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Sonntag, 28. Februar 2010

Brads erstes Buch endlich auf Deutsch!

Liebe Leute, es ist soweit: 

Hardcore Zen kommt Mitte März 2010 endlich in deutscher Übersetzung raus! Wurde ja auch Zeit! Aber gut Ding will halt Weile haben...
Hardcore Zen: Punk Rock, Monsterfilme & die Wahrheit über Alles erscheint am 20.03.2010 im Aurum-Verlag, in broschierter Ausgabe mit geilem Cover und zu 'nem vernünftigen Preis.
Was will man mehr?
Eine gute Übersetzung will man natürlich.
Erfreulicherweise haben die Leute bei Aurum dafür Sorge getragen, dass hierbei nicht so geschlönzt wurde wie zum Beispiel im Falle der damals bei Goldmann Arkana erschienenen deutschen Ausgabe von Noah Levines Dharma Punx, deren Stil leider einigen Lesern als "übelste Fanzine-Schreibe" sauer aufstieß.
Angesichts dessen freut es uns, hier verkünden zu können, dass auf die Übersetzung von Brads Buch offensichtlich eine Menge Sorgfalt verwendet wurde und hierbei eindeutig Leute am Werk waren, denen sowohl Brads buddhistische Botschaft als auch die Szene, vor deren Hintergrund er sie entwickelt hat, sichtlich am Herzen liegen.
Im Klartext: Ton getroffen, Ziel erreicht!
Damit Ihr uns das nicht blind glauben müsst, findet sich übrigens auf der Website von Aurum auch eine Leseprobe im pdf-Format, die Ihr auch einfach per Klick auf diesen Link direkt von hier aus öffnen könnt: http://weltinnenraum.de/out/media/material/aurum/leseproben/L_Fly_LeseproHardcoreZen.pdf
Und wer das Buch schon mal vorbestellen möchte, kann das zum Beispiel hier tun:
So, der Rest (Buch kaufen, Brad reich und berühmt machen, Buch lesen, Euch aufs Kissen setzen, nach zig Jahren endlich Wahrheit finden, das ganze Gedöns halt) liegt bei Euch!


Hier noch der Link zu unserer neusten Übersetzung: 

Für den Überblick über neue Texte und alles Weitere beachte unseren Redaktionsblog!

Mittwoch, 20. Januar 2010

Die Glocke einladen



Bevor wir heute beginnen, muss ich euch etwas Cooles zeigen. Das ist das Cover der deutschen Ausgabe von Hardcore Zen, die im März 2010 im Aurum Verlag erscheint. Fett, oder? Ich freue mich darauf, dieses Jahr ein paar Live-Gigs in Deutschland zu veranstalten, um das Ding zu promoten. Hab die deutsche Version des alten Kraftwerk-Albums gehört (netterweise von Christine zur Verfügung gestellt - Danke!), um mir ein paar Brocken Deutsch anzueignen bevor ich gehe.

OK. Jetzt zur heutigen Tirade.

Neulich waren wir gerade dabei mit Zazen zu beginnen und ich sagte in etwa, "OK, lasst uns die Glocke schlagen und anfangen." Und dann meinte jemand, dass die Leute in einer anderen Zen Gruppe, mit der sie saß, nicht "schlag" die Glocke sagen würden, weil dieses Wort zu gewalttätig sei. Stattdessen "lädt man die Glocke ein zu klingen".

Ich antwortete "Und was, wenn die Glocke es mag, geschlagen zu werden?" Ich meine, vielleicht fährt die Glocke voll drauf ab, richtig hart geschlagen zu werden und bettelt dich förmlich an. In diesem Fall scheint es unfreundlich zu sein, der Glocke zu verweigern, was sie sich so sehr wünscht.

Nicht jeder erwartet die gleichen Dinge vom Leben wie du. Die, die etwas anderes als du oder als die Mehrheit der Menschen wollen, sind nicht notwendigerweise krank und haben unrecht, und sind nicht auf dich angewiesen, um sie in etwas zu verwandeln, das mehr dem ähnelt, was du "normal" nennst.

Das, denke ich, sollte offensichtlich sein, besonders für Westler, die sich für sogenannte "fernöstliche spirituelle Praktiken" interessieren. Wir sind selbst schon Mitglieder einer Minderheit. Daher sollten wir die Schwierigkeiten verstehen, die darin stecken an etwas interessiert zu sein, das den meisten Menschen, denen wir begegnen, nicht verständlich ist.

Und doch begegnet man in buddhistischen Zentren oft dieser Art von tiefen Vorurteilen und dem tief sitzenden Zwang, Menschen, die wir treffen, in etwas zu verwandeln, das uns ähnlich ist, statt ihnen zu erlauben genau so zu sein, wie sie wirklich sind. Tatsächlich ist diese Tendenz oftmals stärker in Menschen vorhanden, die auf irgendwelche Nischendinge stehen, wie z.B. Zen, als es in der Mainstream-Bevölkerung der Fall ist.

In Leuten, die auf Zen und solche Sachen stehen, liegt dieser Zwang oft unter unzähligen Schichten unerkannter Selbstgerechtigkeit begraben. Natürlich kannst du, wenn du auf Zen stehst, unmöglich an etwas interessiert sein, das der Rest von uns, die auf Zen abfahren, als merkwürdig oder (tiefer Atemzug!) irre ansehen würden.

Vieles von dem, was ich so an Vorgängen in der Welt des amerikanischen Zen beobachte, kommt von einem Ort tief liegender Selbstgerechtigkeit. Es ist dasselbe erstickende Gruppendenken, das sagt "Komm zu uns, sei eins mit uns, tu was wir dir sagen, sei so wie wir dich haben wollen, wenn du dich an unsere Ideale anpasst, wirst du mit einem Gefühl der Zugehörigkeit belohnt werden. Aber weiche niemals ab von dem, was wir als richtig ansehen, oder dieses Gefühl wird dir wieder genommen werden."

Aber hier ist der springende Punkt. Wenn du an etwas teilnimmst, sagen wir mal bei einem Sesshin, bei dem eine Gruppe zusammen Zazen praktiziert und für mehrere Tage auf engem Raum lebt, dann muss es ziemlich strenge Verhaltensregeln geben. Das nennt man atarimae (当たり前), um einen japanischen Ausdruck zu gebrauchen. Es ist etwas so Offensichtliches, dass es dumm erscheint, das überhaupt noch zu erwähnen.

Wie auch immer, daraus folgt nicht, dass Menschen, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen, versuchen müssten, sich in die Art von Ideal-Person zu verwandeln, um der Vorstellung zu entsprechen, die der kleinste gemeinsame Nenner der Gruppe ist.

Für mich ist eine Glocke ein Ding, das es genießt, geschlagen zu werden. Wenn eine Glocke geschlagen wird, ist sie fähig sich selbst als Glocke zu zeigen. Wenn du sie nicht schlägst, kann die Glocke nicht tun, was sie tun muss.

Wenn du versuchst, die Tatsache zu vertuschen, dass du die Glocke schlägst, indem du diese Tat hinter einem hochtrabenden Euphemismus verbirgst, bist du nicht ehrlich mit dir selbst oder mit der Glocke.

Du hast eine Verantwortung deinen Part zu spielen. Manchmal begegnest du einer Glocke, die geschlagen werden muss, um sich als Glocke zu manifestieren. Wenn du zu sehr in ein sorgfältig kultiviertes Bild von dir selbst verwickelt bist als jemand, der niemals etwas schlagen würde, nicht mal eine Glocke, dann wirst du letztlich mehr Schaden anrichten, indem du nicht das tust, was nötig ist.

