Mittwoch, 11. April 2007

U.G. Krishnamurti, die Soto Schule und coole Frisuren

ug033.jpg Ich war etwas erschüttert, als ich kürzlich vom Tod U.G. Krishnamurti erfahren habe. Ich kann nicht sagen, dass ich jemals ein wirklicher Anhänger war. Alles was ich kenne sind die kleinen Ton- und Videoschnipsel, die man so bei YouTube findet und die auch sonst gelegentlich mal im Internet auftauchen. Gut möglich, dass er irgendwelche wirklich dummen Dinge gesagt hat, von denen ich nichts weiss, also versteht das hier nicht als Bestätigung. OK?

Auf ihn bin ich auf die selbe Art und Weise gekommen, wie ich auf Robyn Hitchcock kam. Als ich psychedelische Alben unter dem Namen Dimentia 13 veröffentlichte, sagten Kritiker ich klänge wie Robyn Hitchcock beziehungsweise seine Band The Soft Boys. Von beiden hatte ich nie gehört, besorgte mir aber was von ihnen, und musste zugeben, das mein Zeug ein bisschen nach ihnen klang. Als ich als Buddhist online ging, meinten die Leute ich erinnere sie an U.G. Krishnamurti, von dem ich ebenfalls noch nie etwas gehört hatte. Also sah ich nach, und verstand den Grund für den Vergleich. Ich wurde nie solch ein Fan von U.G., wie ich es von Robyn Hitchcock bin. (Morgen Abend bin ich übrigens bei einer Show von ihm.) Aber ich mochte, was ich von seinem Werk hörte und las.

Meine einzige wirkliche Kritik an U.G. ist identisch mit jener an Jiddu Krishnamurti: Beide waren möglicherweise ein wenig zu intelligent, als es gut für sie selbst gewesen wäre. Oder besser: Als es gut für ihre Anhänger gewesen wäre. Beide Männer hatten offensichtlich eine Ahnung davon, was wahr und was einfach Müll ist. Beide haben den Wert jeglicher Organisation oder Methodik bestritten.

Im intellektuellen Sinne mag man geneigt sein zu sagen, dass alle Methodenlehren letztlich falsch sind. Offensichtlich können auch Menschen, die Jahrzente Zazen geübt haben, komplette Arschlöcher ohne irgendeine Ahnung von der Realität sein, und nichts sinnvolles zu sagen haben. Das geschieht, wenn Leute die Zeit auf ihrem Kissen dazu nutzen, immer tiefer in ihre eigenen Verblendungen abzutauchen, und wenn diese Täuschungen von schlechten Lehrern noch verstärkt werden. Gleichwohl bin ich überzeugt, dass solche Typen die Minderheit darstellen. Man kann sich also nicht, nicht einmal mit dem was man Zazen nennt, hinstellen, und behaupten: „Hier!Das ist es!Es funktioniert immer!Automatisch!Für jeden!“

Andererseits sage und glaube ich genau das, denn es ist eben auch Teil der Zazen-Übung, den eigenen Illusionen gegenüber eine angemessenen Haltung zu kultivieren.

Wie auch immer! Ich glaube, sowohl U.G., als auch Jiddu Krishnamurti lehnten Methodiken – wie Zen – etwas vorschnell ab. Freilich, auch ich neige oft dazu, das zu tun. Als Teil der Soto-Schule des Zen werde ich beispielsweise als Mitglied dieser Gruppe wahrgenommen. Außenstehende neigen dann dazu anzunehmen, dass ich mit allem übereinstimme was andere Mitglieder der Organisation – vor allem ihre vermeintlichen Oberhäupter – sagen und tun. Wenn ich jemanden treffe, der mir erzählt er sei im Ku Klux Klan, vermute ich, dass er Schwarze, Schwule und Juden hasst. Vielleicht gibt es Typen im KKK, die wegen der Barbeques dort sind, und sich einen Dreck um die politische Botschaft scheren. Möglich ist´s. Gleichwohl meine ich als Außenstehender, alle Mitglieder müssen mit den Positionen der Gruppierung wenigstens ein bißchen konform gehen.

Was die Soto-Organisation angeht, kümmere ich mich nicht allzu sehr darum, wofür sie zu stehen scheint. In die ganze, teure Begräbnissache, die offenbar ihre Hauptfunktion in Japan geworden ist, bin ich nicht involviert. Und, wie ich bereits erwähnte bin ich auch nicht glücklich darüber, dass man mich mit den Tätigkeiten einer amerikanische Lehrer in Verbindung bringen könnte. Dennoch habe ich mich bislang nicht von der Soto-Schule losgesagt. Gudo Nishijima trennt beharrlich zwischen der Organisation in Japan, der Soto-shu, und der Strömung von Lehrern, die bis zu Meister Dogen reicht, welcher die Soto-Linie nach Japan brachte. Aber er hat seine Bevollmächtigung durch und seine Tätigkeit für die Soto-shu nicht aufgegeben. Ich glaube auch nicht, dass er das jemals tut. Dasselbe gilt für mich.

Für mich ist es eine Frage praktischer Herangehensweise. Als Teil von Soto habe ich Zugang zu einem gewissen Grad Macht, der im Prinzip mit jeder Mitgliedschaft in einer größeren Organisation verbunden ist. Zum Beispiel wollten der Herausgeber meines ersten Buches einen Nachweis, dass ich ein rechtmäßiger und anerkannter Lehrer in einer legitimen buddhistischen Linie bin. Weil ich den liefern konnte, wurde mein Buch veröffentlicht. Natürlich sind in Amerka die Dinge so wild und verworren, das jeder der „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ gelesen hat, als Zen-Meister darstellen kann, ohne dass jemand das in Frage stellt. Freilich ist echte Legitimation wichtig. Selbst hier in Amerika wird man sich dessen langsam bewusst.

Natürlich bedeutet die Übertragung von einem oder sogar mehreren rechtmäßigen Lehrern einer legitimen Linie noch nicht, das alles einwandfrei ist. Dennoch bestreite ich die Macht und den Sinn solcher Linien nicht. Die Übertragung zu bekommen ist noch der leichteste Teil der Übung. Der schwierige Teil ist, dem gerecht zu werden, was übertragen wurde.

Wie auch immer. Obwohl ich genau weiss, was ich rüberbringen möchte, habe ich keine Illusionen über meine Fähigkeiten diesbezüglich. Dazu kommt: Alles was man sagt kann und wird falsch aufgefasst, von Leuten, die entschlossen sind Dinge falsch aufzufassen. Also sagst Du einfach was Du sagst, und machst es so deutlich (klar) wie Du kannst. Dann machst Du einfach Deine Steuererklärung. (Das ist das, was ich tun werde, wenn ich hiermit fertig bin.)

Wie auch immer. Ich bin etwas erschüttert über die Todesnachricht. Das ist alles. Er war ein interessanter Typ mit ´ner coolen Frisur.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

du labbersack.

Anonym hat gesagt…

Das schreibt man Labersack.
Ein coller Labersack!
:-)

Anonym hat gesagt…

Das heißt: Labersack.
Cooler Labersack!
:-)

Anonym hat gesagt…

Ihr Labersäcke

Anonym hat gesagt…

Wunderbar! Wer das obige geschrieben hat, ist der lebende Beweis, das alles Üben nur das Ego stärkt und immer subtilere - dies hier ist noch nicht besonders subtil - Ausdrucksformen findet, sich zu legitimieren. Und sie Zazen und Zazen un Zazen....