Sonntag, 1. April 2007

Wissen und WISSEN

In meinem neusten Artikel für Suicide Girls schrieb ich: „Zu wissen, dass du nicht alles weißt, ist eine sehr mächtige Sache. Genau zu wissen, dass du nicht alles weißt, bedeutet, du kannst dir sicher sein, dass es sonst auch niemand weiß.”

Als Reaktion darauf schrieb ein Typ mit dem Namen Apesamongus:

Eins weiß ich genau, nämlich dass ich einen Scheiß darüber weiß, was andere Leute tun. Es ist arrogant anzunehmen, andere wären so unwissend wie du.

Das Problem hierbei: Es gibt Wissen und WISSEN. Viele Leute wissen Sachen, die ich nicht weiß, z.B. wie man seine eigene Lohnsteuer macht oder wie man Fagott spielt oder wie man Lasagne macht. Ich würde niemals annehmen, dass nur weil ich darüber nichts weiß, auch sonst niemand darüber Bescheid weiß. Außerdem gibt es einen bestimmten Grad an Wissen, der daher kommt, dass jemand seinen Platz auf der Erde schon etwas länger einnimmt als jemand anderes. Meine Großmutter kann sich an die Zeit erinnern als Fernsehen etwas Neues war, und dadurch, dass sie die Wandlungen Amerikas in diesem Jahrhundert erlebte, kann sie ebenso manches von diesem Wissen weitergeben.

Und dann gibt es WISSEN. WISSEN ist, was viele skrupellose Typen - spirituelle Meister genauso wie Politiker, Werbefachleute und andere fragwürdige Gestalten - im Gegensatz zu dir zu besitzen behaupten. Kürzlich hielten mich einige Leute für jemanden der WEIß. Ich werde immer wieder auf verschiedene Weise diese Frage gefragt: „Wie sieht die Welt für dich aus?” Als würden die Leute denken, dass wenn ich mir eine Tomate ansehe, ich die 8 Armige kosmische Gestalt von Vishnu oder so was sehe.

Ich habe eine E‑Mail von einem Kerl bekommen, der mir erzählte, dass als er ein privates Treffen mit seinem Meister hatte, dieser ihm erzählte: „Du bist auf Level 3 (von weiß der Henker, was für einer verdammten spirituellen Ebene er aus zählte), aber ich kann dich auf Level 2 bringen, wenn du willst.” Wie du siehst, WUSSTE der Lehrer, während der arme Schüler nur darauf hoffen konnte, sich in seiner strahlenden Herrlichkeit zu sonnen. Leute, wenn irgendjemand so was zu euch sagt, lauft bitte so schnell ihr könnt davon.

Die Wahrheit ist: niemand WEIß. Ich bin mir sicher ein paar von euch denken, “okay, aber woher weißt du, dass niemand WEIß? Du hast den Groß Meister Sri Sri Rama Übermensch nicht getroffen. Der WEIß definitiv.” Meinetwegen kannst du so einen Scheiß glauben, ich glaub es nicht. Denn WISSEN existiert nicht außerhalb von Dir selbst. Es ist nicht etwas, dass jemand besitzt und es dir verkaufen kann. Du kannst dir die Erfahrung eines anderen nicht ausleihen. Eine alte Metapher aus buddhistischen Geschichten hierfür lautet - den Schatz eines anderen zählen.

Jemand anderes mag über sich selbst gut Bescheid wissen. Aber er weiß nicht über dich Bescheid und er kann auch nicht über dich Bescheid wissen. Ich erinnere mich an eine Unterhaltung, die ich vor einigen Jahren mit Tim, meinem ersten Zen Lehrer, hatte. Ich sagte in etwa: „du weißt, du bist schon durch alles durch.” Er sagte: „Brad, ich bin noch durch gar nichts hindurch.”

Die Vorstellung, jemand anderes WÜSSTE, ist immer ein Weg die eigene Verantwortung an jemand anderes abzuschieben. Sie WISSEN, also können sie es dir sagen und du kannst dich hinsetzen und ihnen zuhören.

