Mittwoch, 18. April 2007

Soto ist gut

Meine Freundin Tonen O´Connor vom Milwaukee Zen Center hat an einigen meiner Kommentare über die Schule des Soto-Zen in einem früheren Beitrag Anstoß genommen. Deswegen dachte ich, das ganze nunmehr etwas klarzustellen. Ich liebe die Soto-Schule. Einige meiner besten Freunde sind Teil der Soto-Schule.

In allem Ernst – auch als Witzbold – : Ich habe wirklich keine großen Probleme mit der Soto-Schule. Beide meine Lehrer waren (sind) Sototypen. Tonen ist Teil von Soto. Die meisten Orte an denen ich Reden halte sind irgendwie mit Soto verbunden. Wenn Du den Buddhismus studieren willst, ist es meiner Meinung nach immer noch am Besten einem Lehrer der Soto-Linie zu folgen.

Darüber hinaus gibt es auch eine riesige Organisation in Japan, die sich Soto-shu nennt. Wie Du im oben verlinkten Wikipediaeintrag nachlesen kannst, gibt es 14700 Soto-Tempel mit 7 Millionen Anhängern. Es ist ´ne ziemlich große Maschine. Ich habe sehr wenig mit dieser Maschinerie zu tun, obwohl auch ich eine Mitgliedskarte mit mir ´rumschleppe. Der Lehrer meines ersten Lehrers, Kobun Chino, trat aus ihr aus, glaube ich, obwohl sein eigener Bruder eine zeitlang der Kopf der Organisation war. (Ich bin mir mit Kobun´s Austritt nicht ganz sicher, falls es jemand wirklich genau weiss: Sagt mir Bescheid!) Mein Lehrer Gudo Nishijima wurde vom damals amtierenden Vorsitzenden der Soto-shu (allerdings nicht Kobun´s Bruder) ordiniert, neigt aber immer noch dazu, jegliche Verwicklung mit der Organisation zu meiden. Große Organisationen sind alle ziemlich gleich. Augenscheinlich sind einige schlimmer als andere, und die Soto-shu tut viel mehr Gutes als Schlechtes. Aber, wie alle großen Organisationen, neigt sie dazu, wie eine gigantische Maschine zu funktionieren. Ich hab´s nicht so wirklich mit Bürokratie…

Ich verfolge das „rein & raus“, „wer ist wer“ und „was ist was“ in der Sotoorganisation nicht wirklich. Deswegen kommen die meisten meiner Informationen aus denselben Quellen im Internet, auf die auch jeder andere Zugriff hat. Wie bereits erwähnt, das meiste Zen auf das ich im Netz gestoßen bin, ist - ich wollte gerade „Müll“ sagen , aber ich habe mich gerade noch so davon abhalten können, sieh nur wie erwachsen ich bin! – sagen wir: ich bin einfach nicht daran interessiert. Es ist hauptsächlich jede Menge Krach und Verzerrung mit sehr wenig wirklicher Substanz. Aber ich glaube das liegt daran, dass die meisten guten Lehrer weniger Autoren sind. Warum sollten sie auch? Sie haben viel wichtigere Arbeit zu erledigen, als Zeugs in ihren Laptop zu hämmern und es ins virtuelle Netz zu schießen.

Wie auch immer: Ich wollte nur sicher stellen, dass niemand auf die Idee kommt zu glauben, ich würde alle Soto-Lehrer hassen. Obwohl ich mich manchmal frage, warum es überhaupt jemanden juckt, was ich denke.

Soto

Das ist ein Foto von mir auf der „Suicide Girls Party“ letzte Nacht. Kümmert es Dich wirklich, was so ein Typ darüber sagt, zu welchem buddhistischen Tempel Du gehen solltest? Es liegt nur bei Dir! Geh raus, hör Dir an, was die Lehrer bei Dir um die Ecke zu sagen haben, und entscheide selbst!