Die heutige Pop-Kultur hat das Image vom idealen Buddhisten kreiert als eine zaghafte Person, die sich so sehr davor fürchtet Schaden zu verursachen, dass er nicht handeln kann, wenn es darauf ankommt. Schau dir dieses feine Beispiel an:


Es ist lustig, das versprech ich dir. Und ich fühle mich überhaupt nicht angegriffen durch diesen Werbespot. Das Problem ist, dass man einem Haufen Leute begegnet, die sich selbst als echte Buddhisten betrachten und den Buddhismus fast auf die gleiche Art sehen, wie die Leute, die diesen Werbespot gedreht haben. Leute, die versuchen ihr Leben nach dem Vorbild verschiedener Karikaturen von Buddhisten auszurichten, die sie in der Fernsehwerbung oder schlechten Hollywoodfilmen gesehen haben.

Dann passiert das gleiche wie mit jeder Religion. Um seine Überzeugung zu stärken, wirklich zu sein, was auch immer man gerne sein will, braucht man andere Leute, die auch versuchen, das zu sein. Und so übt die Gruppe Druck auf alle ihre Mitglieder aus, sich anzupassen. Die Unangepassten werden geächtet. Und alle die zurückbleiben fühlen sich gut, denn sie sind nur von gleichgesinnten Leuten umgeben.

Aber die wirkliche Welt besteht nicht aus Leuten, die genauso denken wie du. Oder die, um ehrlicher zu sein, vorgeben so zu denken, wie sie sich vorstellen, wie du denkst, um so deine Anerkennung und die der restlichen Gruppe zu gewinnen. Wenn es das ist, was wir in unseren Sanghas kultivieren, dann tun wir absolut niemandem irgendetwas Gutes.

Noch tückischer als der Zwang andere so zu verwandeln, wie sie unserer Meinung nach sein sollten, ist der Zwang uns selbst in unsere eigenen Ideale zu verwandeln. Aber diese Ideale basieren immer auf derselben Gier, Wut und Täuschung, die wir versuchen durch unsere Praxis loszuwerden. Deswegen zielt Zen auf absolut nichts, außer darauf, dem, was gerade präsent ist, zu erlauben sich klar zu manifestieren. Paradoxerweise können wir, wenn wir das tun, wirklich sehen, was in unserem Leben geändert werden muss und sehen klar, was hier und jetzt getan werden muss, damit das passiert.

Kodo Sawaki erzählte eine Geschichte, in der er das Werden zu einem Buddha mit dem Werden zu einem Dieb vergleicht. Um ein Dieb zu werden, musst du nicht Jahr für Jahr üben, um zum idealen Dieb zu werden. Du läufst einfach in einen Plattenladen wie Amoeba Records, schiebst dir die neue Metallica CD in deine Tasche und läufst raus. Du wirst wahrscheinlich von den großen kräftigen Kerlen an der Tür geschnappt werden. Oder vielleicht kommst du durch. In beiden Fällen wirst du augenblicklich zum Dieb.

Dasselbe gilt für die buddhistische Praxis. Du wirst ein Buddha, indem du Zazen sitzt. In dem Moment, in dem du diese Position einnimmst, bist du ein Buddha. Kein Grund dich oder die Leute um dich herum dazu zu zwingen, sich in irgendwelche, wie auch immer geartete konfuse Ideale, wie Buddhisten sein sollten, zu verwandeln.

Dieser Zwang andere und uns selbst entsprechend unseren Idealen zu verändern ist ein bedeutendes Problem, und eins von dem ich nicht glaube, dass es genug beachtet wird. Es ist die äußere Manifestation eines tiefen Missverständnisses des Buddhismus, welches eigentlich eine Menge von dem antreibt, was heute unter Buddhismus verstanden wird.

Wenn du sagen willst du akzeptierst alles, dann, verdammt, akzeptier jedes verdammte Ding. Nicht nur die Dinge, die du akzeptabel findest.


Das heißt nicht, dass es nicht viele Dinge gibt, die wirklich verändert werden müssen. Aber die Dinge, die wirklich und ernsthaft verändert werden müssen, sind ziemlich offensichtlich.

Dem Buddhismus geht es nicht um Rückzug aus der Realität hin zu einer im eigenen Kopf fabrizierten freundlichen, sanften Welt. Es geht darum diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, indem wir sie so sehen, wie sie ist und das tun, was wirklich getan werden muss.


Dienstag, 15. September 2009

Radiosendung auf BR 2

Hier ein Link zu einem Podcast, in dem unter anderem über das Sesshin mit Brad Warner berichtet wird.

http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-theologik.shtml

Der Name des Podcasts ist: Christen und die Politik - 14.09.2009
Der Part mit Brad beginnt ungefähr in der 36 Minute.

Danke an alle, die diese Sesshins möglich gemacht haben, diese Sendung gemacht haben, an Brad und an alle, die bei den Sesshins waren!

Dienstag, 7. April 2009

Sesshin Update

Brad Warner wird nun zwei Sesshins in Deutschland leiten. In Frankfurt/M und in der Nähe von München. Diese Chance solltest Du nutzen! Melde Dich am besten frühzeitig an - die Plätze sind begrenzt.

Hier die Termine:

Frankfurt am Main vom 21.8 bis zum 23.8.09
Infos unter: http://www.dogen-sangha-frankfurt.de/

Haus Hornberg
südlich von München
vom 03.9 bis zum 06.9.09
Infos unter: http://www.zeit-fuer-balance.de/index.html
Anmeldung bei: Christopher Hamacher

Montag, 9. Februar 2009

Warum können wir guten spirituellen Rat nicht akzeptieren, wenn er nicht von Superman kommt?

Mein neues Buch, Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate ist nun draußen. Die netten Leute von Borders.com haben einen Auszug vom Buch online gestellt den Du lesen kannst, wenn Du HIER klickst. Ich werde dafür dieses Jahr eine ausgedehnte Tour unternehmen, um Werbung dafür zu machen; für einen Link zu einer Liste der Termine siehe unten.


Ich würde gerne etwas über das Buch sprechen. Nicht um dafür zu werben (obwohl ich nicht abstreite, dass ich das tue), aber weil ich es geschrieben habe, um ein Thema anzusprechen, von dem ich denke, dass es sehr wichtig ist. Und das ist, warum wir, wie es scheint, guten spirituellen Rat nicht akzeptieren können, außer er kommt von Superman. Ich habe schon in meiner letzten Kolumne darüber gewettert, dass der Buddhismus keine Spiritualität ist. Doch hier verwende ich den Begriff „spirituell“ nur, um mich auf den Bereich des Lebens zu beziehen, welcher die tiefen Fragen über die Natur der Dinge anspricht. Es ist einfach ein praktisches Kürzel dafür. Aber alles, was ich das letzte Mal sagte, gilt immer noch.


Auf jeden Fall gibt es eine schon lange bestehende Auffassung, die sich durch eine Vielfalt religiöser Traditionen zieht, dass Leute nicht auf gute spirituelle Ratschläge hören wollen, außer wenn die Quelle dieser Ratschläge über Kräfte und Fähigkeiten verfügt, welche weit über die gewöhnlicher Männer hinausgehen (und Frauen, natürlich auch, aber ich zitiere das Intro der alten Superman-Serie, welches sehr sexistisch war). Es ist eben nicht genug, dass Jesus sagte, liebet eure Feinde und verkündete, dass derjenige, der ohne Schuld ist, den ersten Stein werfen solle. Damit alle die guten Dinge annehmen, meinten die Leute, welche diese Nachricht verbreiteten, wir müssten auch glauben, dass Jesus magische Kräfte hatte. Ich meine, warum sollten wir uns darum kümmern, andere so zu behandeln, wie wir selbst von ihnen behandelt werden wollen, wenn der Typ der das sagte, nicht Wasser in Wein verwandeln könnte?`Logo.