Das funktioniert nicht. Es gibt Zeiten, in denen ich wünschte, es ginge. Aber es geht nicht. Sobald du das verstehst, hast du eine Chance echtes Wissen für dich zu entdecken.

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Samstag, 31. März 2007

Magische E-Mails und andere Wunder

Das hier ist eine wahre Geschichte. Letztens, ich glaube es war am Mittwoch, bekam ich eine E-Mail von einem Typ einer anderen Firma, mit dem ich an einem Projekt für meinen Job zusammenarbeite (denkst du, ich bekomme genug Geld von Suicide Girls um meinen Job hinzuschmeißen?). Die E-Mail war total ärgerlich. Sie deutete an, dass ich meinen Teil einer Abmachung zwischen unseren Firmen nicht einhalten würde, und drohte vage mit einer vertraglich vereinbarten Strafe. Tatsächlich versuchte der Typ in letzter Sekunde eine Menge Änderungen an dem Projekt vorzunehmen, und gab mir weit weniger Zeit, als ein Mensch braucht, um darauf antworten zu können.

Ich schrieb ihm zurück, führte alle relevanten Tatsachen an, und machte klar, dass das, was er sagte, zu weit ging, ohne meinen Ärger auf sein nerviges Schreiben zu verbergen. Ich drückte Senden. Ein paar Minuten später war die Mail wieder auf meinem Desktop, mit einer der computerisierten Erklärungen, dass sie wegen eines fatal Error XKG974.36/TX1138 oder so, nicht gesendet werden konnte. Also versuchte ich, sie noch mal zu senden. Doch einige Zeit später passierte dasselbe, die E-Mail kam zurück mit derselben unverständlichen Fehlermeldung.

Daraufhin ging ich die E-Mail durch, und löschte 5, 6 Wörter, die meine emotionale Reaktion auf die Mail des anderen Typs anzeigten. Nach dieser Ausmerzung war die Mail ohne emotionalen Gehalt, nur die wirklich trockenen Bestandteile der Angelegenheit waren übrig. Und wieder Senden. Whoosh! (Macintosh Benutzer kennen den Sound) Weg war sie.

Die Adresse blieb dieselbe. Den Anhang änderte ich nicht. Ich formatierte die Mail nicht neu. Ich machte gar nichts, außer dass ich einen einzigen Satz aus dem Inneren meiner Mail entfernte. Es ist unmöglich sich vorzustellen, dass das Entfernen von 5 oder 6 Wörtern irgendeinen Unterschied in der Sendebereitschaft machen würde oder nicht. Aber weg war die Mail, ohne ein Problem. Eine Weile später antwortete der Typ und war viel, viel ruhiger als in der ersten Mail. Auch ließ er erkennen, dass er auf die Eingeständnisse, die ich in dem gelöschten Satz gefordert hatte (den er wohl kaum gesehen hat), eingehen wolle.

Ich denke, ich habe einen sehr gütigen Computer. Ich werde ihn ab jetzt gut behandeln.

Es ist nicht das erste Mal, dass so ne' Sache passiert ist. Tatsächlich ist es in letzter Zeit irgendwie zur Gewohnheit geworden. Ich bin mir sehr sicher, dass sowas schon passiert ist, lange bevor ich darauf aufmerksam wurde. Aber damals wäre ich wahrscheinlich ziemlich aufgebracht gewesen, hätte den Computer einen Haufen Schrott genannt, oder mich über meinen Server beschwert, oder was man sonst so tut, wenn man von einem rätselhaften Computerproblem frustriert ist. Bei meiner Arbeit mit Computern in früheren Jahren bekam ich mal einen unübersehbaren, sehr juckenden Ausschlag, nachdem ich ziemlich gereizt von meinem Power PC war. Ernsthaft. Heutzutage ist meine Reaktion anders. Wenn Computer anfangen zu spinnen, akzeptiere ich es irgendwie als einen Teil der Güte des Universums.