Mittwoch, 11. April 2007

U.G. Krishnamurti, die Soto Schule und coole Frisuren

ug033.jpg Ich war etwas erschüttert, als ich kürzlich vom Tod U.G. Krishnamurti erfahren habe. Ich kann nicht sagen, dass ich jemals ein wirklicher Anhänger war. Alles was ich kenne sind die kleinen Ton- und Videoschnipsel, die man so bei YouTube findet und die auch sonst gelegentlich mal im Internet auftauchen. Gut möglich, dass er irgendwelche wirklich dummen Dinge gesagt hat, von denen ich nichts weiss, also versteht das hier nicht als Bestätigung. OK?

Auf ihn bin ich auf die selbe Art und Weise gekommen, wie ich auf Robyn Hitchcock kam. Als ich psychedelische Alben unter dem Namen Dimentia 13 veröffentlichte, sagten Kritiker ich klänge wie Robyn Hitchcock beziehungsweise seine Band The Soft Boys. Von beiden hatte ich nie gehört, besorgte mir aber was von ihnen, und musste zugeben, das mein Zeug ein bisschen nach ihnen klang. Als ich als Buddhist online ging, meinten die Leute ich erinnere sie an U.G. Krishnamurti, von dem ich ebenfalls noch nie etwas gehört hatte. Also sah ich nach, und verstand den Grund für den Vergleich. Ich wurde nie solch ein Fan von U.G., wie ich es von Robyn Hitchcock bin. (Morgen Abend bin ich übrigens bei einer Show von ihm.) Aber ich mochte, was ich von seinem Werk hörte und las.

Meine einzige wirkliche Kritik an U.G. ist identisch mit jener an Jiddu Krishnamurti: Beide waren möglicherweise ein wenig zu intelligent, als es gut für sie selbst gewesen wäre. Oder besser: Als es gut für ihre Anhänger gewesen wäre. Beide Männer hatten offensichtlich eine Ahnung davon, was wahr und was einfach Müll ist. Beide haben den Wert jeglicher Organisation oder Methodik bestritten.

Im intellektuellen Sinne mag man geneigt sein zu sagen, dass alle Methodenlehren letztlich falsch sind. Offensichtlich können auch Menschen, die Jahrzente Zazen geübt haben, komplette Arschlöcher ohne irgendeine Ahnung von der Realität sein, und nichts sinnvolles zu sagen haben. Das geschieht, wenn Leute die Zeit auf ihrem Kissen dazu nutzen, immer tiefer in ihre eigenen Verblendungen abzutauchen, und wenn diese Täuschungen von schlechten Lehrern noch verstärkt werden. Gleichwohl bin ich überzeugt, dass solche Typen die Minderheit darstellen. Man kann sich also nicht, nicht einmal mit dem was man Zazen nennt, hinstellen, und behaupten: „Hier!Das ist es!Es funktioniert immer!Automatisch!Für jeden!“

Andererseits sage und glaube ich genau das, denn es ist eben auch Teil der Zazen-Übung, den eigenen Illusionen gegenüber eine angemessenen Haltung zu kultivieren.

Wie auch immer! Ich glaube, sowohl U.G., als auch Jiddu Krishnamurti lehnten Methodiken – wie Zen – etwas vorschnell ab. Freilich, auch ich neige oft dazu, das zu tun. Als Teil der Soto-Schule des Zen werde ich beispielsweise als Mitglied dieser Gruppe wahrgenommen. Außenstehende neigen dann dazu anzunehmen, dass ich mit allem übereinstimme was andere Mitglieder der Organisation – vor allem ihre vermeintlichen Oberhäupter – sagen und tun. Wenn ich jemanden treffe, der mir erzählt er sei im Ku Klux Klan, vermute ich, dass er Schwarze, Schwule und Juden hasst. Vielleicht gibt es Typen im KKK, die wegen der Barbeques dort sind, und sich einen Dreck um die politische Botschaft scheren. Möglich ist´s. Gleichwohl meine ich als Außenstehender, alle Mitglieder müssen mit den Positionen der Gruppierung wenigstens ein bißchen konform gehen.