Dieser Gedanke zieht sich durch alle großen und nicht so großen spirituellen Traditionen. Buddhisten sind dafür nicht weniger anfällig als andere. Es gibt massig Storys von Buddhas Wundertaten und auch von seiner jungfräulichen Geburt. Der einzig wirkliche Unterschied der Buddhisten ist im Großen und Ganzen, dass sie nicht dazu neigen es allzu wichtig zu nehmen, ob man an diese Geschichten glaubt oder nicht. Tatsächlich lassen mehrere bedeutende buddhistische Strömungen diese völlig unberücksichtigt. Aber das bedeutet nicht, dass viele andere Buddhisten diese nicht glauben oder dass diese Geschichten für viele Buddhisten nicht wichtig sind.


Die Auffassung, dass er oder sie, um als spiritueller Lehrer Glauben geschenkt zu bekommen, wie ein Supermensch erscheinen muss, hat dennoch und gerade heute sehr viel Gewicht. Natürlich, heutzutage möchten wir unseren zeitgenössischen spirituellen Lehrern weniger glauben, dass sie zaubern können – dabei fallen einige Leute einfach auf Tricks von östlichen Fakiren und westlichen Gesundbetern rein. Anspruchsvolle, weltgewandte, gebildete Großstadtmenschen neigen dazu, subtilere Wunder zu erwarten als auf dem Wasser zu laufen oder einen feuerspuckenden, wirbelnden Auftritt hinzulegen, wie Buddha es getan haben soll. Aber noch immer erwarten wir Wunder.


Manchmal möchten wir, dass unsere Typen große altehrwürdige Meister sind, die genau in Beverly Hills reinkarniert wurden oder über übersinnliche Kräfte und selig machende Visionen verfügen. Und selbst wenn wir diesem krassen Hokuspokus nicht nachjagen, suchen wir trotzdem nach Leuten, welche unserem Bild von spiritueller Reinheit entsprechen. Diejenigen, welche rein spirituell sind, sollten nicht wie gewöhnliche Leute sein. Sie müssen fortwährend heiter und unberührt sein, befreit von körperlichem Begehren und Leiden. Wenn wir herausfinden, dass diese Menschen so sind wie der Rest von uns, neigen wir dazu, uns boshaft über sie zu empören und mit dem Finger auf sie zu zeigen. Der Mechanismus, durch den dies im Zen geschieht, ist ausreichend in Büchern wie Shoes Outside the Door und The Great Failure dokumentiert. Weder Richard Baker, Hauptfigur von Shoes Outside the Door noch Dainin Katagiri, Hauptfigur von The Great Failure haben jemals beansprucht ein spiritueller Superman zu sein, aber das hinderte einige ihrer Nachfolger nicht daran mit Ärger, Verzweiflung und auch Trauer zu reagieren, als ans Tageslicht kam, dass sie es nicht waren.


Natürlich sollten sich bei jemandem, der sich für eine meditative Praxis einsetzt, positive Effekte auf das eigene Leben bemerkbar machen. Das kann vernünftigerweise erwartet werden. Was vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, ist, dass diese guten Effekte sich in exakt demselben Verhalten manifestieren, wie wir uns das wünschen würden. Wir können niemals wissen, wie diese Leute wären, wenn sie ihre Praxis nicht hätten. Außerdem ist es nicht wichtig, wie meditative Praxis deinen Lehrer beeinflusst hat. Es zählt nur, wie die meditative Praxis Dich beeinflusst. Und du bist der Einzige, der jemals den vollen Umfang davon sehen wird.


Wie auch immer, der Grund warum ich Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate geschrieben habe, war, teilweise zu versuchen, die Idee eines spirituellen Superman für immer und ewig zu zerstören. Der einzige Weg, von dem ich das Gefühl hatte, das er das tatsächlich könnte, war Rufmord an einem bestimmten östlichen spirituellen Lehrer zu begehen. Da ich aus einer Tradition komme, welche daran glaubt, dass du die wirklich wichtigen Wahrheiten nicht mit dem Blick nach außen findest, sondern mit dem Blick in dein Inneres, reichte es mir nicht, das zu tun, was die Autoren der Bücher, welche ich oben erwähnt habe, taten, und ich suchte mir jemand anderes als Ziel aus. Der Lehrer, über dessen Ruf ich herzog, musste ich selbst sein. Ich gebe zu, dass ich nicht wirklich ein gutes Beispiel bin, einfach weil so wenige Leute tatsächlich glauben, dass ich irgendein bedeutendes erleuchtetes Wesen bin. Diejenigen, welche das tun, sind meist nur wie ein paar Halb-Gare-Fritten, die einem gerade noch zu einem Happy Meal fehlen.


Doch als ich anfing populärer zu werden, haben einige Leute in einer Art und Weise auf mich reagiert, die etwas erschreckend ist. Ich wurde nur ein paar Mal auf der Straße von irgendwelchen Fremden erkannt. Aber wenn ich in letzter Zeit in ein Meditationszentrum komme, wo sie meine Arbeit kennen, leuchten die Augen der Leute auf eine abgefahrene Art auf und einige scheinen sich sogar zu ducken, wenn ich versuche mit ihnen zu reden. Für diese Leute bin ich kein durchschnittlicher Kerl. Ich finde es schwierig, mit dieser Art der Reaktion umzugehen. Einige Leute reagieren auf mich auf eine Art, die nur dann Sinn macht, wenn sie beginnen irgendetwas Himmlisches auf ihr Bild von mir zu projizieren. Sie erwarten Dinge von mir, die sie voneinander niemals erwarten würden. Und das ist unfair.


Ich wollte nicht wirklich dieses Buch schreiben. Es ist heftig, deine schlechten Seiten darzulegen und dem Hohn und der Verachtung preiszugeben. Es war körperlich schmerzhaft das Buch zu schreiben. Ich hatte zuletzt ein halbes Dutzend anderer Ideen für ein drittes Buch, welches eine Kleinigkeit zu schreiben gewesen wäre und es wäre kommerziell etwas erfolgsversprechender gewesen. Aber dieses Buch schrie danach von mir realisiert zu werden, bis ich keine andere Chance mehr hatte, außer zu gehorchen.


Da war etwas sehr Tiefes, zu dem ich nur vordringen konnte, indem ich in meinen eigenen Eingeweiden herumgrub. Genau so entdeckte ich, dass sogar die wertlosesten Teile meines Lebens nicht ausschließlich Hässlichkeit und Horror sind. Tatsächlich fand ich zu meiner eigenen Überraschung ziemlich wenig davon. Es liegt eine Art von Schönheit in der Wahrheit, welche darüber hinausgeht, ob du diese Wahrheit ansprechend oder abstoßend findest. Außerdem sind auch einige Witze in dem Buch.


