Sonntag, 23. Dezember 2012


Hallo liebe Leser,

dieser Blog ist leider tot. Mangels Zeit und Übersetzer werden hier keine Artikel und Termine mehr von Brad Warner veröffentlicht. Der Blog bleibt natürlich erreichbar, da wir denken, dass die hier übersetzten Texte für deutschsprachige Leser eine gute Auswahl an Themen und Ansichten aus Brad Warner’s englischen Blog bieten. Der Zeitraum der Übersetzungen reicht von 2006 bis Ende 2010. Wir hoffen es ist etwas Interessantes für dich dabei. Viel Spaß beim Stöbern durch das Archiv.

Wer mehr lesen will - es sind bisher drei Bücher des Autors auf Deutsch erschienen.

Das Übersetzer Team


Sonntag, 5. September 2010

Das Zölibat - ein guter Rat?

Diese Zusammenfassung ist nicht verfügbar. Klicke hier, um den Post aufzurufen.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Brad Warner - Termine in Deutschland 2010

26. Mai – Frankfurt – 19.30 Uhr
Zendo – Verein für Zenmeditation Frankfurt e.V.
Galgenstr. 18

regina@dogen-sangha-frankfurt.de
www.dogen-sangha-frankfurt.de
Fon: 06101 813 383



27. Mai – Bielefeld – 19.30 Uhr
J.Kamphausen Verlag & Distribution GmbH
Buddestr. 9 – 15

dirk.grosser@j-kamphausen.de
Fon: 0521 560 52 12



28. Mai – Berlin – 19.30 Uhr
Dharma Buchladen
Akazienstr. 17

info@dharma-buchladen.de
Fon: 030 - 784 50 80



12. Juni - Wuppertal – 13:00-18:00 Uhr
Vortrag und Zazen-Tag
Yoga Institut Schloss Lüntenbeck

www.yoga-schlossluentenbeck.de



Alle Vorträge finden in englischer Sprache ohne Übersetzung statt.

Sonntag, 28. Februar 2010

Brads erstes Buch endlich auf Deutsch!

Liebe Leute, es ist soweit: 

Hardcore Zen kommt Mitte März 2010 endlich in deutscher Übersetzung raus! Wurde ja auch Zeit! Aber gut Ding will halt Weile haben...
Hardcore Zen: Punk Rock, Monsterfilme & die Wahrheit über Alles erscheint am 20.03.2010 im Aurum-Verlag, in broschierter Ausgabe mit geilem Cover und zu 'nem vernünftigen Preis.
Was will man mehr?
Eine gute Übersetzung will man natürlich.
Erfreulicherweise haben die Leute bei Aurum dafür Sorge getragen, dass hierbei nicht so geschlönzt wurde wie zum Beispiel im Falle der damals bei Goldmann Arkana erschienenen deutschen Ausgabe von Noah Levines Dharma Punx, deren Stil leider einigen Lesern als "übelste Fanzine-Schreibe" sauer aufstieß.
Angesichts dessen freut es uns, hier verkünden zu können, dass auf die Übersetzung von Brads Buch offensichtlich eine Menge Sorgfalt verwendet wurde und hierbei eindeutig Leute am Werk waren, denen sowohl Brads buddhistische Botschaft als auch die Szene, vor deren Hintergrund er sie entwickelt hat, sichtlich am Herzen liegen.
Im Klartext: Ton getroffen, Ziel erreicht!
Damit Ihr uns das nicht blind glauben müsst, findet sich übrigens auf der Website von Aurum auch eine Leseprobe im pdf-Format, die Ihr auch einfach per Klick auf diesen Link direkt von hier aus öffnen könnt: http://weltinnenraum.de/out/media/material/aurum/leseproben/L_Fly_LeseproHardcoreZen.pdf
Und wer das Buch schon mal vorbestellen möchte, kann das zum Beispiel hier tun:
So, der Rest (Buch kaufen, Brad reich und berühmt machen, Buch lesen, Euch aufs Kissen setzen, nach zig Jahren endlich Wahrheit finden, das ganze Gedöns halt) liegt bei Euch!


Hier noch der Link zu unserer neusten Übersetzung: 

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Mittwoch, 20. Januar 2010

Die Glocke einladen



Bevor wir heute beginnen, muss ich euch etwas Cooles zeigen. Das ist das Cover der deutschen Ausgabe von Hardcore Zen, die im März 2010 im Aurum Verlag erscheint. Fett, oder? Ich freue mich darauf, dieses Jahr ein paar Live-Gigs in Deutschland zu veranstalten, um das Ding zu promoten. Hab die deutsche Version des alten Kraftwerk-Albums gehört (netterweise von Christine zur Verfügung gestellt - Danke!), um mir ein paar Brocken Deutsch anzueignen bevor ich gehe.

OK. Jetzt zur heutigen Tirade.

Neulich waren wir gerade dabei mit Zazen zu beginnen und ich sagte in etwa, "OK, lasst uns die Glocke schlagen und anfangen." Und dann meinte jemand, dass die Leute in einer anderen Zen Gruppe, mit der sie saß, nicht "schlag" die Glocke sagen würden, weil dieses Wort zu gewalttätig sei. Stattdessen "lädt man die Glocke ein zu klingen".

Ich antwortete "Und was, wenn die Glocke es mag, geschlagen zu werden?" Ich meine, vielleicht fährt die Glocke voll drauf ab, richtig hart geschlagen zu werden und bettelt dich förmlich an. In diesem Fall scheint es unfreundlich zu sein, der Glocke zu verweigern, was sie sich so sehr wünscht.

Nicht jeder erwartet die gleichen Dinge vom Leben wie du. Die, die etwas anderes als du oder als die Mehrheit der Menschen wollen, sind nicht notwendigerweise krank und haben unrecht, und sind nicht auf dich angewiesen, um sie in etwas zu verwandeln, das mehr dem ähnelt, was du "normal" nennst.