Was die Soto-Organisation angeht, kümmere ich mich nicht allzu sehr darum, wofür sie zu stehen scheint. In die ganze, teure Begräbnissache, die offenbar ihre Hauptfunktion in Japan geworden ist, bin ich nicht involviert. Und, wie ich bereits erwähnte bin ich auch nicht glücklich darüber, dass man mich mit den Tätigkeiten einer amerikanische Lehrer in Verbindung bringen könnte. Dennoch habe ich mich bislang nicht von der Soto-Schule losgesagt. Gudo Nishijima trennt beharrlich zwischen der Organisation in Japan, der Soto-shu, und der Strömung von Lehrern, die bis zu Meister Dogen reicht, welcher die Soto-Linie nach Japan brachte. Aber er hat seine Bevollmächtigung durch und seine Tätigkeit für die Soto-shu nicht aufgegeben. Ich glaube auch nicht, dass er das jemals tut. Dasselbe gilt für mich.

Für mich ist es eine Frage praktischer Herangehensweise. Als Teil von Soto habe ich Zugang zu einem gewissen Grad Macht, der im Prinzip mit jeder Mitgliedschaft in einer größeren Organisation verbunden ist. Zum Beispiel wollten der Herausgeber meines ersten Buches einen Nachweis, dass ich ein rechtmäßiger und anerkannter Lehrer in einer legitimen buddhistischen Linie bin. Weil ich den liefern konnte, wurde mein Buch veröffentlicht. Natürlich sind in Amerka die Dinge so wild und verworren, das jeder der „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ gelesen hat, als Zen-Meister darstellen kann, ohne dass jemand das in Frage stellt. Freilich ist echte Legitimation wichtig. Selbst hier in Amerika wird man sich dessen langsam bewusst.

Natürlich bedeutet die Übertragung von einem oder sogar mehreren rechtmäßigen Lehrern einer legitimen Linie noch nicht, das alles einwandfrei ist. Dennoch bestreite ich die Macht und den Sinn solcher Linien nicht. Die Übertragung zu bekommen ist noch der leichteste Teil der Übung. Der schwierige Teil ist, dem gerecht zu werden, was übertragen wurde.

Wie auch immer. Obwohl ich genau weiss, was ich rüberbringen möchte, habe ich keine Illusionen über meine Fähigkeiten diesbezüglich. Dazu kommt: Alles was man sagt kann und wird falsch aufgefasst, von Leuten, die entschlossen sind Dinge falsch aufzufassen. Also sagst Du einfach was Du sagst, und machst es so deutlich (klar) wie Du kannst. Dann machst Du einfach Deine Steuererklärung. (Das ist das, was ich tun werde, wenn ich hiermit fertig bin.)

Wie auch immer. Ich bin etwas erschüttert über die Todesnachricht. Das ist alles. Er war ein interessanter Typ mit ´ner coolen Frisur.

Sonntag, 1. April 2007

Wissen und WISSEN

In meinem neusten Artikel für Suicide Girls schrieb ich: „Zu wissen, dass du nicht alles weißt, ist eine sehr mächtige Sache. Genau zu wissen, dass du nicht alles weißt, bedeutet, du kannst dir sicher sein, dass es sonst auch niemand weiß.”

Als Reaktion darauf schrieb ein Typ mit dem Namen Apesamongus:

Eins weiß ich genau, nämlich dass ich einen Scheiß darüber weiß, was andere Leute tun. Es ist arrogant anzunehmen, andere wären so unwissend wie du.