Ich wollte ein Buch schreiben, welches die Wahrheit über Lehrer in östlichen spirituellen Traditionen erzählt. Weil es da doch viele Illusionen über diejenigen von uns gibt, die in diesem Spiel sind. Die Öffentlichkeit, welche von den Medien getrimmt ist, glaubt, dass Lehrer in östlichen Traditionen nicht so sind wie unsere kunterbunte Mischung von spirituellen Lehrern wie Prediger, Priester, Imams und Rabbis. Uns wird gesagt, dass Yogis, Gurus und Zen-Meister dieses spezielle Etwas genannt „Erleuchtung“ haben; und dass sie das die Welt der gewöhnlichen Menschen transzendieren lässt. Du kannst sehr gutes Geld damit machen, indem du diesen Blödsinn ausbeutest. Da gibt es einen so genannten „Roshi“ (d.h. Zen­­-Meister), welcher leichtgläubigen reichen Menschen fünf Tage in seiner gottgleichen Gegenwart für $50,000 verkauft, auf der Basis, dass sie durch die Nähe zu ihm möglicherweise einiges von der Erleuchtung für sich selbst abbekommen könnten. Es wird so nicht passieren, also könntet ihr in Zukunft genauso gut mir das Geld geben!


Aber weil eben kein spiritueller Lehrer Superman ist, heißt das nicht, dass du nicht einiges durch die Praxis der Meditation lernen kannst. Ich glaube, dass Zazen der einzige Weg ist, den die Menschheit hat, um aus dem Schlamassel herauszukommen, in dem sie sich befindet. Wenn ich das nicht glaubte, würde ich mir nicht die Mühe machen das dauernd heraus zu posaunen.


In diesem mediengesättigten Zeitalter, wo jeder seine Skandalgeschichten auf Video festhalten und auf YouTube 2 Stunden später für alle sichtbar machen kann, gibt es keine Möglichkeit für spirituelle Supermen, um die Flaschenzüge und Drähte verschwinden zu lassen, mit denen sie ihre Zaubertricks aufführen. Es wurde Zeit, dass wir die Vorstellung eines spirituellen Superman sterben lassen und zu beginnen herauszufinden, wie wir gute spirituelle Ratschläge annehmen können, sogar von Leuten, die rülpsen und furzen und – oh mein Gott! – ficken genau wie wir. Solange wir das nicht tun können, wird da auch kein Weg sein, wie wir gute spirituelle Ratschläge von irgendjemandem annehmen können.


Brad Warner ist der Autor von Hardcore Zen und Sit Down and Shut Up! und zuletzt Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate. Er verwaltet den blog about Buddhist stuff und ebenfalls eine MySpace Seite. Wenn du mal in Südkalifornien bist und du etwas Zazen ausprobieren möchtest, dann hat er eine Gruppe, die sich jeden Samstag in Santa Monica trifft.

Hier kann man sehen, wo Brad als nächstes sprechen wird take a look here!

Kaufe seine neue CD von seiner Band Zero Defex bei CD Baby sofort!

Link zum Originaltext: http://suicidegirls.com/news/culture/23558/Brad%20Warners%20Hardcore%20Zen%20Why%20Cant%20We%20Accept%20Good%20Spiritual%20Advice%20Unless%20It%20Comes%20From%20Superman/

Übersetzt von Whitezen

Montag, 12. Januar 2009

Buddhismus ist nichts Spirituelles

Diese Zusammenfassung ist nicht verfügbar. Klicke hier, um den Post aufzurufen.

Montag, 2. Juni 2008

Spiritueller Krempel

Ich hab heute ein Gedicht geschrieben. Hier ist es:

Spiritueller Krempel, spiritueller Kack
Pack ´nen Haufen von dir in einen Sack
Nehm dich mit nach Haus
Und Stell dich dort aus
Werd dann transzendieren
Das illusorische Ich in meinem Hirn

Spiritueller Kram ist natürlich der ganze spirituelle Mist, den du in New Age Buchläden und Konsorten finden kannst. Heilkristalle, kleine Amuletts, diese kleinen Armband Dinger mit den Perlen drauf ...

Kann sein, dass es daran liegt, dass ich zu meiner Tätigkeit als spiritueller Lehrer gekommen bin wie die Jungfrau zum Kind. Ich wollte niemals ein spiritueller Lehrer oder, schlimmer noch, ein spiritueller Führer sein. Ich nehme aber an, dass viele Typen in dieser Szene es wollten. Dies war ihr Kindheitstraum. Sie übten vorm Spiegel und wünschten und hofften und machten endlich ihren Traum war. Gut für sie.

Letzten Samstag bei unserem wöchentlichen Zazen Treffen im Hill Street Center brach zwischen den üblichen zehn Leuten, die dort erscheinen, eine Diskussion darüber aus, wie wir unsere Tätigkeit ausweiten könnten. Ich sagte den Leuten dort, dass ich nicht den Wunsch habe, irgendetwas in der Art zu tun.

Ein paar von diesen Leuten waren einige Tage vorher zum anderen Ende der Stadt gegangen, um einen anderen Lehrer auszuprobieren. Sie waren erstaunt darüber, dass bei ihm jede Woche zwischen 75 und 100 Leute erscheinen und mit ihm meditieren. Wie kommt es, dass wir immer nur zehn sind? Und wie kommt es, dass wir immer noch Miete zahlen, wo wir doch Spenden sammeln und ein eigenes Zen Center für uns kaufen könnten?

So zu denken ist allerdings problematisch. Zum einen wird Zen Praxis niemals populär werden. Naja, sag niemals „nie“, stimmt's? Aber es wird nicht in nächster Zeit passieren und das ist in Ordnung. Sogar wenn 75 Leute in Hill Street auftauchten, wären trotzdem nur zehn da, denen es ernst ist, plus 65 Leute, die gekommen sind, um unterhalten zu werden. Und ich würde mich lieber nicht mit diesen anderen 65 Leuten beschäftigen müssen, die in die Quere kommen und ein Durcheinander verursachen.

Das Einzige, was diese zusätzlichen Leute wirklich beitragen, ist zusätzliches Geld. Und der einzige Grund, warum man das Geld braucht, ist eine Einrichtung zu schaffen, die diese zusätzlichen Leute unterbringen kann. Es ist wie eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt.

Bisher verdiene ich meine Brötchen durch das Schreiben und meine Arbeit im Filmgeschäft. Ich bin glücklich damit. Was das Schreiben angeht, so will ich so viele Bücher verkaufen wie nur möglich. Ich werde das Zeug anpreisen, bis ich den Geist aufgebe. Kein Problem. Kauft ein paar Bücher. Auf der linken Seite ist ein Link, um sie bei Amazon bestellen zu können. Oder seid bessere Menschen und kauft sie in eurem örtlichen Bücherladen. Und klickt jetzt zehn mal auf den Link zu meinen Suicide Girls Artikeln, damit die Leute denken ich hätte viele Leser. Kauft, kauft, kauft!!

Meine Praxis ist allerdings eine ziemlich persönliche Sache. Sie hat mir geholfen und es freut mich, sie anderen zugänglich zu machen. Ich versuche aber nicht, sie zu verkaufen. Ich sitze jeden Samstagmorgen und wenn Leute mitmachen wollen, gut. Wenn nicht, ist es auch gut.

Möglicherweise eröffne ich irgendwann einmal eine Art Zentrum. Ich möchte diese Möglichkeit nicht komplett ausschließen, aber zurzeit bin ich nicht sehr interessiert. Und auch wenn ich eine solche Einrichtung eröffnen würde - unsere Einstellung bliebe dieselbe: Wir sitzen für eine gewisse Zeit des Tages und wer möchte macht mit.

Sonntag, 25. Mai 2008

MINDFULNESS SCHMINDFULNESS

Ich bin so froh, dass Nishijima Roshi einen Blog Eintrag über Achtsamkeit geschrieben hat. Es ist der Artikel vom 24 Mai, 2008, der Link schickt dich nämlich nur zu seinem Blog. Ich habe den ganzen Achtsamkeits-Kram auf jeden Fall ziemlich satt, von daher finde ich es wunderbar, dass ein anderer genauso darüber denkt. Und nein, wir haben niemals über dieses Thema gesprochen.