Das ist nicht nur bei Computerkram so. Jeden Tag bin ich allen möglichen Beispielen der Freundlichkeit des Universums ausgesetzt, die zu erklären ich nicht imstande bin. So wie vor einigen Monaten als ich Glück hatte, dass das rechte Vorderrad meines Autos während der Fahrt nicht wegflog, da dieses merkwürdig ratternde Geräusch, das zu überprüfen ich aufgeschoben hatte, seine Ursache in der losen Schraube hatte, die mein Rad noch einzig hielt. Mittlerweile versuche ich auch „schlechte Sachen“ als Manifestation der Güte des Universums zu sehen, deren Sinn ich lediglich noch nicht verstehe.

Das ist nicht immer einfach, wohlgemerkt. Aber ich versuche es. Wenn ich Schwierigkeiten habe, die richtige Sichtweise anzunehmen, erinnere ich mich an eine Geschichte, die ich über Shunryu Suzuki las, dem Autor des großartigen Buchs Zen Geist Anfänger Geist. Er hatte die Diagnose über Hepatitis erhalten. Das war doppelt traurig für ihn, denn er mochte es mit einer seiner Schülerinnen Eiscreme zu essen. Die Ärzte sagten ihm er solle damit aufhören, damit sie sich nicht anstecke. Eine Weile später wurde die Diagnose revidiert. Suzuki hatte Krebs und dieser war voraussichtlich im Endstadium. Als er es seiner Schülerin erzählte, verstand diese nicht, warum er so fröhlich darüber war. Daraufhin sagte Suzuki, “verstehst du nicht? Das bedeutet, wir können uns wieder Eiscreme teilen!”

Gewöhnlich spreche ich nicht über meine Ansichten wie die der Güte des Universums, denn die meisten Menschen verstehen sie immer falsch. Wir haben diese wirklich seltsamen Methoden mit Sachen umzugehen, die wir nicht verstehen. Wir kommen zu allen möglichen seltsamen Schlüssen darüber was sie bedeuten und was wir dagegen tun sollten. So ähnlich wie: Das Universum tut Dinge, die wir nicht verstehen können, also los, lasst uns Bomben auf Leute werfen, die anders denken. Oder: Das Universum benimmt sich auf eine für uns nicht nachvollziehbare Weise, also lasst uns alle dem Typen mit dem spitzen blauen Hut gehorchen, was immer er uns befiehlt, zu tun. Leider erkenne ich da den Zusammenhang nicht. Vielleicht bin ich blöd.

Ich akzeptiere einfach die Tatsache, dass es Dinge gibt, die über unser intellektuelles Verstehen hinausgehen, und dass egal wie angestrengt ich oder sonst jemand versucht bestimmte Dinge zu verstehen, niemals ein sinnvolles Ergebnis herauskommt. Tatsächlich würde ich weiter gehen und sagen, dass egal wie hart jemand danach strebt, diese Dinge zu durchblicken, es niemals irgendeinen Sinn machen wird. Unser Gehirn ist super spitzfindig, aber wir sind nicht unendlich schlau. Niemand von uns.

Wir können absolut erstaunliche Dinge tun, indem wir mit unseren Gehirnen ein Problem bearbeiten – etwa zum Mond fliegen, oder all die winzig kleinen Daten in unseren Computer tippen, sodass der unsere Steuern verflucht schnell ausrechnet. Aber das heißt nicht, dass wir alles verstehen können. Die großen Fragen des Lebens, des Universums und des Ganzen können wir nicht mit unseren Gehirnen lösen. Wir können noch nicht einmal die Frage, wie wir friedlich zusammenleben können, dadurch lösen, dass wir unseren Verstand darauf ansetzen.

Dennoch scheitern fast alle Religionen und Philosophien daran, diese offensichtliche und bestürzende Tatsache zu akzeptieren. Die meisten Religionen sind, trotz all ihrem Gerede um Spiritualität, in Wirklichkeit zutiefst intellektuell. Einige sind mehr in den intellektuellen Bereich verstrickt als andere, dennoch scheitern sie daran jemals aus dem intellektuellen Gefängnis, das sie sich selbst gebaut haben, auszubrechen. Auch die meisten Meditationspraktiken, die ich kennengelernt habe, gehen unglücklicherweise nicht weiter, als das Gehirn und die Vorstellungskraft damit zu beschäftigen, erstaunliche Phantasien zu kreieren. Unsere eigenen Träume von Erleuchtung können so gemacht sein, dass sie so wirklich und schön erscheinen, dass ihrer verführerischen Kraft unmöglich zu wiedererstehen ist. Besorg dir einen Haufen Leute, die an dieselbe Erleuchtungs-Fantasie glauben und schon hast du eine sehr mächtige Bewegung. Aber das bedeutet einen Scheißdreck.