Das Problem hierbei: Es gibt Wissen und WISSEN. Viele Leute wissen Sachen, die ich nicht weiß, z.B. wie man seine eigene Lohnsteuer macht oder wie man Fagott spielt oder wie man Lasagne macht. Ich würde niemals annehmen, dass nur weil ich darüber nichts weiß, auch sonst niemand darüber Bescheid weiß. Außerdem gibt es einen bestimmten Grad an Wissen, der daher kommt, dass jemand seinen Platz auf der Erde schon etwas länger einnimmt als jemand anderes. Meine Großmutter kann sich an die Zeit erinnern als Fernsehen etwas Neues war, und dadurch, dass sie die Wandlungen Amerikas in diesem Jahrhundert erlebte, kann sie ebenso manches von diesem Wissen weitergeben.

Und dann gibt es WISSEN. WISSEN ist, was viele skrupellose Typen - spirituelle Meister genauso wie Politiker, Werbefachleute und andere fragwürdige Gestalten - im Gegensatz zu dir zu besitzen behaupten. Kürzlich hielten mich einige Leute für jemanden der WEIß. Ich werde immer wieder auf verschiedene Weise diese Frage gefragt: „Wie sieht die Welt für dich aus?” Als würden die Leute denken, dass wenn ich mir eine Tomate ansehe, ich die 8 Armige kosmische Gestalt von Vishnu oder so was sehe.

Ich habe eine E‑Mail von einem Kerl bekommen, der mir erzählte, dass als er ein privates Treffen mit seinem Meister hatte, dieser ihm erzählte: „Du bist auf Level 3 (von weiß der Henker, was für einer verdammten spirituellen Ebene er aus zählte), aber ich kann dich auf Level 2 bringen, wenn du willst.” Wie du siehst, WUSSTE der Lehrer, während der arme Schüler nur darauf hoffen konnte, sich in seiner strahlenden Herrlichkeit zu sonnen. Leute, wenn irgendjemand so was zu euch sagt, lauft bitte so schnell ihr könnt davon.

Die Wahrheit ist: niemand WEIß. Ich bin mir sicher ein paar von euch denken, “okay, aber woher weißt du, dass niemand WEIß? Du hast den Groß Meister Sri Sri Rama Übermensch nicht getroffen. Der WEIß definitiv.” Meinetwegen kannst du so einen Scheiß glauben, ich glaub es nicht. Denn WISSEN existiert nicht außerhalb von Dir selbst. Es ist nicht etwas, dass jemand besitzt und es dir verkaufen kann. Du kannst dir die Erfahrung eines anderen nicht ausleihen. Eine alte Metapher aus buddhistischen Geschichten hierfür lautet - den Schatz eines anderen zählen.

Jemand anderes mag über sich selbst gut Bescheid wissen. Aber er weiß nicht über dich Bescheid und er kann auch nicht über dich Bescheid wissen. Ich erinnere mich an eine Unterhaltung, die ich vor einigen Jahren mit Tim, meinem ersten Zen Lehrer, hatte. Ich sagte in etwa: „du weißt, du bist schon durch alles durch.” Er sagte: „Brad, ich bin noch durch gar nichts hindurch.”

Die Vorstellung, jemand anderes WÜSSTE, ist immer ein Weg die eigene Verantwortung an jemand anderes abzuschieben. Sie WISSEN, also können sie es dir sagen und du kannst dich hinsetzen und ihnen zuhören.

Das funktioniert nicht. Es gibt Zeiten, in denen ich wünschte, es ginge. Aber es geht nicht. Sobald du das verstehst, hast du eine Chance echtes Wissen für dich zu entdecken.

Link zum Originaltext

Samstag, 31. März 2007

Magische E-Mails und andere Wunder

Das hier ist eine wahre Geschichte. Letztens, ich glaube es war am Mittwoch, bekam ich eine E-Mail von einem Typ einer anderen Firma, mit dem ich an einem Projekt für meinen Job zusammenarbeite (denkst du, ich bekomme genug Geld von Suicide Girls um meinen Job hinzuschmeißen?). Die E-Mail war total ärgerlich. Sie deutete an, dass ich meinen Teil einer Abmachung zwischen unseren Firmen nicht einhalten würde, und drohte vage mit einer vertraglich vereinbarten Strafe. Tatsächlich versuchte der Typ in letzter Sekunde eine Menge Änderungen an dem Projekt vorzunehmen, und gab mir weit weniger Zeit, als ein Mensch braucht, um darauf antworten zu können.