Schon neulich habe ich gesagt, dass ich den Achtsamkeits-Kult der heutzutage im Buddhismus herangewachsen ist gänzlich zerstören will. Wie Nishijima zeigt, hat das Wort "Achtsamkeit" die Bedeutung bekommen, sich immer tiefer den eigenen Kopf zu verbohren, was niemals Buddhismus ist. Ich glaube, ich habe schon mal darüber gelästert. Aber ich lebe in einem Meditationszentrum, wo verschiedene Lehrer unterrichten, und ich kann dir nicht sagen, wie oft ich schon in meinem Zimmer war und hörte, wie jemand über Achtsamkeit plapperte. Wenn ich dann, nachdem die Gruppe gegangen ist, aus meinem Zimmer komme, finde ich folgendes vor: die Tür ist unverschlossen, die Fenster weit offen und die Stühle überall kreuz und quer verteilt … Was zur Hölle lernen sie dort für eine Art von Achtsamkeit?

Es ist so ein Scheißwort. Egal, nur ein bisschen Werbung für Nishijimas Blog. Und wenn ich schon von Werbung spreche, schau dir hier die für die Zero Defex CD an.

26.05.08

NEUER SUICIDE GIRLS ARTIKEL (Mai, 2008)
und mehr über MINDLESS MINDFULNESS

(SINNLOSE ACHTSAMKEIT)

Hab einen neuen Suicide Girls Artikel veröffentlicht. Wieder einer über Pornos. Ich schwöre, ich werde irgendwann aufhören, immer wieder Artikel über dasselbe Thema zu schreiben. Vielleicht wenn die Leute mich nicht mehr danach fragen.

Gerade erst bin ich aufgewacht, also habe ich nicht vor noch mehr über Achtsamkeit zu erzählen, wenn schon vielleicht später. Die Sache mit den Wörtern im Buddhismus ist so, dass wenn die breite Öffentlichkeit sich an sie hängt und sie auf ihre Art definiert, dann sind die Wörter tot. Ich denke, es ist Zeit das Wort "Achtsamkeit" zu begraben. Es ist einfach nur noch abgedroschen. Und wie gesagt (siehe oben), zielt Achtsamkeit, wenn sie praktiziert wird auf einen nicht ganz klaren Zustand im Kopf des Denkens und Denkens und Denkens, während du dich selbst dazu beglückwünscht, wie achtsam du doch bist. Verschließ die Gott verdammten Türen und Fenster, wenn du das Haus anderer Leute verlässt!

An der einzigen Stelle, von der ich weiß, an der Dogen das Wort Achtsamkeit benutzt, sagt er,

"Achtsamkeit ist der Esel, der den Brunnen anschaut. Es ist der Brunnen, der den Esel anschaut. Es ist der Esel, der den Esel anschaut. Es ist der Brunnen, der den Brunnen anschaut."
Er sagt außerdem,
"Ohne zu wissen, wer es dir lehrte, denkst du, dass das Bewusstsein eine Funktion des Gehirns ist. Wenn ich sage, dass das Bewusstsein Gras und Bäume ist, glaubst du es nicht."
Und selbstverständlich gebrauchte Dogen das Wort "Achtsamkeit" überhaupt nicht. Ebenso Buddha. Das Wort existierte zu ihrer Lebenszeit nicht einmal. Die englische Sprache selbst existierte nicht einmal zur Zeit Buddhas. Später werde ich das japanische Wort nachschlagen, das Dogen benutzte, und das hier von Nishijima/Cross als "Achtsamkeit" übersetzt wurde*.

Das Ding ist aber, dass die "Achtsamkeit", die heutzutage gelehrt wird, zu implizieren scheint, dass wir achtsam sein müssen. Als ob wir irgendwie über Achtsamkeit verfügen könnten. Nee. Das geht nicht. Achtsamkeit ereignet sich ständig, wir müssen ihr aus dem Weg gehen.

* (Einige Stunden später von Brad W. hinzugefügt. Anm.d.Red.) Sieht so aus, als ob ich einen Fehler gemacht habe! Zum ersten Mal in meinem ganzen Leben (Hallo Trolle)! Ich dachte immer, in der Esel-Brunnen Zeile ginge es um Achtsamkeit. Ich habe es sogar so in mein Buch Sit Down And Shut Up geschrieben. Das beweist, dass man niemals dem trauen kann, was in Büchern steht! Blamabel!!

In Wahrheit steht der Esel-Brunnen Kram im Kapitel "Erzeugt kein Unrecht" (諸悪莫作 SHOAKU MAKUSA, Kapitel 10, Buch 1 der Nishijima Übersetzung des Shobogenzos) und lautet:

[Die Beziehung] zwischen dem "Unrecht" und dem "Es-nicht-Erzeugen" ist nämlich nicht [einseitig]. Wenn es so wäre, würde der Brunnen nur den Esel anschauen, [wenn sie sich begegnen,] aber der Brunnen schaut auch den Brunnen an, der Esel schaut auch den Esel an, der Mensch schaut auch den Menschen an, und der Berg schaut auch den Berg an. ( Zitiert aus: Shobogenzo, Band 1, Kristkeitz Verlag)
Nishijima erklärt das Kapitel in seinem Blog genau hier.

Dies bezieht sich auf einen Koan, der im Eihei Koroku steht (永平禅師語録 Die aufgezeichneten Worte von Eihei Zenji, auch bekannt als Dogen). Der Koan lautet:

Meister Sozan fragte einst einen Mönch: "Wie ist es, wenn der Dharma Körper der Realität, Form in Übereinstimmung mit den Lebewesen manifestiert, so wie der Mond im Wasser gespiegelt wird?" Der Mönch sagte: "Es ist wie ein Esel, der einen Brunnen anschaut". Sozan sagte: "Du hast ziemlich viel gesagt, aber du hast nur 80 Prozent darüber gesagt" Darauf fragte der Mönch: "Meister, was sagst du?" Sozan antwortete: "Es ist wie der Brunnen, der den Esel anschaut."
Die einzige Stelle, die ich finden kann, in der Dogen sowas wie das Wort "achtsam" benutzt, taucht im Zazengi (坐禅儀) auf, "Anleitung zum Zazen". In der Übersetzung von Kazuaki Tanahashi, welche im Buch Moon In A Dewdrop erschienen ist, heißt es, "sei achtsam auf die vorübereilende Zeit." Ich habe es überprüft. Die original Zeile ist Folgende: 光陰を護惜べし. Carl Bielefeldt übersetzt dies als, "schätze den Wert der vorübereilenden Tage und Nächte hoch." Die beiden Wörter 光陰 und 護惜 sind nicht mehr im allgemeinen Gebrauch. 光陰 Bedeutet ungefähr, "Licht und Dunkelheit". Und nur nebenbei, für die unter euch, die denken ich hätte einen verdorbenen Charakter, zufällig kenne ich das Schriftzeichen aus dem Wort 陰毛, was Schamhaar heißt, oder wörtlich "Haar in der Dunkelheit". Das Wort 護惜 ist eine Kombination aus zwei Schriftzeichen, die "schützen" () und "kostbar" () bedeuten. Das ist das Wort, das Tanahashi als "achtsam" übersetzt. Es ist nicht so weit hergeholt, wie die Übersetzung Brian Victorias von Kodo Sawakis Äußerung "wir hatten es satt zu töten" mit "wir konnten nicht genug vom Töten kriegen". Es ist eine kleine, aber dennoch völlig akzeptable, Übersteigerung hier das Wort "achtsam" zu verwenden.

