Montag, 10. März 2008

Was bringt mir Zazen?

Am Sonntag habe ich die erste von drei Sitzungen bei Karuna Yoga in Los Feliz (L.A.) geleitet. Es war eine gute Sitzung, obwohl drei Leute abgewiesen wurden, die eine Stunde zu spät kamen, weil sie nicht mitbekommen hatten, dass an diesem Morgen Zeitumstellung war. Tut mir leid. Ihr habt aber noch zwei weitere Gelegenheiten, es hinzukriegen. Sonntag, den 16. März, um acht Uhr morgens und Sonntag, den 23. März, um die gleiche Zeit.

Bei Karuna bekam ich eine Frage gestellt, die sehr oft aufkommt. Sie lautete ungefähr: „Wenn ich diese Zazen-Praxis
aufnehme, was bringt mir das?“

Es gibt Millionen Variationen dieser Frage und jeder Zen-Lehrer wird ständig mit ihr konfrontiert. Mein Freund Greg Fain vom San Francisco Zen Center sagte, dass die Beantwortung dieser Frage umso schwieriger wird, je mehr man Zazen übt. Sehr oft geben Zenlehrer Antworten, die oberflächlich oder herablassend scheinen: „Nix!“ ist eine recht gebräuchliche Entgegnung. Aber wir sind nicht oberflächlich, sondern bloß ehrlich.

Die meisten Meditationslehrer versuchen dir ihre Technik schmackhaft zu machen, weshalb sie nette, einfache Antworten auf diese Frage haben. Sie werden dir etwas von Gelassenheit erzählen, von Geistesfrieden, ja sogar davon, die Erleuchtung zu erreichen. Langfristig hat Zazen sicherlich all´ diese Vorteile. Aber ich hasse es, sie zu betonen, denn wenn du in deiner Praxis auf diese Dinge spechtest, dann wird die bloße Tatsache, dass du sie erreichen willst, dich davon abhalten, sie zu erreichen. Gerade weil du ständig außerhalb deines tatsächlichen Geisteszustandes nach Geistesfrieden suchst, hast du niemals Frieden. Gerade weil du außerhalb dieses Moments nach Erleuchtung suchst, hast du keine Chance auf Erleuchtung. Du kannst sicherlich seltsame Geisteszustände erreichen, von denen dir skrupellose Lehrer erzählen werden, dass es die Zustände sind, die du suchst. Aber ich würde auf keinen von denen hören. Was wissen die überhaupt über deinen Geisteszustand?

Auf einer gewissen Ebene könnte man tatsächlich sagen, dass man durch die tägliche Zazen-Praxis “etwas bekommt”. Ich hätte sie definitiv nicht 25 Jahre lang aufrecht erhalten, wenn sie komplette Zeitverschwendung wäre. Aber um irgendetwas davon zu haben, musst du den Gedanken, dass du jemals irgendetwas davon haben wirst, fallen lassen. Schau einfach genau, wo du in diesem Moment bist. Das reicht.

Muss jetzt meine Brötchen verdienen. Tschau!

ADDENDUM

Fast unmittelbar nachdem ich diesen Eintrag eingestellt hatte, schrieb irgendein anonymer Poster:

„Ich hätte sie definitiv nicht 25 Jahre lang aufrecht erhalten, wenn sie komplette Zeitverschwendung wäre.“ Das ist eine ziemlich dumme Äußerung. So schaut´s also mit Zazen aus... . In Hardcore Zen sagtest du, man solle nur sitzen. In Sit Down and Shut Up sagtest du, man solle im Halb-Lotos sitzen. Und Dogen sagt, man habe ohne Lehrer keinen Zugang zum echten Zen. Ich bin enttäuscht, da es sich, je mehr ich mich darin vertiefe, immer mehr anhört wie all` das andere Zeugs da draußen.

Diese Frage bringt einen weiteren interessanten Aspekt der Praxis ans Tageslicht, der mit der Eingangsfrage zusammenhängt. Niemand wird versuchen, dir Zen zu verkaufen. Nun, ein paar Typen (ich werde keine Namen nennen) wollen dir etwas verkaufen, das sie Zen nennen. Aber das ist nicht Zen.