Meine Lieblingsdarstellung Buddhas ist die, bei der er meditiert und mit einer Hand den Boden berührt. Das symbolisiert seine Verwurzlung in der Realität. Wir mögen nicht wissen, was genau die Realität ist, aber wir wissen, dass sie real ist, deshalb müssen wir bei ihr bleiben, egal wie schön unsere Träume sein mögen.

Zu wissen, dass du nicht alles weißt, ist eine sehr mächtige Sache. Genau zu wissen, dass du nicht alles weißt, bedeutet, du kannst dir sicher sein, dass es sonst auch niemand weiß. Mit diesem Verständnis wirst du jedem, dem du begegnest, ebenbürtig sein. Mit niemandem über, und niemandem unter dir kannst du deinen wahren Platz im Universum finden.

Ich empfehle mich nun, da es ein paar E-Mails von meiner Arbeit gibt, die ich beantworten muss.

Thema wird hier weitergeführt

Mittwoch, 21. Februar 2007

ZU GUT

In der Kommentarspalte meines neusten Artikels für Suicide Girls habe ich diesen Text hier veröffentlicht. Der SG Artikel endet mit dem folgenden Absatz:

„Ich würde niemals behaupten, ich hätte Die Antwort für das Problem der Depression. Aber ich kann sagen, was mir geholfen hat, und was mir immer noch hilft. Es ist keine so einfache und schnelle Lösung wie jeden Tag ein paar Pillen zu schlucken. Aber auf lange Sicht ist es besser zu lernen, wie man mit sich selbst umgeht, anstatt die ganze Arbeit Medikamenten zu überlassen. Zumindest wirst du so nie vergessen, dein Rezept einzulösen. Dennoch, die Lösung, die mir geholfen hat, erfordert es, sich gegen das zu entscheiden, was die meisten Menschen als „normale“ Lebensweise und „normalen“ übermäßigen Luxus betrachten. Wenn du bereit bist, dieses Opfer zu bringen, wirst du sehen, dass es eigentlich gar kein Opfer ist.“

Auf der Suicide Girls Seite ärgerten sich einige Leute über meine Haltung gegenüber Medikamenten als Mittel zur Behandlung von Depressionen. Obwohl ich dachte, mein Text wäre sehr klar, und obwohl einige der Kommentierenden es verstanden haben, habe ich beschlossen, trotzdem einige klärende Worte hinzuzufügen.

Aber bevor du anfängst zu lesen, möchte ich darauf hinweisen, dass ich nicht daran interessiert bin über den Wert der von Psychiatern verschriebenen Medikamente zu diskutieren. Über das Thema wird schon genug diskutiert. Langweilig! Wenn du darüber debattieren willst, ist das in Ordnung. Erwarte nur nicht, dass ich in die Diskussion einsteige.

Ich bin jedoch an Meister Nishijimas Idee interessiert, der zufolge manche Dinge “zu gut” sind. Und das ist es, worüber ich hier einen Kommentar schreiben möchte. Hier nun (mit ein paar kleineren Veränderungen) das, was ich geschrieben habe:

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Als ich die Zeile schrieb, dass Zazen besser gegen Depressionen hilft, als Pillen zu schlucken, stellte ich mir keine Person mit lähmender, ernster Depression vor, die erst zu den Medikamenten greift, nachdem alles andere erfolglos war. Manchmal ist die medikamentöse Lösung der einzige Weg, um mit einem Problem umzugehen, das zu ernst geworden ist, als dass man es auf anderem Wege behandeln könnte. Wenn ich einen Autounfall hätte, oder man bei mir Krebs diagnostizieren würde, würde ich einen Arzt sehen wollen, und keinen Zen Meister.