Pass darauf auf, nicht an Worten festzukleben (sagt ein Typ, der gerade ein paar Stunden seines Urlaubs dem Nachschlagen einiger Wörter gewidmet hat). Sagt nicht, ich hätte nie etwas für euch nachgesehen!

28.05.08
Achtsamkeit (zum tausendsten Mal)

Mein Gott! Ich habe mich zwei Mal geirrt! Die ersten beiden Male in meinem ganzen Leben in denen ich einen Fehler gemacht habe! Was ist nur los?

Danke an Ted Biringer und Dosho Port für das Auffinden weiterer Stellen, an denen das Wort "Achtsamkeit" oder Ähnliches in Dogens Schriften noch auftaucht. Die längste und vollständigste Erklärung, die er darüber gibt, bietet das Kapitel SANJUSHICHI-BON BODAI BUNPO 三十七品菩提分法. Dies ist das Kapitel 73 des 95 Kapitel-Shobogenzo und erscheint als das erste Kapitel im 4 Buch der Nishijima/Cross Übersetzung oder im Kapitel 1 von Buch 10 in der Shobogenzo Übersetzung Nishijimas ins moderne Japanisch. 現代語訳正法眼蔵, welches auch Dogens tatsächliche Worte enthält).

Hier ein bisschen von dem, was Dogen sagt:

"Bewusstheit" als eine Wurzel ist eine Ansammlung roten Fleisches, [ein Mensch, der] wie ein kahler Baum ist. Eine Ansammlung roten Fleisches nennen wir "einen kahlen Baum", und ein kahler Baum zu sein, ist die Wurzel der Bewusstheit. Ihr seid diese Bewusstheit, wenn ihr euch selbst im Dunklen ertastet. Es gibt eine Bewusstheit des Körpers und eine Bewusstheit, in der ihr euch euer selbst nicht bewusst seid. Es gibt eine Bewusstheit, in der Gedanken und Empfindungen auftreten, und eine Bewusstheit, in der ihr euch eures Körpers nicht bewusst seid.
Bewusstheit [oder die natürliche Fähigkeit, in der Gegenwart zu sein,] ist ohne Zweifel die Lebensgrundlage aller Menschen auf der ganzen Erde, und sie ist die Lebensgrundlage aller Buddhas der zehn Richtungen. In einem Augenblick der Bewusstheit mag es viele Menschen geben, und in einem Menschen gibt es viele Augenblicke der Bewusstheit. Dennoch gibt es Menschen, die Bewusstheit haben, und solche, die sie nicht haben. Ein Mensch lebt nicht unbedingt im Zustand der Bewusstheit und die Bewusstheit selbst hat nicht unbedingt etwas mit einem Menschen zu tun. Selbst wenn dies so ist, ist die Tugend der vollkommenen Verwirklichung da, wenn ihr in der Lage seid, eure natürliche Bewusstheit zu bewahren. ( Zitiert aus: Shobogenzo, Band 4, Kristkeitz Verlag)
Das Wort, das in der (engl.) Nishijima/Cross Übersetzung als Mindfulness übersetzt wird, ist 念. (In der deutschen Kristkeitz Übersetzung "Bewusstheit", Anm. d. Red.). Im modernen Japanisch wird dieses Zeichen "nen" ausgesprochen und bedeutet Sinne, Ideen oder Bewusstheit, Gewahrsein. Im gewöhnlichen Gebrauch erscheint es in Worten wie 残念 (zanen) "bedauerlich", bei dem sich das erste Zeichen auf Dinge bezieht, die gewöhnlich als fehlend gedacht werden oder 念入り (neniri) "vorsichtig" bei dem das zweite Zeichen in etwa "hinzufügen" oder "eintreten" bedeutet. Im nicht buddhistischen Kontext wird das Wort gewöhnlich nicht als Mindfulness übersetzt. "Mind", ohne "-fulness" ("Geist", ohne "-Anfüllung/Fülle") könnte auch eine gute Lesart für sein. Versuchs mal auf diese Weise und schau, was es dir sagt. Ist ein bisschen anders, oder?

Falls du es kompliziert magst, das chinesische Zeichen besteht aus zwei Teilen. Das Zeichen oben bedeutet "jetzt", während das unten "Mind" (Geist) oder "Herz" bedeutet. Im buddhistischen Kontext wird im Englischen meist als "Mind" übersetzt. Also, wer auch immer sich das Zeichen erdacht hat, schien wohl den Zustand des Geistes genau im Jetzt herauszustellen zu wollen. Wofür auch immer meine Sprachanalyse gut sein soll, sie ist nicht viel wert. Nur ein bisschen Kanji Spielerei für euch alle. Nishijima erzählte mir einst die Geschichte, wie er einen Bibelgelehrten in Israel besuchte. Der Besuch, sagte er, zeigte ihm "die Gefahren des Glaubens an alte Texte." Wir verfangen uns in Streitereien um Wörter, die unglaublich blöd sind, selbst wenn sie sich verdammt schlau anhören.

Der Punkt ist, dass das Wort "Mindfulness" im aktuellen Gebrauch, solch ein unsinniger Begriff geworden ist, dass er mehr schadet als nützt. Es ist Zeit ihm die Luft raus zulassen und ihn aus seinem Elend zu stoßen.

Fuck mindfulness.

Meine Freundin Tonen erzählte mir die Geschichte, dass, während sie in Japan war, ihr ein Zen Meister, den sie dort traf, erzählte, dass Amerikaner, die seinen Tempel besuchten, sich bei ihm immer überschwänglich darüber ausließen, wie achtsam sie doch wären. "Steckt eure Video Kameras weg," sagte er ihnen, "Ihr nehmt euch nur selbst beim achtsam sein auf!"

Beim Lesen von dem, was Dogen schrieb, wird klar, dass das Wort weitestgehend missverstanden wurde, sogar zu seiner Zeit unter den Leuten, zu denen er sprach. Deswegen versuchte er ihr gewöhnliches Verständnis des Wortes auf eine Weise zu verdrehen, wie sie es nicht erwartet hätten.

Auf jeden Fall enthält dasselbe Kapitel die Zeile, "Höre nicht auf die ungenügenden Worte von Zen Meistern und dergleichen." Da habt ihr's!

Montag, 28. Januar 2008

BDSM mit Gott

Vor ein paar Nächten traf ich eine Stripperin mit einem Three Stooges Tattoo in einer Bar namens Tigress [Tigerin, grausame Frau]. Sie gab einer meiner Begleiterinnen eine saftige Ohrfeige, während sie einen heftigen Lap Dance für sie vorführte. Sie bedrohte meine Eier mit Plateauschuhen, an deren Fersen Spikes befestigt waren. Sie zischte mir ins Gesicht, das sie auf BDSM steht. Sie sagte, dass sie riesige Angelhaken an ihrem Rücken hätte, an denen sie ihren blutenden Körper von der Decke hängen lassen würde, bis ihre Schreie von den Ziegelsteinwänden des Verlieses widerhallen würden. Sie sagte, dass ihre Schamlippen mit 5-Zoll-Nadeln durchstochen wurden. Sie sagte, dass sie jahrelang für Lloyd Kaufman von Troma gearbeitet hätte. Ich habe gehört, wie das sein soll. Die Lady konnte eine Menge Schmerz aushalten.

Edgeplay (BDSM) [im Original wird der Begriff "Edgeplay" benutzt, für den es bisher keine deutsche Entsprechung gibt]. Das ist mal ein Begriff, den ich noch nicht kannte. An die Grenze gehen. Eine Verletzung oder sogar den Tod riskieren für etwas Nervenkitzel, eine Stimulation, einen Orgasmus, der schließlich all den Lügen gerecht wird, die man dir über Orgasmen erzählt, eine glühend heiße Explosion nackter Nervenenden, welche für immer die gesamte Dunkelheit im Zentrum deines Herzens ausradiert ...