Das, denke ich, sollte offensichtlich sein, besonders für Westler, die sich für sogenannte "fernöstliche spirituelle Praktiken" interessieren. Wir sind selbst schon Mitglieder einer Minderheit. Daher sollten wir die Schwierigkeiten verstehen, die darin stecken an etwas interessiert zu sein, das den meisten Menschen, denen wir begegnen, nicht verständlich ist.

Und doch begegnet man in buddhistischen Zentren oft dieser Art von tiefen Vorurteilen und dem tief sitzenden Zwang, Menschen, die wir treffen, in etwas zu verwandeln, das uns ähnlich ist, statt ihnen zu erlauben genau so zu sein, wie sie wirklich sind. Tatsächlich ist diese Tendenz oftmals stärker in Menschen vorhanden, die auf irgendwelche Nischendinge stehen, wie z.B. Zen, als es in der Mainstream-Bevölkerung der Fall ist.

In Leuten, die auf Zen und solche Sachen stehen, liegt dieser Zwang oft unter unzähligen Schichten unerkannter Selbstgerechtigkeit begraben. Natürlich kannst du, wenn du auf Zen stehst, unmöglich an etwas interessiert sein, das der Rest von uns, die auf Zen abfahren, als merkwürdig oder (tiefer Atemzug!) irre ansehen würden.

Vieles von dem, was ich so an Vorgängen in der Welt des amerikanischen Zen beobachte, kommt von einem Ort tief liegender Selbstgerechtigkeit. Es ist dasselbe erstickende Gruppendenken, das sagt "Komm zu uns, sei eins mit uns, tu was wir dir sagen, sei so wie wir dich haben wollen, wenn du dich an unsere Ideale anpasst, wirst du mit einem Gefühl der Zugehörigkeit belohnt werden. Aber weiche niemals ab von dem, was wir als richtig ansehen, oder dieses Gefühl wird dir wieder genommen werden."

Aber hier ist der springende Punkt. Wenn du an etwas teilnimmst, sagen wir mal bei einem Sesshin, bei dem eine Gruppe zusammen Zazen praktiziert und für mehrere Tage auf engem Raum lebt, dann muss es ziemlich strenge Verhaltensregeln geben. Das nennt man atarimae (当たり前), um einen japanischen Ausdruck zu gebrauchen. Es ist etwas so Offensichtliches, dass es dumm erscheint, das überhaupt noch zu erwähnen.

Wie auch immer, daraus folgt nicht, dass Menschen, die an solchen Veranstaltungen teilnehmen, versuchen müssten, sich in die Art von Ideal-Person zu verwandeln, um der Vorstellung zu entsprechen, die der kleinste gemeinsame Nenner der Gruppe ist.

Für mich ist eine Glocke ein Ding, das es genießt, geschlagen zu werden. Wenn eine Glocke geschlagen wird, ist sie fähig sich selbst als Glocke zu zeigen. Wenn du sie nicht schlägst, kann die Glocke nicht tun, was sie tun muss.

Wenn du versuchst, die Tatsache zu vertuschen, dass du die Glocke schlägst, indem du diese Tat hinter einem hochtrabenden Euphemismus verbirgst, bist du nicht ehrlich mit dir selbst oder mit der Glocke.

Du hast eine Verantwortung deinen Part zu spielen. Manchmal begegnest du einer Glocke, die geschlagen werden muss, um sich als Glocke zu manifestieren. Wenn du zu sehr in ein sorgfältig kultiviertes Bild von dir selbst verwickelt bist als jemand, der niemals etwas schlagen würde, nicht mal eine Glocke, dann wirst du letztlich mehr Schaden anrichten, indem du nicht das tust, was nötig ist.

Die heutige Pop-Kultur hat das Image vom idealen Buddhisten kreiert als eine zaghafte Person, die sich so sehr davor fürchtet Schaden zu verursachen, dass er nicht handeln kann, wenn es darauf ankommt. Schau dir dieses feine Beispiel an:


Es ist lustig, das versprech ich dir. Und ich fühle mich überhaupt nicht angegriffen durch diesen Werbespot. Das Problem ist, dass man einem Haufen Leute begegnet, die sich selbst als echte Buddhisten betrachten und den Buddhismus fast auf die gleiche Art sehen, wie die Leute, die diesen Werbespot gedreht haben. Leute, die versuchen ihr Leben nach dem Vorbild verschiedener Karikaturen von Buddhisten auszurichten, die sie in der Fernsehwerbung oder schlechten Hollywoodfilmen gesehen haben.

Dann passiert das gleiche wie mit jeder Religion. Um seine Überzeugung zu stärken, wirklich zu sein, was auch immer man gerne sein will, braucht man andere Leute, die auch versuchen, das zu sein. Und so übt die Gruppe Druck auf alle ihre Mitglieder aus, sich anzupassen. Die Unangepassten werden geächtet. Und alle die zurückbleiben fühlen sich gut, denn sie sind nur von gleichgesinnten Leuten umgeben.

Aber die wirkliche Welt besteht nicht aus Leuten, die genauso denken wie du. Oder die, um ehrlicher zu sein, vorgeben so zu denken, wie sie sich vorstellen, wie du denkst, um so deine Anerkennung und die der restlichen Gruppe zu gewinnen. Wenn es das ist, was wir in unseren Sanghas kultivieren, dann tun wir absolut niemandem irgendetwas Gutes.

Noch tückischer als der Zwang andere so zu verwandeln, wie sie unserer Meinung nach sein sollten, ist der Zwang uns selbst in unsere eigenen Ideale zu verwandeln. Aber diese Ideale basieren immer auf derselben Gier, Wut und Täuschung, die wir versuchen durch unsere Praxis loszuwerden. Deswegen zielt Zen auf absolut nichts, außer darauf, dem, was gerade präsent ist, zu erlauben sich klar zu manifestieren. Paradoxerweise können wir, wenn wir das tun, wirklich sehen, was in unserem Leben geändert werden muss und sehen klar, was hier und jetzt getan werden muss, damit das passiert.