Aber bei dem Haufen Geld, das die Pharmakonzerne in die Entwicklung von neuen Märkten für ihre Mittelchen stecken, sieht es für mich oft so aus, als ob eine ganze Generation von Amerikanern darauf hereingefallen ist, zu glauben, sie könnten unmöglich ihr Leben bewältigen, ohne ihre Gehirnchemie künstlich zu verändern. Die Werbung für diese Stärkungsmittel lässt es so klingen, als ob jeder Fall eines existentiellen Überdrusses nach einer Dosis Prozac® oder Paxil® schreit, damit du ja nicht beginnst, die Gesellschaft infrage zu stellen, in die du dich dank der Medikamente erfolgreich einfügen sollst.

Dennoch ist es mir nicht möglich zu erkennen, was die Leute bewegt, die sich über das, was ich gesagt habe aufgeregt haben. Vielleicht waren sie unter den seltenen Fällen, deren Lage so ernst ist, dass Medikamente die wirkliche einzig vernünftige Lösung waren. Ohne sie würden diese Leute vielleicht ihre Schule zusammenschießen oder Pop Stars und Politiker entführen. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht beurteilen.

Ich kann nicht über andere sprechen. Aber Folgendes kann ich über mich sagen. Ich bin dankbar dafür, dass ich durch meine Pubertät kam, bevor Antidepressiva vollständig entwickelt waren, und dass ich in meinen Zwanzigern zu arm war, um mir eine psychiatrische Behandlung zu leisten, denn ich habe keinen Zweifel daran, dass man mir Medikamente verschrieben hätte, um meine Depression zu lindern. Wäre ich diesen Weg gegangen, wäre ich vielleicht niemals dazu gezwungen worden, nach dem tieferen Grund meines Leids zu suchen.

Ich bezweifle nicht die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung. Aber zu sagen, sie sei wirkungsvoll, bedeutet, dass sie die erwünschte Wirkung erzielt. Ich frage mich, ob der Effekt, den wir uns wünschen, immer das ist, was wir wirklich brauchen. Ich war es gewohnt, in fast wöchentlicher Regelmäßigkeit an starken Kopfschmerzen zu leiden. Hohe Dosen an Ibuprofen waren eine effektive Gegenmaßnahme. Ich nahm die Pillen und der Schmerz verschwand. Mein Vertrauen auf die magische Lösung der Advil Korporation hielt mich davon ab, mich um die wahren Ursachen meiner Kopfschmerzen zu kümmern. Außerdem machte es meine Kacke hart wie Stein, eine Auswirkung, mit der ich selbst heute noch zu tun habe. Die tolle Werbung im Fernsehen scheint das niemals zu erwähnen, oder?

Erst als ich damit aufhörte, so viel Medikamente zu nehmen und anfing zu versuchen, an das wahre Problem zu kommen, war ich dazu imstande, die Probleme zu lösen, die wirklich gelöst werden mussten. Es gibt Zeiten, in denen Schmerz, gerade emotionaler Schmerz, ein Signal dafür ist, dass etwas Wichtiges direkt angegangen werden muss. Meine Erfahrung ist, dass Medikamente sehr effektive Mittel sein können, die Konfrontation mit dem, was wirklich schief läuft, zu vermeiden.

Einmal, als mein Zen Lehrer, Meister Nishijima, seinen Rücken verletzt hatte, brachte einer seiner Schüler ein Ding mit, das wie ein Heizkissen aussah und das dazu bestimmt war, eine Art von heilender elektrischer Energie in die Muskeln zu schießen. Nachdem der Schüler ihn lange Zeit bearbeitet hatte, probierte Nishijima das Gerät schließlich aus. Sein Urteil war, dass die Maschine „zu gut“ war, und er es bevorzugen würde, die Verletzung auf natürliche Weise heilen zu lassen. Ebenso denke ich, dass die meisten unserer Medikamente „zu gut“ sind. Sie sind gut, wenn du eine schnelle Hilfe für ein sehr ernstes Problem brauchst. Aber wann immer es möglich ist, ein natürlicheres Verfahren anzuwenden, ist dies immer besser. Selbst wenn es länger braucht und weniger „effektiv“ erscheint – was bedeuten würde, dass die Lösung nicht genau das ist, was wir uns gewünscht oder vorgestellt haben.