Ich schrieb ihm zurück, führte alle relevanten Tatsachen an, und machte klar, dass das, was er sagte, zu weit ging, ohne meinen Ärger auf sein nerviges Schreiben zu verbergen. Ich drückte Senden. Ein paar Minuten später war die Mail wieder auf meinem Desktop, mit einer der computerisierten Erklärungen, dass sie wegen eines fatal Error XKG974.36/TX1138 oder so, nicht gesendet werden konnte. Also versuchte ich, sie noch mal zu senden. Doch einige Zeit später passierte dasselbe, die E-Mail kam zurück mit derselben unverständlichen Fehlermeldung.

Daraufhin ging ich die E-Mail durch, und löschte 5, 6 Wörter, die meine emotionale Reaktion auf die Mail des anderen Typs anzeigten. Nach dieser Ausmerzung war die Mail ohne emotionalen Gehalt, nur die wirklich trockenen Bestandteile der Angelegenheit waren übrig. Und wieder Senden. Whoosh! (Macintosh Benutzer kennen den Sound) Weg war sie.

Die Adresse blieb dieselbe. Den Anhang änderte ich nicht. Ich formatierte die Mail nicht neu. Ich machte gar nichts, außer dass ich einen einzigen Satz aus dem Inneren meiner Mail entfernte. Es ist unmöglich sich vorzustellen, dass das Entfernen von 5 oder 6 Wörtern irgendeinen Unterschied in der Sendebereitschaft machen würde oder nicht. Aber weg war die Mail, ohne ein Problem. Eine Weile später antwortete der Typ und war viel, viel ruhiger als in der ersten Mail. Auch ließ er erkennen, dass er auf die Eingeständnisse, die ich in dem gelöschten Satz gefordert hatte (den er wohl kaum gesehen hat), eingehen wolle.

Ich denke, ich habe einen sehr gütigen Computer. Ich werde ihn ab jetzt gut behandeln.

Es ist nicht das erste Mal, dass so ne' Sache passiert ist. Tatsächlich ist es in letzter Zeit irgendwie zur Gewohnheit geworden. Ich bin mir sehr sicher, dass sowas schon passiert ist, lange bevor ich darauf aufmerksam wurde. Aber damals wäre ich wahrscheinlich ziemlich aufgebracht gewesen, hätte den Computer einen Haufen Schrott genannt, oder mich über meinen Server beschwert, oder was man sonst so tut, wenn man von einem rätselhaften Computerproblem frustriert ist. Bei meiner Arbeit mit Computern in früheren Jahren bekam ich mal einen unübersehbaren, sehr juckenden Ausschlag, nachdem ich ziemlich gereizt von meinem Power PC war. Ernsthaft. Heutzutage ist meine Reaktion anders. Wenn Computer anfangen zu spinnen, akzeptiere ich es irgendwie als einen Teil der Güte des Universums.

Das ist nicht nur bei Computerkram so. Jeden Tag bin ich allen möglichen Beispielen der Freundlichkeit des Universums ausgesetzt, die zu erklären ich nicht imstande bin. So wie vor einigen Monaten als ich Glück hatte, dass das rechte Vorderrad meines Autos während der Fahrt nicht wegflog, da dieses merkwürdig ratternde Geräusch, das zu überprüfen ich aufgeschoben hatte, seine Ursache in der losen Schraube hatte, die mein Rad noch einzig hielt. Mittlerweile versuche ich auch „schlechte Sachen“ als Manifestation der Güte des Universums zu sehen, deren Sinn ich lediglich noch nicht verstehe.

