische Sichtweise.

 

Freitag, 9. Januar 2009

Brad kommt nach Deutschland - Hardcore Zen Deutschland

Brad Warner wird im August nach Deutschland kommen. Die Chance für Dich, dabei zu sein!
Seine Stationen werden wohl Süddeutschland, Frankfurt (21.-23.8.?!?), Leipzig und Berlin sein. Es wird vorraussichtlich Sesshins und Vorträge geben.
Jetzt kommt es auf Deine Unterstützung an. Melde Dich in unserer Googlegruppe an: http://groups.google.de/group/hardcore-zen-germany Dort tauschen wir uns aus.
Ein weiteres Thema, was insbesondere mir schon länger am Herzen liegt, ist eine bessere Vernetzung und Organisation seiner Anhänger hier. Deswegen schlage ich die Gründung eines Vereins vor, der ebendies, die Übersetzung seiner Bücher, die nachhaltige Organisation von Sesshins und Vorträgen im deutschsprachigen Raum zum Gegenstand hat. Näheres folgt. Wichtig ist mir auch hier: Interessenten vor. Der Verein wird den Leuten vor Ort Freiheiten lassen, aber für eine gesunde finanzielle Basis sorgen. Vielleicht so fünf Euro im Monat. Damit lässt sich dann durchaus mal was bewegen.
Also, do it yourself!
Rock on!
Christoph