Schau mal - wir alle tun, was wir tun, um einen Weg in dieser verrückten alten Welt zu finden, um das zu befriedigen, von dem wir glauben, dass es befriedigt werden müsste, und um etwas Geld zu verdienen. Es ist nicht meine Sache, ein Urteil darüber zu fällen, wie sie meint, ihr Leben führen zu müssen. Ich bin froh, dass es Leute wie sie gibt. Es sorgt dafür, dass die Dinge interessant bleiben.

Aber du willst SM? Ich habe SM für dich.

Zazen ist SM mit deiner unsterblichen Seele. Zazen ist SM mit Gott.

Die Atheisten waren vor ein paar Wochen völlig aus dem Häuschen, als ich meinte, dass sie gar nicht wüssten worüber sie reden. Was weißt du über Atheismus? Du sitzt bewegungslos da sogar ohne eine Domina, die dich quält und dich dadurch von dem ablenkt, was wirklich ist. Du verbringst einige Jahre genau an dieser Stelle, von Angesicht zu Angesicht mit dir selbst. Dann kannst du zurückkommen und mit mir darüber reden, ob Gott existiert oder nicht. Und bis zu dem Tag hast du dir nicht das Recht verdient, mir irgendeinen Scheiß über Gott zu erzählen. Also verpiss dich mit all deinen ach so wohlüberlegten Worten und Worten und Worten und Worten. Atheisten labern Scheiße.

Es gibt keinen Gott, und Er ist dein Schöpfer.

Wenn du deine Meditation sanft und süß willst, mit einer angenehmen, beruhigenden Stimme, um dich da durch zu bringen, dann bleib weg von Zen. Aber wenn du Lust auf richtiges SM hast, dann komm mal einen Samstagmorgen bei mir vorbei und ich zeig dir, wie’s geht.

Aber pass auf. Diese Art von SM taucht nicht Zähne fletschend und mit Lust auf Blut auf. Niemand schreit dich an, niemand schlägt dich mit einem Stock, es wird dir sogar niemand sagen, wenn du alles falsch machst. Es ist sehr gemütlich hier, sehr freundlich und einladend. Überall Lächeln. Wir setzen sogar etwas Tee für dich auf und erzählen dir abgelutschte Witze. Nicht nötig sich aufzuspielen. Das ist, weil wir wissen, wer die strengste Herrin von allen ist. Wir werden nicht mal versuchen, es mit der Bestrafung, die sie verteilen kann, aufzunehmen. Das Äußerste, was wir tun können, ist, dich in ihre Richtung zu schicken und dich entscheiden zu lassen, ob du lieber winselnd mit eingezogenem Schwanz davonlaufen willst.

Die meisten Leute haben nicht den Mumm, den man braucht, um sich selbst gegenüberzustehen. Das ist keine Urteilsverkündung. Das ist eine Tatsache des Lebens. Wir konfrontieren uns lieber mit allem anderen, nur um den Schrecken zu vermeiden, unserem eigenen Herzen und Geist gegenüberzutreten. Lederfesseln und Peitschen kommen nicht mal annähernd dran. Die grundlegende Natur deines eigenen Wesens? Das ist furchterregend. Das kann dich ziemlich schnell klein kriegen. Dich in Scheiben schneiden und dabei nicht einmal ins Schwitzen geraten.

Ich war nie an irgendeiner Art von Meditation interessiert, die nicht SM war. Ich hatte nie viel Geduld mit Leuten, die mich durch irgendeinen speziellen Ablauf führen wollten. "Stell dir vor, wie das weiße Licht des Kosmos deinen Körper umhüllt ..." Scheiß drauf. Behalt deine Bilder und Geschichten. Jeder religiöse Irre, den ich getroffen habe - und ich habe so einige getroffen - hatte Bilder und Geschichten, die er in meinen Kopf stopfen , und mir beibringen wollte, wie ich diese auf Befehl wieder hochwürgen konnte. Als ob Gott sich dafür interessieren würde, ob ich ihre blöden Märchen vortragen konnte, wenn es verlangt wurde. Sie konnten sich ihre Geschichten sonst wohin stecken. Ich wollte alles wegschaufeln, was ich nicht brauchte, und zum innersten, glühenden Kern zu kommen. Der einzige Weg, alles abzustreifen, ist alles abzustreifen.

Der Zen-Weg ist quälend langsam. Wenn sie dich mit Haken in deinem Rücken aufhängen, dann nehmen sie dich wenigstens nach einigen Minuten wieder runter. Wir (aber) lassen dich einfach verknotet wie eine Brezel für mehrere Tage oder Wochen da sitzen. Es wird eine verdammte Ewigkeit dauern, bevor du überhaupt eine Ahnung hast, warum du deine ganze Zeit damit verschwendest, Wände anzustarren. Patentlösungen sind für hyperaktive Vollidioten. Wenn du eine schnelle Lösung suchst, dann sieh' zu, dass dir die Tür auf dem Weg nach draußen nicht auf den Arsch knallt.

Aber das furchterregende Zeug ist nur eine Seite der Medaille. Wir alle fürchten uns vor der Realität. Wir alle. Ich auch. Aber die Wahrheit über die Wirklichkeit ist, dass sie niemals so schlimm ist, wie wir sie uns vorstellen. Ich vermute, dass es das ist, was Leute wie meine Stripper-Bekannte beim BDSM entdecken. Wenn du tatsächlich direkt mit den Dingen konfrontiert wirst, die dir Angst einjagen, stellst du normalerweise fest, dass das, was du für Satan gehalten hast, der gekommen war, um dich im Feuer der Verdammnis zu verbrennen, in Wirklichkeit nur Gene Simmons ist, ein netter alter Hebräer mit einem schrägen Make-up.

Die Realität ist immer der beste Ort, an dem man sein kann. Die Wahrheit ist immer die beste Sache, die es zu sehen gibt. Es gibt nie auch nur eine Ausnahme. Du kannst sowieso nicht weglaufen. Also warum überhaupt deine Energie vergeuden, um es zu versuchen?Und Gott? Gott ist nicht eine Million Trillionen Meilen weit weg auf seinem Diamantenthron irgendwo im Weltraum. Gott ist der Wind auf deinem Gesicht. Gott ist der Himmel als dein Spiegelbild. Gott ist das in deinem Kopf verborgene Etwas, von dem du immer dachtest, dass du das wärst. Es ist nicht Du. Es gibt kein Du. Dieses Ding, von dem du glaubst, dass du es bist, gehört eigentlich zum Universum. Und eines Tages wird das Universum es zurücknehmen. An diesem Tag wird es sein, als ob es dich niemals gegeben hätte. Weil es dich überhaupt niemals gab. Aber das Universum wird ewig fortbestehen. Und ebenso dieses Etwas, das du immer für dich selbst hieltest. Und ebenso Gott. Punkt aus.

Frau BDSM-Stripper drehte die Nippel meiner Bekannten und flüsterte ihr zu, wie feucht sie würde. Als ob ich das nicht hören könnte. Sie rammelte ihr Bein wie eine läufige Hündin. Gott war da überhaupt nicht weit weg. Wenn ich jemals Zweifel an ihrer Gegenwart hatte, zeigte Sie sie mir, indem Sie meinen Schwanz packte, und sagte mir, wie sehr Sie ihn in sich spüren wollte.

Es gibt keinen Gott, und sie tanzt für Trinkgeld im Tigress.