Kodo Sawaki erzählte eine Geschichte, in der er das Werden zu einem Buddha mit dem Werden zu einem Dieb vergleicht. Um ein Dieb zu werden, musst du nicht Jahr für Jahr üben, um zum idealen Dieb zu werden. Du läufst einfach in einen Plattenladen wie Amoeba Records, schiebst dir die neue Metallica CD in deine Tasche und läufst raus. Du wirst wahrscheinlich von den großen kräftigen Kerlen an der Tür geschnappt werden. Oder vielleicht kommst du durch. In beiden Fällen wirst du augenblicklich zum Dieb.

Dasselbe gilt für die buddhistische Praxis. Du wirst ein Buddha, indem du Zazen sitzt. In dem Moment, in dem du diese Position einnimmst, bist du ein Buddha. Kein Grund dich oder die Leute um dich herum dazu zu zwingen, sich in irgendwelche, wie auch immer geartete konfuse Ideale, wie Buddhisten sein sollten, zu verwandeln.

Dieser Zwang andere und uns selbst entsprechend unseren Idealen zu verändern ist ein bedeutendes Problem, und eins von dem ich nicht glaube, dass es genug beachtet wird. Es ist die äußere Manifestation eines tiefen Missverständnisses des Buddhismus, welches eigentlich eine Menge von dem antreibt, was heute unter Buddhismus verstanden wird.

Wenn du sagen willst du akzeptierst alles, dann, verdammt, akzeptier jedes verdammte Ding. Nicht nur die Dinge, die du akzeptabel findest.


Das heißt nicht, dass es nicht viele Dinge gibt, die wirklich verändert werden müssen. Aber die Dinge, die wirklich und ernsthaft verändert werden müssen, sind ziemlich offensichtlich.

Dem Buddhismus geht es nicht um Rückzug aus der Realität hin zu einer im eigenen Kopf fabrizierten freundlichen, sanften Welt. Es geht darum diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, indem wir sie so sehen, wie sie ist und das tun, was wirklich getan werden muss.


Dienstag, 15. September 2009

Radiosendung auf BR 2

Hier ein Link zu einem Podcast, in dem unter anderem über das Sesshin mit Brad Warner berichtet wird.

http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-theologik.shtml

Der Name des Podcasts ist: Christen und die Politik - 14.09.2009
Der Part mit Brad beginnt ungefähr in der 36 Minute.

Danke an alle, die diese Sesshins möglich gemacht haben, diese Sendung gemacht haben, an Brad und an alle, die bei den Sesshins waren!

Mittwoch, 2. September 2009

Neuer Text - Es wird besser und BDSM mit Gott

Ein neuer Text von unserem neuen Mann - Cons!
ES WIRD BESSER

Und einer von Wayne:
BDSM mit Gott

Viel Spaß!

Dienstag, 7. April 2009

Sesshin Update

Brad Warner wird nun zwei Sesshins in Deutschland leiten. In Frankfurt/M und in der Nähe von München. Diese Chance solltest Du nutzen! Melde Dich am besten frühzeitig an - die Plätze sind begrenzt.

Hier die Termine:

Frankfurt am Main vom 21.8 bis zum 23.8.09
Infos unter: http://www.dogen-sangha-frankfurt.de/

Haus Hornberg
südlich von München
vom 03.9 bis zum 06.9.09
Infos unter: http://www.zeit-fuer-balance.de/index.html
Anmeldung bei: Christopher Hamacher

Samstag, 21. Februar 2009

Sesshin mit Brad Warner in Frankfurt und neuer Text

Der Termin für das Sesshin mit Brad Warner steht jetzt fest:
21.8 - 23.8.09

Weitere Informationen gibt es hier:
http://www.dogen-sangha-frankfurt.de/

Und hier geht's zum neuen Text:
Große Fische
Viel Spaß!
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Montag, 9. Februar 2009

Warum können wir guten spirituellen Rat nicht akzeptieren, wenn er nicht von Superman kommt?

Mein neues Buch, Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate ist nun draußen. Die netten Leute von Borders.com haben einen Auszug vom Buch online gestellt den Du lesen kannst, wenn Du HIER klickst. Ich werde dafür dieses Jahr eine ausgedehnte Tour unternehmen, um Werbung dafür zu machen; für einen Link zu einer Liste der Termine siehe unten.


Ich würde gerne etwas über das Buch sprechen. Nicht um dafür zu werben (obwohl ich nicht abstreite, dass ich das tue), aber weil ich es geschrieben habe, um ein Thema anzusprechen, von dem ich denke, dass es sehr wichtig ist. Und das ist, warum wir, wie es scheint, guten spirituellen Rat nicht akzeptieren können, außer er kommt von Superman. Ich habe schon in meiner letzten Kolumne darüber gewettert, dass der Buddhismus keine Spiritualität ist. Doch hier verwende ich den Begriff „spirituell“ nur, um mich auf den Bereich des Lebens zu beziehen, welcher die tiefen Fragen über die Natur der Dinge anspricht. Es ist einfach ein praktisches Kürzel dafür. Aber alles, was ich das letzte Mal sagte, gilt immer noch.


Auf jeden Fall gibt es eine schon lange bestehende Auffassung, die sich durch eine Vielfalt religiöser Traditionen zieht, dass Leute nicht auf gute spirituelle Ratschläge hören wollen, außer wenn die Quelle dieser Ratschläge über Kräfte und Fähigkeiten verfügt, welche weit über die gewöhnlicher Männer hinausgehen (und Frauen, natürlich auch, aber ich zitiere das Intro der alten Superman-Serie, welches sehr sexistisch war). Es ist eben nicht genug, dass Jesus sagte, liebet eure Feinde und verkündete, dass derjenige, der ohne Schuld ist, den ersten Stein werfen solle. Damit alle die guten Dinge annehmen, meinten die Leute, welche diese Nachricht verbreiteten, wir müssten auch glauben, dass Jesus magische Kräfte hatte. Ich meine, warum sollten wir uns darum kümmern, andere so zu behandeln, wie wir selbst von ihnen behandelt werden wollen, wenn der Typ der das sagte, nicht Wasser in Wein verwandeln könnte?`Logo.