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Samstag, 17. Februar 2007

Depression - Weg zum Überleben?

Am Montag den 12. Februar veröffentliche die LA-Times einen interessanten Artikel, mit der Überschrift: „Die Entwicklung des Verstandes“. Der Untertitel lautete, „Depression als Weg zu überleben?“ Wie ich in einem früheren Artikel erwähnte, habe ich selber fast mein ganzes Leben lang mit Depression zu tun gehabt, und bin am Ende zu ein paar Schlussfolgerungen darüber gekommen, die ziemlich ungewöhnlich erscheinen. Deswegen wollte ich unbedingt lesen, was die Leute von der LA-Times zu diesem Thema zu sagen hatten. Anscheinend gibt es einen neuen Trend in der Psychologie, der annimmt, dass Depression eine evolutionäre Anpassung sein könnte, also etwas, das unsere Urahnen entwickelt haben, um zu überleben. Das ist ganz schön revolutionär, da Depression bis heute ja hauptsächlich als eine Krankheit betrachtet wurde, die geheilt werden muss.

Gemäß dem Artikel sagt Dr. Matthew C. Keller vom Institut für psychiatrische Genetik und Verhaltensgenetik Virginia in der August Ausgabe des Journals der Persönlichkeits- und Sozialpsychologie, Depression könnte dazu dienen, einer Person zu signalisieren, „aufzuhören Energie zu verschwenden, und Kraft zu sparen, wenn sich eine Situation als nicht erfolgversprechend erwiesen hat.“ Diese Gelehrten mit ihren großen Worten! Kurz gesagt, hörten die Neandertaler und Australopithecinen einfach auf, Brontosaurier zu jagen, als sie diese nicht mehr fangen konnten, weil die sich ins Wasser zurückgezogen hatten, und nur noch mit den Köpfen heraus schauten, und konzentrierten sich stattdessen auf landbewohnende Stegosaurier, um ihr Überleben zu sichern. Diese Tendenz, depressiv zu werden, wenn Dinge falsch laufen, wurde dann bis an uns, ihre entfernten Nachkommen, weitervererbt. So ungefähr jedenfalls.

Als sich die Menschheit weiterentwickelte, und ihre eigene Umwelt drastisch veränderte, wurde das, was einst einen gesunden Zweck erfüllte und sie am Leben erhielt, zu einer Krankheit. Stephen S. Ilardi, ein Professor der Psychologie an der Univ. von Kansas, dessen Namen ich mag, weil er sich wie Ghoulardi anhört, der legendäre Horror Film Anbieter aus Cleveland, sagt: „Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass wir niemals für diese sitzendende, sozial isolierte, von Schlafmangel und schlechter Ernährung geprägte, rasende Lebensweise gemacht wurden“.

Daniel Nettle, ein Psychologie Professor an der Univ. von Newcastle in England sagt: “Für unsere Vorfahren war es sehr nützlich ihren Impulsen spontan und voller Elan zu folgen.” Doch heute ist es so einfach jede x-beliebige Laune zu befriedigen, dass sich diese Art Nachgiebigkeit schnell in eine Krankheit verwandelt. Moderne Probleme wie Sucht sind das Resultat. Der Ur-Mensch hatte wenig Gelegenheit nach irgendetwas süchtig zu werden, weil es so schwierig war, eine angenehme Erfahrung immer wieder zu wiederholen. Was aber haben wir mit unseren hoch entwickelten Hirnen anderes gemacht, als herauszufinden, wie wir unsere verschiedenen Begierden befriedigen können? Übertrieben schlau zu sein, macht sich eben nicht immer bezahlt.