Samstag, 5. Januar 2008

SANDOKAI (Die Vereinigung von Essenz und Erscheinung)

Ich bin immer noch hier im San Francisco Zen Center, wo ich gerade am Samstag-Morgen-Ritual teilgenommen habe. In einer viertel Stunde beginnt eine weitere Runde Zazen, und ich bin dabei. Aber während ich warte, wollte ich gern einen Text mit Euch teilen, der hier sehr oft rezitiert wird: „Die Vereinigung von Essenz und Erscheinung“ von Sekito Kisen (700-790). Es ist ein sehr schöner Text. Shunryu Suzuki hat darüber in dem Buch Leidender Buddha, glücklicher Buddha. Zen-Unterweisungen zum Sandokai geschrieben.

Hab leider keine Zeit für 'nen Kommentar oder so. Also hier ist er in der Rohfassung. Viel Spaß!

SANDOKAI

Der Geist des großen Weisen aus Indien wurde direkt von Westen nach Osten übermittelt.

Menschen unterscheiden zwischen Dummen und Klugen, doch auf dem wahren Weg gibt es keine Patriarchen des Südens oder des Nordens.

Die Quelle der Lehre ist rein und ohne Makel. Bäche die sich verzweigen fließen in der Dunkelheit.

An einer Idee zu haften ist Täuschung. Die Wahrheit zu erkennen ist auch nicht immer Erleuchtung.

Die Sinne und ihre Objekte sind eng miteinander verbunden und gleichzeitig voneinander unabhängig. Doch trotz ihrer unendlichen Verbundenheit haben sie alle ihren eigenen Ort.

Dinge unterscheiden sich in Wesen und Form. Im Geschmack, Klang und Gefühl manifestieren sich gut und schlecht. Im Dunkeln sind hochwertig und minderwertig nicht zu unterscheiden. Im Hellen wird der Gegensatz von rein und unrein deutlich.

Die vier Elemente kehren zur ihrer Natur zurück, wie ein Kind zu seiner Mutter. Feuer erhitzt, Wind bewegt, Wasser nässt, Erde ist fest.

Für die Augen gibt es Farbe und Form. Für die Ohren gibt es Klang. Für die Nase gibt es Geruch. Für die Zunge gibt es Geschmack.

Jedes Phänomen entspringt der Wurzel, so wie Zweige und Blätter aus dem Stamm sprießen. Wurzel und Baumspitze kehren zu ihrer ursprünglichen Natur zurück.

Hohe und niedrige Worte sind unterschiedlich. In der Helligkeit da ist tiefste Dunkelheit, hafte nicht an der Dunkelheit. In der Dunkelheit da ist Helligkeit, aber suche nicht nach der Helligkeit. Dunkelheit und Helligkeit wechseln einander ab wie beim Gehen der vordere und hintere Fuß.

Jedes Phänomen hat seinen Wert. Ihr solltet darauf achten, wie die Wahrheit zum Ausdruck gelangt. Das Relative passt zum Absoluten wie ein Deckel zu seinem Behälter. Das Absolute und das Relative entsprechen einander wie zwei Pfeile, die sich im Flug begegnen.

Hörst Du die Worte, solltest Du die Quelle der Lehre verstehen. Entwickle keine eigenen Maßstäbe. Erkennst du den Weg nicht mit deinen Augen, wie sollten dann deine Füsse um ihn wissen? In der Übung fortschreiten ist weder fern noch nah. Im Zustand der Täuschung bist du Berge und Flüsse davon entfernt.

Ich fordere alle Sucher der Wahrheit ehrerbietig auf: Vergeudet eure Tage und Nächte nicht.

Samstag, 24. November 2007

Keine Frage, Keine Antwort

Hier ist der zweite Fall aus Dogens Koan Buch, Shinji Shobogenzo:

Meister Obaku Ki-Un auf dem Berg Obaku im Ko-Distrikt fragte Meister Hyakujo Ekai: "Wenn ich die Lehre, die du uns gegeben hast, mit anderen teilen möchte, wie sollte ich dann lehren?"

Meister Hyakujo blieb auf seinem Kissen sitzen und sagte gar nichts.

Obaku Ki-Un fragte: "Wie kann ich zukünftig deine Söhne und Enkelschüler etwas lehren?"

Meister Hyakujo erwiderte: "Was du gesagt hast, zeigt, dass du ein wirklicher Mensch bist." *

Das ist eine der Fragen, die ich so oft gestellt bekomme, dass ich darüber nachdenke, sie in meine Frage und Antwort Liste (F.A.Q.) zu stellen, die ich nebenbei gesagt, seit der Bronzezeit nicht mehr auf den neusten Stand gebracht habe. Die Leute wollen immer wissen, "wie kann ich anderen den Buddhismus lehren?"

Die kurze Antwort ist, tu's nicht.

Natürlich meine ich dieses "tu's nicht" nicht absolut. Aber in den meisten Fällen brauchst du wirklich niemanden irgendetwas beibringen. Lass sie in Ruhe, hör auf damit, wie Brians Mutter in dem Film 'Das Leben des Brian' sagt. Wenn deine Freunde oder deine Familie etwas über den Buddhismus wissen wollen, werden sie danach fragen. Ansonsten besteht die buddhistische Regel: keine Frage, keine Antwort.

Davon wurde ich vor Kurzem überzeugt, als ein gewisser buddhistischer Meister mit dem Versuch begann, mich netterweise mit seinen Lehren zu beglücken. Allmächtiger Gott, falls es irgendetwas Lästigeres gibt als das, dann will ich nicht wissen, was es ist. Letztenendes habe ich rausgefunden, wie ich meinen Spamfilter einstelle, um seine E-Mails direkt in den Papierkorb zu leiten, so muss ich den Scheiß wenigstens nicht mehr lesen.

Ich stelle mir allerdings vor, dass jeder, der mein Zeug liest, meine Verachtung für Meister teilt, die versuchen, dir ihre Lehren aufzuzwingen. Gott, ich hoffe niemand von euch versucht das, was ich sage, irgendjemanden aufzudrängen. Vielleicht hast du trotzdem das Gefühl, dass dieser oder jener Freund von dir von der Praxis profitieren könnte, und du ihm gerne die Chance dazu geben würdest. Das ist nett, aber unglücklicherweise kannst du nicht viel dafür tun.

Den Buddhismus jemandem zu lehren, den du kennst, kommt in etwa dem gleich, jemanden den du kennst, dazu zu bringen mit dir zu schlafen. Du kannst das Thema nicht zur Sprache bringen, ohne derjenigen Person Angst zu machen. Oder noch schlimmer, sie werden sich fühlen, als ob du sie mit deiner Religion vergewaltigt hättest. Es bringt einfach nichts.

Selbst in meiner heutigen Position erzähle ich Leuten, die ich treffe, nicht wirklich von Zen, außer sie fragen. Selbst dann gebe ich erst mal ein paar scherzende Antworten, um zu sehen, ob sie wirklich ernsthaft daran interessiert sind. Wenn jemand nicht aufrichtig nach den Lehren verlangt, ist es völlig sinnlos ihr diese zuteil werden zu lassen. Sie werden sowieso nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit zuhören. Du wirst also nur deinen Atem verschwenden und dich selber zum Affen machen.

Wie auch immer, das ist meine kleine Predigt für den Tag. Ich wünsch dir einen guten.


* Zitiert aus: Die Schatzkammer der wahren buddhistischen Weisheit. O. W. Barth (2005) von G.W. Nishijima und D. D. Waskönig.

Link zum Originaltext:

http://hardcorezen.blogspot.com/2007/11/dont-ask-dont-tell.html