Dieser Gedanke zieht sich durch alle großen und nicht so großen spirituellen Traditionen. Buddhisten sind dafür nicht weniger anfällig als andere. Es gibt massig Storys von Buddhas Wundertaten und auch von seiner jungfräulichen Geburt. Der einzig wirkliche Unterschied der Buddhisten ist im Großen und Ganzen, dass sie nicht dazu neigen es allzu wichtig zu nehmen, ob man an diese Geschichten glaubt oder nicht. Tatsächlich lassen mehrere bedeutende buddhistische Strömungen diese völlig unberücksichtigt. Aber das bedeutet nicht, dass viele andere Buddhisten diese nicht glauben oder dass diese Geschichten für viele Buddhisten nicht wichtig sind.


Die Auffassung, dass er oder sie, um als spiritueller Lehrer Glauben geschenkt zu bekommen, wie ein Supermensch erscheinen muss, hat dennoch und gerade heute sehr viel Gewicht. Natürlich, heutzutage möchten wir unseren zeitgenössischen spirituellen Lehrern weniger glauben, dass sie zaubern können – dabei fallen einige Leute einfach auf Tricks von östlichen Fakiren und westlichen Gesundbetern rein. Anspruchsvolle, weltgewandte, gebildete Großstadtmenschen neigen dazu, subtilere Wunder zu erwarten als auf dem Wasser zu laufen oder einen feuerspuckenden, wirbelnden Auftritt hinzulegen, wie Buddha es getan haben soll. Aber noch immer erwarten wir Wunder.


Manchmal möchten wir, dass unsere Typen große altehrwürdige Meister sind, die genau in Beverly Hills reinkarniert wurden oder über übersinnliche Kräfte und selig machende Visionen verfügen. Und selbst wenn wir diesem krassen Hokuspokus nicht nachjagen, suchen wir trotzdem nach Leuten, welche unserem Bild von spiritueller Reinheit entsprechen. Diejenigen, welche rein spirituell sind, sollten nicht wie gewöhnliche Leute sein. Sie müssen fortwährend heiter und unberührt sein, befreit von körperlichem Begehren und Leiden. Wenn wir herausfinden, dass diese Menschen so sind wie der Rest von uns, neigen wir dazu, uns boshaft über sie zu empören und mit dem Finger auf sie zu zeigen. Der Mechanismus, durch den dies im Zen geschieht, ist ausreichend in Büchern wie Shoes Outside the Door und The Great Failure dokumentiert. Weder Richard Baker, Hauptfigur von Shoes Outside the Door noch Dainin Katagiri, Hauptfigur von The Great Failure haben jemals beansprucht ein spiritueller Superman zu sein, aber das hinderte einige ihrer Nachfolger nicht daran mit Ärger, Verzweiflung und auch Trauer zu reagieren, als ans Tageslicht kam, dass sie es nicht waren.


Natürlich sollten sich bei jemandem, der sich für eine meditative Praxis einsetzt, positive Effekte auf das eigene Leben bemerkbar machen. Das kann vernünftigerweise erwartet werden. Was vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, ist, dass diese guten Effekte sich in exakt demselben Verhalten manifestieren, wie wir uns das wünschen würden. Wir können niemals wissen, wie diese Leute wären, wenn sie ihre Praxis nicht hätten. Außerdem ist es nicht wichtig, wie meditative Praxis deinen Lehrer beeinflusst hat. Es zählt nur, wie die meditative Praxis Dich beeinflusst. Und du bist der Einzige, der jemals den vollen Umfang davon sehen wird.


Wie auch immer, der Grund warum ich Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate geschrieben habe, war, teilweise zu versuchen, die Idee eines spirituellen Superman für immer und ewig zu zerstören. Der einzige Weg, von dem ich das Gefühl hatte, das er das tatsächlich könnte, war Rufmord an einem bestimmten östlichen spirituellen Lehrer zu begehen. Da ich aus einer Tradition komme, welche daran glaubt, dass du die wirklich wichtigen Wahrheiten nicht mit dem Blick nach außen findest, sondern mit dem Blick in dein Inneres, reichte es mir nicht, das zu tun, was die Autoren der Bücher, welche ich oben erwähnt habe, taten, und ich suchte mir jemand anderes als Ziel aus. Der Lehrer, über dessen Ruf ich herzog, musste ich selbst sein. Ich gebe zu, dass ich nicht wirklich ein gutes Beispiel bin, einfach weil so wenige Leute tatsächlich glauben, dass ich irgendein bedeutendes erleuchtetes Wesen bin. Diejenigen, welche das tun, sind meist nur wie ein paar Halb-Gare-Fritten, die einem gerade noch zu einem Happy Meal fehlen.


Doch als ich anfing populärer zu werden, haben einige Leute in einer Art und Weise auf mich reagiert, die etwas erschreckend ist. Ich wurde nur ein paar Mal auf der Straße von irgendwelchen Fremden erkannt. Aber wenn ich in letzter Zeit in ein Meditationszentrum komme, wo sie meine Arbeit kennen, leuchten die Augen der Leute auf eine abgefahrene Art auf und einige scheinen sich sogar zu ducken, wenn ich versuche mit ihnen zu reden. Für diese Leute bin ich kein durchschnittlicher Kerl. Ich finde es schwierig, mit dieser Art der Reaktion umzugehen. Einige Leute reagieren auf mich auf eine Art, die nur dann Sinn macht, wenn sie beginnen irgendetwas Himmlisches auf ihr Bild von mir zu projizieren. Sie erwarten Dinge von mir, die sie voneinander niemals erwarten würden. Und das ist unfair.


Ich wollte nicht wirklich dieses Buch schreiben. Es ist heftig, deine schlechten Seiten darzulegen und dem Hohn und der Verachtung preiszugeben. Es war körperlich schmerzhaft das Buch zu schreiben. Ich hatte zuletzt ein halbes Dutzend anderer Ideen für ein drittes Buch, welches eine Kleinigkeit zu schreiben gewesen wäre und es wäre kommerziell etwas erfolgsversprechender gewesen. Aber dieses Buch schrie danach von mir realisiert zu werden, bis ich keine andere Chance mehr hatte, außer zu gehorchen.