Das ist nicht immer einfach, wohlgemerkt. Aber ich versuche es. Wenn ich Schwierigkeiten habe, die richtige Sichtweise anzunehmen, erinnere ich mich an eine Geschichte, die ich über Shunryu Suzuki las, dem Autor des großartigen Buchs Zen Geist Anfänger Geist. Er hatte die Diagnose über Hepatitis erhalten. Das war doppelt traurig für ihn, denn er mochte es mit einer seiner Schülerinnen Eiscreme zu essen. Die Ärzte sagten ihm er solle damit aufhören, damit sie sich nicht anstecke. Eine Weile später wurde die Diagnose revidiert. Suzuki hatte Krebs und dieser war voraussichtlich im Endstadium. Als er es seiner Schülerin erzählte, verstand diese nicht, warum er so fröhlich darüber war. Daraufhin sagte Suzuki, “verstehst du nicht? Das bedeutet, wir können uns wieder Eiscreme teilen!”

Gewöhnlich spreche ich nicht über meine Ansichten wie die der Güte des Universums, denn die meisten Menschen verstehen sie immer falsch. Wir haben diese wirklich seltsamen Methoden mit Sachen umzugehen, die wir nicht verstehen. Wir kommen zu allen möglichen seltsamen Schlüssen darüber was sie bedeuten und was wir dagegen tun sollten. So ähnlich wie: Das Universum tut Dinge, die wir nicht verstehen können, also los, lasst uns Bomben auf Leute werfen, die anders denken. Oder: Das Universum benimmt sich auf eine für uns nicht nachvollziehbare Weise, also lasst uns alle dem Typen mit dem spitzen blauen Hut gehorchen, was immer er uns befiehlt, zu tun. Leider erkenne ich da den Zusammenhang nicht. Vielleicht bin ich blöd.

Ich akzeptiere einfach die Tatsache, dass es Dinge gibt, die über unser intellektuelles Verstehen hinausgehen, und dass egal wie angestrengt ich oder sonst jemand versucht bestimmte Dinge zu verstehen, niemals ein sinnvolles Ergebnis herauskommt. Tatsächlich würde ich weiter gehen und sagen, dass egal wie hart jemand danach strebt, diese Dinge zu durchblicken, es niemals irgendeinen Sinn machen wird. Unser Gehirn ist super spitzfindig, aber wir sind nicht unendlich schlau. Niemand von uns.

Wir können absolut erstaunliche Dinge tun, indem wir mit unseren Gehirnen ein Problem bearbeiten – etwa zum Mond fliegen, oder all die winzig kleinen Daten in unseren Computer tippen, sodass der unsere Steuern verflucht schnell ausrechnet. Aber das heißt nicht, dass wir alles verstehen können. Die großen Fragen des Lebens, des Universums und des Ganzen können wir nicht mit unseren Gehirnen lösen. Wir können noch nicht einmal die Frage, wie wir friedlich zusammenleben können, dadurch lösen, dass wir unseren Verstand darauf ansetzen.

Dennoch scheitern fast alle Religionen und Philosophien daran, diese offensichtliche und bestürzende Tatsache zu akzeptieren. Die meisten Religionen sind, trotz all ihrem Gerede um Spiritualität, in Wirklichkeit zutiefst intellektuell. Einige sind mehr in den intellektuellen Bereich verstrickt als andere, dennoch scheitern sie daran jemals aus dem intellektuellen Gefängnis, das sie sich selbst gebaut haben, auszubrechen. Auch die meisten Meditationspraktiken, die ich kennengelernt habe, gehen unglücklicherweise nicht weiter, als das Gehirn und die Vorstellungskraft damit zu beschäftigen, erstaunliche Phantasien zu kreieren. Unsere eigenen Träume von Erleuchtung können so gemacht sein, dass sie so wirklich und schön erscheinen, dass ihrer verführerischen Kraft unmöglich zu wiedererstehen ist. Besorg dir einen Haufen Leute, die an dieselbe Erleuchtungs-Fantasie glauben und schon hast du eine sehr mächtige Bewegung. Aber das bedeutet einen Scheißdreck.