Warum sollte ich versuchen euch Zen zu verkaufen? Ich kriege kein Geld dafür. Ich bekomme keine Bonuspunkte vom Hauptbüro in der Fukui-Präfektur. Ich bekomme im Himmel keinen Kranz dafür, dass ich mehr Seelen gewonnen habe. Ich habe keinen Grund euch Zen zu verkaufen. Ihr denkt, dass ich durch die Retreats und Vorträge Geld verdiene? Ha! Die Dinger kosten mich immer mein letzes Hemd. Hätte ich keinen Beruf und keine Beschäftigung als Autor, dann könnte ich nicht mal in Betracht ziehen sie durchzuführen. Ich denke, dass die meisten Zenlehrer eine ähnliche Einstellung bezüglich der „Vermarktung“ der Praxis haben. Du willst eine lukrative Karriere? Werd´ bloß kein Zenlehrer.

Versteht mich jetzt nicht falsch. Ich versuche ja tatsächlich, euch meine Bücher zu verkaufen. Los, kauft sie! Durch sie bekomme ich Geld. Einer der Gründe, warum ich dieses Blog betreibe, ist es, diese Bücher zu verschachern. Aber das ist ne ganz andere Kiste. In diesen Büchern geht es um meine Zen-Praxis. Aber die Bücher selbst sind nicht Zen-Praxis.

Die Belohnung, die ich dafür kriegen würde, dass mehr Leute Zen praktizieren, ist eine friedvollere, stabilere Welt. Und das will ich tatsächlich. Also ja, vielleicht versuche ich doch, euch Zen zu verkaufen. Ich nehme alles zurück.

Kommentare:

Sonja hat gesagt…

Was bringt mir Zazen?
Eine interessante Frage!

Vielleicht sollte man erst fragen: Was ist Zazen?
"Za-Zen" wird allgemein mit "Sitzmeditation" übersetzt, also die Übung des Sitzens in der überlieferten Haltung mit der richtigen Atmung.
Über die Frage ob es dazu eine bestimmte geistige Haltung braucht, gehen die Meinungen weit auseinander. Viele meinen allein das richtige Sitzen würde ausreichen und es stellt sich irgendwann die Erleuchtung ein. Das wäre natürlich schön.

Meister Dogen (1200-1253) lehrt im Shobogenzo: " Zazen bedeutet, im gegenwärtigen Augenblick zu sein, jenseits aller Existenzen des Universums, den höchsten Buddha-Zustand zu erreichen und in diesem Zustand zu leben...".

Wer sich intensiver mit dem Thema befassen möchte sollte die Website: " Zen-Meditation
Eine Einführung und die Praxis des Zen" von Axel Jung besuchen.

Zu finden auf untenstehender Linksammlung. Hier gibt es auch noch andere Sachen, z.B. wunderschöne Zengärten und Bonsais. :-)

http://www.japan-und-zen.de/links.htm

Anonym hat gesagt…

....das ist so eine Sache, mit dem Zazen.

Ich sitze zur Zeit zweimal am Tag; insgesamt schon längere Zeit täglich.

Wiederum habe ich kaum Probleme damit, zu sitzen, oder zu sitzen, ohne daß etwas passiert, oder zu sitzen, obwohl es furchtbar langweilig wird, oder gar unangenehm.

Aber: Ich habe eine seelische Disposition (ich nenne es mal so), die nicht zu verachten ist, und da merke ich, daß so ein hingebungsvolles Zazen für mich zumindest auch gefährlich sein kann, wenn es zuviele, zu heftige Dinge auslöst, die mich krank machen können.

(Brad schrieb ja auch schonmal zu Traumata etc.).

Tatsächlich tendiere ich immer mehr dazu, eine gesunde, selbstbewußte
Form zum Umgang zu finden.

Intuition ist da ein Stichwort...
...mitunter scheint mir gar, daß die rechte Intuition ("Nicht- Wissen") ein guter Weggefährte in
den Buddha- Zustand ist ;-)


In diesem Sinne.....

Anonym hat gesagt…

...ääh....:

Ich meinte "tendiere ich immer mehr dazu, zu raten, eine gesunde und selbstbewußte Form im Umgang zu finden."

Gilt aber nichtstdestotrotz auch für mich.

Gassho!