Da war etwas sehr Tiefes, zu dem ich nur vordringen konnte, indem ich in meinen eigenen Eingeweiden herumgrub. Genau so entdeckte ich, dass sogar die wertlosesten Teile meines Lebens nicht ausschließlich Hässlichkeit und Horror sind. Tatsächlich fand ich zu meiner eigenen Überraschung ziemlich wenig davon. Es liegt eine Art von Schönheit in der Wahrheit, welche darüber hinausgeht, ob du diese Wahrheit ansprechend oder abstoßend findest. Außerdem sind auch einige Witze in dem Buch.


Ich wollte ein Buch schreiben, welches die Wahrheit über Lehrer in östlichen spirituellen Traditionen erzählt. Weil es da doch viele Illusionen über diejenigen von uns gibt, die in diesem Spiel sind. Die Öffentlichkeit, welche von den Medien getrimmt ist, glaubt, dass Lehrer in östlichen Traditionen nicht so sind wie unsere kunterbunte Mischung von spirituellen Lehrern wie Prediger, Priester, Imams und Rabbis. Uns wird gesagt, dass Yogis, Gurus und Zen-Meister dieses spezielle Etwas genannt „Erleuchtung“ haben; und dass sie das die Welt der gewöhnlichen Menschen transzendieren lässt. Du kannst sehr gutes Geld damit machen, indem du diesen Blödsinn ausbeutest. Da gibt es einen so genannten „Roshi“ (d.h. Zen­­-Meister), welcher leichtgläubigen reichen Menschen fünf Tage in seiner gottgleichen Gegenwart für $50,000 verkauft, auf der Basis, dass sie durch die Nähe zu ihm möglicherweise einiges von der Erleuchtung für sich selbst abbekommen könnten. Es wird so nicht passieren, also könntet ihr in Zukunft genauso gut mir das Geld geben!


Aber weil eben kein spiritueller Lehrer Superman ist, heißt das nicht, dass du nicht einiges durch die Praxis der Meditation lernen kannst. Ich glaube, dass Zazen der einzige Weg ist, den die Menschheit hat, um aus dem Schlamassel herauszukommen, in dem sie sich befindet. Wenn ich das nicht glaubte, würde ich mir nicht die Mühe machen das dauernd heraus zu posaunen.


In diesem mediengesättigten Zeitalter, wo jeder seine Skandalgeschichten auf Video festhalten und auf YouTube 2 Stunden später für alle sichtbar machen kann, gibt es keine Möglichkeit für spirituelle Supermen, um die Flaschenzüge und Drähte verschwinden zu lassen, mit denen sie ihre Zaubertricks aufführen. Es wurde Zeit, dass wir die Vorstellung eines spirituellen Superman sterben lassen und zu beginnen herauszufinden, wie wir gute spirituelle Ratschläge annehmen können, sogar von Leuten, die rülpsen und furzen und – oh mein Gott! – ficken genau wie wir. Solange wir das nicht tun können, wird da auch kein Weg sein, wie wir gute spirituelle Ratschläge von irgendjemandem annehmen können.


Brad Warner ist der Autor von Hardcore Zen und Sit Down and Shut Up! und zuletzt Zen Wrapped in Karma Dipped in Chocolate. Er verwaltet den blog about Buddhist stuff und ebenfalls eine MySpace Seite. Wenn du mal in Südkalifornien bist und du etwas Zazen ausprobieren möchtest, dann hat er eine Gruppe, die sich jeden Samstag in Santa Monica trifft.

Hier kann man sehen, wo Brad als nächstes sprechen wird take a look here!

Kaufe seine neue CD von seiner Band Zero Defex bei CD Baby sofort!

Link zum Originaltext: http://suicidegirls.com/news/culture/23558/Brad%20Warners%20Hardcore%20Zen%20Why%20Cant%20We%20Accept%20Good%20Spiritual%20Advice%20Unless%20It%20Comes%20From%20Superman/

Übersetzt von Whitezen

Montag, 12. Januar 2009

Buddhismus ist nichts Spirituelles

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Freitag, 9. Januar 2009

Brad kommt nach Deutschland - Hardcore Zen Deutschland

Brad Warner wird im August nach Deutschland kommen. Die Chance für Dich, dabei zu sein!
Seine Stationen werden wohl Süddeutschland, Frankfurt (21.-23.8.?!?), Leipzig und Berlin sein. Es wird vorraussichtlich Sesshins und Vorträge geben.
Jetzt kommt es auf Deine Unterstützung an. Melde Dich in unserer Googlegruppe an: http://groups.google.de/group/hardcore-zen-germany Dort tauschen wir uns aus.
Ein weiteres Thema, was insbesondere mir schon länger am Herzen liegt, ist eine bessere Vernetzung und Organisation seiner Anhänger hier. Deswegen schlage ich die Gründung eines Vereins vor, der ebendies, die Übersetzung seiner Bücher, die nachhaltige Organisation von Sesshins und Vorträgen im deutschsprachigen Raum zum Gegenstand hat. Näheres folgt. Wichtig ist mir auch hier: Interessenten vor. Der Verein wird den Leuten vor Ort Freiheiten lassen, aber für eine gesunde finanzielle Basis sorgen. Vielleicht so fünf Euro im Monat. Damit lässt sich dann durchaus mal was bewegen.
Also, do it yourself!
Rock on!
Christoph

Dienstag, 11. November 2008

Gefällt Euch Euer Buddhismus? Dankt einem Veteranen dafür!

Interessanterweise sind kürzlich einige miteinander zusammenhängende Dinge gleichzeitig passiert. In den letzten paar Wochen habe ich drei oder vier Emails von Leuten aus dem Militär erhalten, in denen sie mir mitteilten, wie sehr ihnen meine Bücher gefallen haben. Einer hat Hardcore Zen gelesen, während er im Irak stationiert war. Und ziemlich zur gleichen Zeit habe ich einige andere Emails erhalten, in denen Besorgnis über Leute beim Militär, die Buddhismus praktizieren, zum Ausdruck gebracht wurde. Diese anderen Emailer schienen davon überzeugt zu sein, dass jeder beim Militär, der sich für buddhistische Praxis und Philosophie zu interessieren beginnt, unmittelbar gezwungen sei, fahnenflüchtig zu werden und den Wehrdienst zu beenden. Und hier ist er, der Veteran´s Day, der perfekte Tag, um einen Artikel zum Thema zu veröffentlichen.