Meine Lieblingsdarstellung Buddhas ist die, bei der er meditiert und mit einer Hand den Boden berührt. Das symbolisiert seine Verwurzlung in der Realität. Wir mögen nicht wissen, was genau die Realität ist, aber wir wissen, dass sie real ist, deshalb müssen wir bei ihr bleiben, egal wie schön unsere Träume sein mögen.

Zu wissen, dass du nicht alles weißt, ist eine sehr mächtige Sache. Genau zu wissen, dass du nicht alles weißt, bedeutet, du kannst dir sicher sein, dass es sonst auch niemand weiß. Mit diesem Verständnis wirst du jedem, dem du begegnest, ebenbürtig sein. Mit niemandem über, und niemandem unter dir kannst du deinen wahren Platz im Universum finden.

Ich empfehle mich nun, da es ein paar E-Mails von meiner Arbeit gibt, die ich beantworten muss.

Thema wird hier weitergeführt

Mittwoch, 21. Februar 2007

ZU GUT

In der Kommentarspalte meines neusten Artikels für Suicide Girls habe ich diesen Text hier veröffentlicht. Der SG Artikel endet mit dem folgenden Absatz:

„Ich würde niemals behaupten, ich hätte Die Antwort für das Problem der Depression. Aber ich kann sagen, was mir geholfen hat, und was mir immer noch hilft. Es ist keine so einfache und schnelle Lösung wie jeden Tag ein paar Pillen zu schlucken. Aber auf lange Sicht ist es besser zu lernen, wie man mit sich selbst umgeht, anstatt die ganze Arbeit Medikamenten zu überlassen. Zumindest wirst du so nie vergessen, dein Rezept einzulösen. Dennoch, die Lösung, die mir geholfen hat, erfordert es, sich gegen das zu entscheiden, was die meisten Menschen als „normale“ Lebensweise und „normalen“ übermäßigen Luxus betrachten. Wenn du bereit bist, dieses Opfer zu bringen, wirst du sehen, dass es eigentlich gar kein Opfer ist.“

Auf der Suicide Girls Seite ärgerten sich einige Leute über meine Haltung gegenüber Medikamenten als Mittel zur Behandlung von Depressionen. Obwohl ich dachte, mein Text wäre sehr klar, und obwohl einige der Kommentierenden es verstanden haben, habe ich beschlossen, trotzdem einige klärende Worte hinzuzufügen.

Aber bevor du anfängst zu lesen, möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht daran interessiert bin über den Wert der von Psychiatern verschriebenen Medikamente zu diskutieren. Über das Thema wird schon genug diskutiert. Langweilig! Wenn du darüber debattieren willst, ist das in Ordnung. Erwarte nur nicht, dass ich in die Diskussion einsteige.

Ich bin jedoch an Meister Nishijimas Idee interessiert, der zufolge manche Dinge “zu gut” sind. Und das ist es, worüber ich hier einen Kommentar schreiben möchte. Hier nun (mit ein paar kleineren Veränderungen) das, was ich geschrieben habe:

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Als ich die Zeile schrieb, dass Zazen besser gegen Depressionen hilft, als Pillen zu schlucken, stellte ich mir keine Person mit lähmender, ernster Depression vor, die erst zu den Medikamenten greift, nachdem alles andere erfolglos war. Manchmal ist die medikamentöse Lösung der einzige Weg, um mit einem Problem umzugehen, das zu ernst geworden ist, als dass man es auf anderem Wege behandeln könnte. Wenn ich einen Autounfall hätte, oder man bei mir Krebs diagnostizieren würde, würde ich einen Arzt sehen wollen, und keinen Zen Meister.

Aber bei dem Haufen Geld, das die Pharmakonzerne in die Entwicklung von neuen Märkten für ihre Mittelchen stecken, sieht es für mich oft so aus, als ob eine ganze Generation von Amerikanern darauf hereingefallen ist, zu glauben, sie könnten unmöglich ihr Leben bewältigen, ohne ihre Gehirnchemie künstlich zu verändern. Die Werbung für diese Stärkungsmittel lässt es so klingen, als ob jeder Fall eines existentiellen Überdrusses nach einer Dosis Prozac® oder Paxil® schreit, damit du ja nicht beginnst, die Gesellschaft infrage zu stellen, in die du dich dank der Medikamente erfolgreich einfügen sollst.