Vieles von dem macht Sinn, wenn ich mir meine eigenen vergangenen depressiven Phasen anschau, und wie ich heute damit umgehe. Ich durchwanderte lange Zeiten immer schlimmer werdender Depression, die schließlich kurz vor dem Punkt, an dem ich soweit war, mich in den entgegenkommenden Verkehr zu schmeißen, von selbst verschwand. Zu der Zeit schien es, als käme die Depression aus dem Nichts, würde sich dann immer weiter und weiter steigern, bis sie, aus Gründen, die ich nicht verstehen konnte, verschwand. Es war nicht so, dass ich mich, nachdem sie weg war, total großartig gefühlt hätte. Ich war einfach wieder normal, obwohl dieses Normalsein zu dieser Zeit sehr düster für mich war.

Obwohl ich damals glaubte, die Phasen tiefster Depression kämen ohne irgendeinen Grund, war es in Wirklichkeit so, dass ich einen sehr beschissenen Lebensstil führte. Ich war es gewöhnt tagelang wenig zu schlafen, zu viel zu trinken, Drogen zu nehmen, Billigfraß zu essen, nichts Körperliches zu tun und mich selbst kirre zu machen, indem ich versuchte, alles Mögliche auszuprobieren, was mir Werbung, Freunde und die Gesellschaft im Allgemeinen erzählten, was ich absolut ausprobieren müsste, damit mir ja nichts Entscheidendes entgehen würde. Es kostete eine Menge Arbeit, um schließlich zu erkennen, dass dies keine Art zu leben war. Der Grund, warum ich nicht erkannte, dass mein Lebensstil schlecht für mich war, lag darin, dass unsere Gesellschaft im Allgemeinen darin versagt zu erkennen, dass der Lebensstil den sie als „normal“ ansieht, alles andere als normal ist – außer vielleicht in dem Sinne, dass „normal“ auch „allgemein üblich“ bedeutet. Könnte es sein, dass der Hauptgrund dafür, dass die Menschen heutzutage denken, sie bräuchten so viele Drogen, der ist, dass wir unsere Körper dazu zwingen unseren falschen Vorstellungen, wie das Leben gelebt werden sollte, zu entsprechen?

Auch heute gerate ich noch in depressive Phasen. Aber ich bin mir viel bewusster, wo sie herkommen und was ich tun muss, wenn sie kommen. Das heißt nicht, dass ich immer eine einfach erklärbare Ursache bestimmen kann. Es läuft intuitiver ab. Wenn ich zu sehr absacke, wird es Zeit mein Leben wieder zu normalisieren. Mehr Zazen ist immer eine große Hilfe. Denn was immer der Auslöser für die Depression ist, die Hauptursache dafür, dass sie bis zu dem Punkt anwächst, an dem sie wirklich problematisch wird, ist, zu viel nachzudenken. Der einzige Weg das Problem zu lösen, ist nicht zu viel zu denken.

Der Grund dafür, dass so viele von uns sich selbst andauernd so depressiv machen, ist der, dass wir uns in Gedanken stetig vor uns selbst definieren. Einer der besten Wege sich selbst zu definieren, ist der, dein angeblich einzigartiges Selbst mit Sachen zu vergleichen, die dein Selbst nicht mag. Deshalb sind Depressionen, Traurigkeit und Frustration sehr wirkungsvolle Wege die Illusion eines Selbst aufrecht zu erhalten. Ich denke ich bin deprimiert, also bin ich. Wenn du wirklich daran interessiert bist diesen Kreislauf zu durchbrechen – und die meisten Leute sind es nicht – dann ist es notwendig, die Idee eines „Selbst“ fallen zu lassen. Dies zu tun ist sehr, sehr schwer, denn uns wurde beigebracht, dass es sehr wichtig ist, dieses „Selbst“ zu definieren und zu erhalten. Wir haben Angst, wenn wir uns nicht ständig selbst definieren, könnten wir völlig verschwinden. Eine interessante Sache, die du in der Zazen Praxis lernst, ist, dass wenn du damit aufhörst, dich vor dir selbst zu definieren, sich nichts Wichtiges wirklich ändert – außer das du dich sehr viel besser fühlst.