Ich fühle mich sehr geehrt dadurch, dass Leute von den Streitkräften mein Zeugs lesen. Ich frage mich manchmal, wie viele andere buddhistische Autoren Fans beim Militär haben. Einige sicher. Aber viele buddhistische Schriftsteller sind derart vehement politisiert, dass ich mir vorstellen kann, dass sie Menschen, die einer Arbeit dieser Art nachgehen, eher davon abhalten, sich mit Buddhismus zu beschäftigen.
Das ist eine Schande.

Der Titel dieses Artikels ist eine Anspielung auf einen Autoaufkleber, den man oft in den USA sieht, und auf dem steht: “Gefällt Euch eure Freiheit? Dankt einem Veteranen dafür!“ Der Buddhismus ist eine praktische Philosophie und eine Praxis für die reale Welt, die, in der wir tatsächlich leben, und nicht eine idealistische Religion, in der wir uns die fantastische Welt ausmalen, in der wir gerne leben würden. Ich denke, dass auch wir Buddhisten unseren Veteranen danken sollten.

Ihr wünscht Euch womöglich, wir lebten in einer Welt, in der unsere Freiheit, den Buddhismus zu praktizieren, nicht durch militärische Gewalt ermöglicht würde. Ich tue das definitiv. Aber wenn Wünsche 57er Tobacco-Burst Gibson Les Paul Gitarren mit Coffee/Cream PAF-Tonabnehmern wären, hätte ich ein Dutzend davon. Fakt ist, dass der Buddhismus immer nur in den Nationen zur Blüte gelangt ist, in denen das Recht der Bürger auf ihre Praxis durch ein starkes Militär sichergestellt wurde. Die traurigen Beispiele Afghanistan und Tibet fallen mir in diesem Zusammenhang ein.

Ich habe darüber bereits in einem Suicide-Girls-Artikel mit dem Titel “Buddhism Through Violence” geschrieben, daher möchte ich all das nicht erneut hier wiederkäuen. Aber ich möchte nochmal betonen, wie ich es auch in jenem Artikel getan habe, dass ich nicht glücklich über die Tatsache bin, dass unsere Freiheit den Buddhismus zu praktizieren durch Gewalt, oder zumindest die Androhung von Gewalt, geschützt werden muss. Aber ob ich damit glücklich bin oder nicht, ändert nichts an den Tatsachen. Wir können in der Welt nur Veränderung bewirken, wenn wir uns zunächst damit arrangieren, in was für einer Welt wir tatsächlich leben.

Zu der Frage, ob eine Person weiterhin ihren Kriegsdienst leisten kann, nachdem sie begonnen hat, den Buddhismus zu praktizieren: Ich wüsste nicht, warum nicht. Die Arbeit, die diese Leute erledigen, ist notwendig. Solange das Militär notwendig ist, möchte ich gerne, dass es ein Militär gibt. Wenn Leute in der Armee Zazen praktizieren, werden sie ihren eigenen Körper und ihren Geist besser in Balance bringen und ihren Beruf folglich mit größerer Effizienz und Sorgfalt ausüben. Die erweiterte Perspektive, die sich entwickelt, wenn ihre Praxis wächst, wird ihnen ermöglichen, die Macht, die wir ihnen gegeben haben, auf eine Art und Weise auszuüben, die für jeden Beteiligten vorteilhafter ist. Sie werden eher daran interessiert sein, wo immer sie sich befinden den Frieden zu erhalten und weniger daran, Ärsche zu treten. Es wird weniger unkontrollierte Gewalt geben, weniger Missbrauch von Alkohol und Drogen und mehr individuelle Stabilität bei unseren Streitkräften.
Das ist eine großartige Sache.

Besteht die Möglichkeit, dass Leute vom Militär, die Buddhismus praktizieren, durch seine Lehren der Gewaltlosigkeit dazu gebracht werden, den Wehrdienst zu verlassen? Bei einigen könnte das der Fall sein. Bei anderen nicht. Aber ich glaube nicht, dass diejenigen, die denken, sie wüssten, worum es im Buddhismus geht, das Recht haben zu sagen: Wer die Philosophie der Gewaltlosigkeit wahrhaft verstünde, würde das Militär mit Sicherheit verlassen. Das ist eine Angelegenheit, die jedes Individuum für sich selbst entscheiden muss. Es ist nicht deine Sache, ganz egal wie sehr du glaubst, dieses buddhistische Zeugs verstanden zu haben.

Daher möchte ich am Tag der Veteranen meinen Dank ausweiten an alle, die bei unseren Streitkräften dienen.

Montag, 21. Juli 2008

Das Leben ist häßlich, warum nicht Selbstmord begehen?*

In meinen Artikeln für Suicide Girls (dt.: Selbstmord-Mädchen) habe ich mich oft mit Mädchen befasst, aber selten mit Selbstmord. Letzte Woche hat ein Freund von mir einen Selbstmordversuch unternommen, aber Gott sei Dank ohne Erfolg. Vor 25 Jahren hat es ein anderer Freund erfolgreich versucht, und das geht mir noch immer an die Nieren. Als ich in Chicago lebte, spielte meine Band immer in einem Schuppen namens „Batteries“, der von Jim Ellison von der Band Material Issue gebucht wurde. Ich war ziemlich fertig, als ich herausbekam, dass er sich 1996 das Leben genommen hatte. Ihr Song „Valerie Loves Me“ wurde in einem Club gespielt, den ich diese Woche besuchte, was mich nur noch stärker dazu veranlasste, über Selbstmord und seine Konsequenzen nachzudenken. Ich kannte einige Leute, einschließlich eines Onkels und eines Arbeitskollegen, die langsamen Selbstmord begingen, indem sie sich selbst zu Tode tranken. Und ich selbst war auch ziemlich nahe daran, die Tat zu begehen.