Dennoch ist es mir nicht möglich zu erkennen, was die Leute bewegt, die sich über das, was ich gesagt habe aufgeregt haben. Vielleicht waren sie unter den seltenen Fällen, deren Lage so ernst ist, dass Medikamente die wirkliche einzig vernünftige Lösung waren. Ohne sie würden diese Leute vielleicht ihre Schule zusammenschießen oder Pop Stars und Politiker entführen. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht beurteilen.

Ich kann nicht über andere sprechen. Aber Folgendes kann ich über mich sagen. Ich bin dankbar dafür, dass ich durch meine Pubertät kam, bevor Antidepressiva vollständig entwickelt waren, und dass ich in meinen Zwanzigern zu arm war, um mir eine psychiatrische Behandlung zu leisten, denn ich habe keinen Zweifel daran, dass man mir Medikamente verschrieben hätte, um meine Depression zu lindern. Wäre ich diesen Weg gegangen, wäre ich vielleicht niemals dazu gezwungen worden, nach dem tieferen Grund meines Leids zu suchen.

Ich bezweifle nicht die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung. Aber zu sagen, sie sei wirkungsvoll, bedeutet, dass sie die erwünschte Wirkung erzielt. Ich frage mich, ob der Effekt, den wir uns wünschen, immer das ist, was wir wirklich brauchen. Ich war es gewohnt, in fast wöchentlicher Regelmäßigkeit an starken Kopfschmerzen zu leiden. Hohe Dosen an Ibuprofen waren eine effektive Gegenmaßnahme. Ich nahm die Pillen und der Schmerz verschwand. Mein Vertrauen auf die magische Lösung der Advil Korporation hielt mich davon ab, mich um die wahren Ursachen meiner Kopfschmerzen zu kümmern. Außerdem machte es meine Kacke hart wie Stein, eine Auswirkung, mit der ich selbst heute noch zu tun habe. Die tolle Werbung im Fernsehen scheint das niemals zu erwähnen, oder?

Erst als ich damit aufhörte, so viel Medikamente zu nehmen und anfing zu versuchen, an das wahre Problem zu kommen, war ich dazu imstande, die Probleme zu lösen, die wirklich gelöst werden mussten. Es gibt Zeiten, in denen Schmerz, gerade emotionaler Schmerz, ein Signal dafür ist, dass etwas Wichtiges direkt angegangen werden muss. Meine Erfahrung ist, dass Medikamente sehr effektive Mittel sein können, die Konfrontation mit dem, was wirklich schief läuft, zu vermeiden.

Einmal, als mein Zen Lehrer, Meister Nishijima, seinen Rücken verletzt hatte, brachte einer seiner Schüler ein Ding mit, das wie ein Heizkissen aussah und das dazu bestimmt war, eine Art von heilender elektrischer Energie in die Muskeln zu schießen. Nachdem der Schüler ihn lange Zeit bearbeitet hatte, probierte Nishijima das Gerät schließlich aus. Sein Urteil war, dass die Maschine „zu gut“ war, und er es bevorzugen würde, die Verletzung auf natürliche Weise heilen zu lassen. Ebenso denke ich, dass die meisten unserer Medikamente „zu gut“ sind. Sie sind gut, wenn du eine schnelle Hilfe für ein sehr ernstes Problem brauchst. Aber wann immer es möglich ist, ein natürlicheres Verfahren anzuwenden, ist dies immer besser. Selbst wenn es länger braucht und weniger „effektiv“ erscheint – was bedeuten würde, dass die Lösung nicht genau das ist, was wir uns gewünscht oder vorgestellt haben.

Link zum Originaltext