Wir führten oft lange philosophische Debatten am Küchentisch des Punk-Hauses in der Nähe des Akroner Krankenhauses, wo fast jeder aus der Szene Tag und Nacht abzuhängen schien. Während einer dieser Debatten stimmten fast alle der Behauptung zu, dass der Suizid eine vertretbare Möglichkeit ist und dass es dem Individuum alleine obliegt, zu entscheiden, ob es ihn begeht oder nicht. Ich bin nicht sicher, ob ich der Einzige war, der nicht zustimmte. Aber ich war bestimmt in der Minderheit. Ich glaube, dass viele „alternative“ Leute so ähnlich denken wie meine Freunde damals und Selbstmord für eine akzeptable Option halten.

Intellektuell gesehen ist es einfach, ein überzeugendes Argument dafür zu finden, dass Selbstmord niemanden außer der Person, die ihn begeht, etwas angeht. Aber in der Praxis, im echten Leben, ist das nie der Fall. Selbstmord hat eine zerstörerische Wirkung auf jeden, dessen Leben von einer Person berührt wird. Es ist egal, welch ein einsamer Wolf du bist, es gibt Leute, denen du etwas bedeutest, und es ist nie leicht, wenn sich Leute, die dir etwas bedeuten, umbringen. Mein Freund Iggy, der sich 1983 aufhängte, schien absichtlich seine Freundin verletzen zu wollen, die ihn kurz zuvor verlassen hatte. . Aber sie verließ ihn, weil es für sie der einzig mögliche Weg war, ihn zur Beschäftigung mit seinem Alkoholismus und seiner allgemeinen Destruktivität zu zwingen. Ich gebe ihr nicht die Schuld. Ich hätte dasselbe getan. Was er machte, war unglaublich fies und gemein. Und ich denke nicht, dass es seine Probleme wirklich löste.

Die meisten Religionen verbieten Selbstmord und stellen denen, die sich das Leben nehmen, fürchterliche Bestrafungen in der nächsten Welt in Aussicht. Ich bin sicher, dass sich beim Durchgraben der buddhistischen Literatur irgendeine Abwandlung davon auffinden ließe. Es muss irgendwo einen Sutra- oder Vinaya-Text geben, der angibt, welche zukünftige Inkarnation jene erwartet, die Selbstmord begehen. Aber ich kenne ihn nicht, da ich ein ziemlich lausiger buddhistischer Gelehrter bin. Das alleine sagt aber schon etwas aus. Denn, selbst wenn solch ein Text existiert, wird die Sache nicht großartig hervorgehoben. Es gibt eine Reihe wissenschaftlicher Artikel über das Thema im Internet. Hier ist einer. Hier ist ein anderer. Und hier ist noch einer.

Die vietnamesischen Buddhisten, die sich selbst angezündet haben, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren, sind sehr bekannt. Eine Zeitlang schien dies einer der nachhaltigsten Eindrücke zu sein, den die breite Öffentlichkeit im Westen vom Buddhismus hatte. Die Leute auf dieser Seite des Planeten hatten bereits von ihren frühen Gelehrten erfahren, dass der Buddhismus eine nihilistische Religion sei, voll von Gerede über Leiden und Leere. Daher war es vermutlich keine große Überraschung von Buddhisten zu hören, die sich selbst auslöschten. Der Buddhismus ist aber nicht nihilistisch. Und ich denke nicht, dass die Typen irgendjemandem einen Gefallen damit taten in Flammen aufzugehen.

Ich bin allgemein nicht besonders an den Ergebnissen der Forschung oder an der Massenmeinung interessiert. Ich habe die Artikel, die ich verlinkt habe, überflogen, habe sie aber nicht eingehend studiert. Es ist interessant, die Geschichte zu kennen, aber nicht wirklich notwendig. Im Buddhismus geht es meiner Meinung nach mehr um unsere eigene Erfahrung als um tradierte Erkenntnisse. Meine eigene Erfahrung lehrt mich, dass der Suizid keine vertretbare Option ist. Er kann die Probleme, die er lösen soll, absolut nicht lösen und verursacht eine Menge unnötiges Leiden und Kummer.

Menschen bringen sich um, um ihrem Leiden ein Ende zu bereiten. Ian Curtis hat es getan, um sein Leiden wegen seiner Ehe und seiner Finanzen zu beenden. Pete Ham brachte sich um, weil er wegen des Schicksals von Badfinger, der weltbesten Power-Pop Band, litt. Kurt Cobain brachte sich um, um sein Leiden wegen all der Bauchschmerzen zu beenden. Natürlich sind das alles grobe Vereinfachungen. Aber es ist klar, dass all diese Leute, genau wie alle anderen, die sich je das Leben nahmen, dies getan haben, weil sie den Selbstmord als einen Weg aus dem Leiden heraus ansahen. Es ist sicher nicht etwas, das man nur so zum Spaß macht.

Aber die Vorstellung, dass der Selbstmord dein Leiden beendet, kommt von dem Glauben, dass du und die Welt, in der du lebst, zwei verschiedene Dinge sind. Du glaubst, dass du diese Welt und damit das Leiden hinter dir lassen kannst. Aber meine Sicht nach Jahren der Zazen-Praxis ist, dass das nicht stimmt. Ich habe lange Zeit damit verbracht, die Grenzlinie zwischen dem, was ich als „mich“ bezeichne, und dem, was ich „Rest der Welt“ nenne, verschwimmen und verschwinden zu sehen. Ich bin nicht länger sicher, wo die trennende Linie ist. Mich beschleicht sogar der Verdacht, dass dieser Buddha-Typ möglicherweise richtig gelegen hat, als er sage, dass sie gar nicht existiert. In der Tat hatte ich ein paar Momente, in denen diese offenbar lächerliche Vorstellung sich mir derart aufgedrängt hat, dass ich sie nicht verleugnen kann.

Daher geht das, was ich hier zu sagen habe, etwas weiter als die alte “The Show must go on”-Tour, wo Leute argumentieren, dass du deinen Freunden und deiner Familie gegenüber die Verantwortung trägst, dich nicht in die Luft zu jagen und dein Gehirn ins Treibhaus hinaus zu schleudern. Du hast eine Verantwortung gegenüber dir selbst und sogar vor dem Universum als Ganzem, es nicht zu tun. Selbst wenn der Selbstmord das unmittelbare Problem löst, indem er eine miese Beziehung beendet oder deinen Bauchschmerzen ein Ende setzt, schwappt das Leiden, von dem du glaubtest, es gehöre dir alleine, wie eine Welle auf Teile des Universums über, die du als von dir getrennt zu betrachten gelernt hast. Für mich ist es unmöglich zu glauben, dass selbst die Person, die stirbt, nicht in einer gewissen Weise nach dem Selbstmord genauso weiter leidet wie zuvor. Ich glaube nicht länger, dass es möglich ist, diese Welt zu verlassen. Und weiter will ich darüber nicht spekulieren. Alles was ich über die Mechanismen sagen könnte, die daran beteiligt sind, dies zu ermöglichen, wäre bloß ein Haufen stinkender Gehirnfürze. Dennoch habe ich ein tiefes und unerschütterliches Gefühl, dass es stimmt.

Wie auch immer, bitte vergebt mir die Düsternis dieses kleinen Artikels. Was mein Freund letzte Woche getan hat, hat mich stark nachdenklich gemacht. Also, Leser von Hinsetzen, Klappe Halten, bringt euch nicht um! Das Leben ist schön, warum sich nicht stattdessen gesund ernähren?*

* Der Titel des Artikels kommt von einem Punkrock Compilation Album, das etwa 1979-1980 von New Underground Records veröffentlicht wurde. Darin sind Titel von den Descendents und Red Cross enthalten. Ich hätte gerne eine Pressung davon oder von seinem Nachfolger „Life Is Beautiful So Why Not Eat Health Foods“.

Montag, 2. Juni 2008

Spiritueller Krempel

Ich hab heute ein Gedicht geschrieben. Hier ist es:

Spiritueller Krempel, spiritueller Kack
Pack ´nen Haufen von dir in einen Sack
Nehm dich mit nach Haus
Und Stell dich dort aus
Werd dann transzendieren
Das illusorische Ich in meinem Hirn

Spiritueller Kram ist natürlich der ganze spirituelle Mist, den du in New Age Buchläden und Konsorten finden kannst. Heilkristalle, kleine Amuletts, diese kleinen Armband Dinger mit den Perlen drauf ...

Kann sein, dass es daran liegt, dass ich zu meiner Tätigkeit als spiritueller Lehrer gekommen bin wie die Jungfrau zum Kind. Ich wollte niemals ein spiritueller Lehrer oder, schlimmer noch, ein spiritueller Führer sein. Ich nehme aber an, dass viele Typen in dieser Szene es wollten. Dies war ihr Kindheitstraum. Sie übten vorm Spiegel und wünschten und hofften und machten endlich ihren Traum war. Gut für sie.

Letzten Samstag bei unserem wöchentlichen Zazen Treffen im Hill Street Center brach zwischen den üblichen zehn Leuten, die dort erscheinen, eine Diskussion darüber aus, wie wir unsere Tätigkeit ausweiten könnten. Ich sagte den Leuten dort, dass ich nicht den Wunsch habe, irgendetwas in der Art zu tun.

Ein paar von diesen Leuten waren einige Tage vorher zum anderen Ende der Stadt gegangen, um einen anderen Lehrer auszuprobieren. Sie waren erstaunt darüber, dass bei ihm jede Woche zwischen 75 und 100 Leute erscheinen und mit ihm meditieren. Wie kommt es, dass wir immer nur zehn sind? Und wie kommt es, dass wir immer noch Miete zahlen, wo wir doch Spenden sammeln und ein eigenes Zen Center für uns kaufen könnten?

So zu denken ist allerdings problematisch. Zum einen wird Zen Praxis niemals populär werden. Naja, sag niemals „nie“, stimmt's? Aber es wird nicht in nächster Zeit passieren und das ist in Ordnung. Sogar wenn 75 Leute in Hill Street auftauchten, wären trotzdem nur zehn da, denen es ernst ist, plus 65 Leute, die gekommen sind, um unterhalten zu werden. Und ich würde mich lieber nicht mit diesen anderen 65 Leuten beschäftigen müssen, die in die Quere kommen und ein Durcheinander verursachen.

Das Einzige, was diese zusätzlichen Leute wirklich beitragen, ist zusätzliches Geld. Und der einzige Grund, warum man das Geld braucht, ist eine Einrichtung zu schaffen, die diese zusätzlichen Leute unterbringen kann. Es ist wie eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt.

Bisher verdiene ich meine Brötchen durch das Schreiben und meine Arbeit im Filmgeschäft. Ich bin glücklich damit. Was das Schreiben angeht, so will ich so viele Bücher verkaufen wie nur möglich. Ich werde das Zeug anpreisen, bis ich den Geist aufgebe. Kein Problem. Kauft ein paar Bücher. Auf der linken Seite ist ein Link, um sie bei Amazon bestellen zu können. Oder seid bessere Menschen und kauft sie in eurem örtlichen Bücherladen. Und klickt jetzt zehn mal auf den Link zu meinen Suicide Girls Artikeln, damit die Leute denken ich hätte viele Leser. Kauft, kauft, kauft!!

Meine Praxis ist allerdings eine ziemlich persönliche Sache. Sie hat mir geholfen und es freut mich, sie anderen zugänglich zu machen. Ich versuche aber nicht, sie zu verkaufen. Ich sitze jeden Samstagmorgen und wenn Leute mitmachen wollen, gut. Wenn nicht, ist es auch gut.

Möglicherweise eröffne ich irgendwann einmal eine Art Zentrum. Ich möchte diese Möglichkeit nicht komplett ausschließen, aber zurzeit bin ich nicht sehr interessiert. Und auch wenn ich eine solche Einrichtung eröffnen würde - unsere Einstellung bliebe dieselbe: Wir sitzen für eine gewisse Zeit des Tages und wer möchte macht mit.