Eine andere wichtige Sache ist Disziplin. Es gibt die weitverbreitete falsche Vorstellung, der Buddhismus sei eine nachgiebige Philosophie der Beliebigkeit, à la „erlaubt ist, was gefällt“ oder „alles geht“. Tut mir Leid eure Seifenblase platzen zu lassen, aber der Buddhismus ist nicht, noch war er jemals, eine „Erlaubt-Ist-Was-Gefällt-Philosophie“. Denn schon damals zu Buddhas Tagen führte der einfache Zugang zu verschiedenen Formen von Luxus zu großen Problemen. Im 21 Jh. sind diese Probleme zu krisenhaften Dimensionen angewachsen. Traurigerweise neigen einige buddhistische Anführer trotz all dem dazu, das Wort Disziplin in beschwichtigenden Tönen zu äußern, aus Angst, sie könnten die Massen verscheuchen. Diszipliniert zu sein heißt nicht immer, aufzugeben, was du gerne machst, aber es bedeutet zu lernen, wie viel zu viel ist.

Einer der großen Wendepunkte bei meinen Kämpfen mit der Depression kam, als ich anfing, regelmäßig an Zen Sesshins teilzunehmen. Bei einem Sesshin wirst du gezwungen einen sehr disziplinierten Lebensstil zu führen – Aufstehen um 4 Uhr 30, gefolgt von einem festen Zeitplan an Zazen und Arbeitsperioden, und selbst die Essenspausen folgen einem reglementierten Muster. Dem gibst du dich voll hin, und für eine festgelegte Zeit unterwirfst du dich Regeln, die weder angenehm noch einfach sind. Jetzt sollte ich dazu sagen, dass die Sesshins, an denen ich teilnahm, und die, die ich selber leite, an einem gewissen Standard gemessen sehr anspruchslos sind. Ich bin mir nicht sicher, wie hart du dich selbst antreiben musst. Wenn du es ehrlich und ernst meinst, dann ist ein Bisschen genug.

Weit entfernt davon mich gefangen zu fühlen, fühlte ich mich bei diesen Sesshins freier denn je in meinem Leben. In meinem gewöhnlichen Leben vermisse ich diese Art der Disziplin in einem Umfang, dass ich mir sie sogar selbst auferlege, wenn ich das eigentlich gar nicht müsste. Ich arbeite von zuhause, ohne festgelegten Zeitplan. Es wäre leicht für mich, lange aufzubleiben und mir die Nacht um die Ohren zu schlagen, und irgendwann aus dem Bett zu rollen, nach dem die Sonne heiß geworden ist. Aber ich mach’s nicht. Auch wenn ich zu Hause keinen Zeitplan wie bei einem Sesshin einhalte, so folge ich doch so weit wie möglich einem festgelegten Muster.

Natürlich weiß jeder, wie militaristische Disziplin im Namen der Religion zu allen Arten von abscheulichen Aktivitäten von Sekten geführt hat, Massen Tötungen und seltsame Haarschnitte. Das ist der Grund, warum Du kein Vollidiot sein darfst: Es gibt einen Unterschied dazwischen einem disziplinierten Lebensstil zu folgen, und Verantwortung für deine eigenen Handlungen an Leute abzuschieben, die offensichtlich wahnsinnig sind. Lern den Unterschied zu erkennen.

Ich würde niemals behaupten, ich hätte Die Antwort für das Problem der Depression. Aber ich kann sagen, was mir geholfen hat, und was mir immer noch hilft. Es ist keine so einfache und schnelle Lösung wie jeden Tag ein paar Pillen zu schlucken. Aber auf lange Sicht ist es besser zu lernen, wie man mit sich selbst umgeht, anstatt die ganze Arbeit Medikamenten zu überlassen. Zumindest wirst du so nie vergessen, dein Rezept einzulösen. Dennoch, die Lösung, die mir geholfen hat, erfordert es, sich gegen das zu entscheiden, was die meisten Menschen als „normale“ Lebensweise und „normalen“ übermäßigen Luxus betrachten. Wenn du bereit bist, dieses Opfer zu bringen, wirst du sehen, dass es eigentlich gar kein Opfer ist.


Der Text wird an folgender Stelle weiterbehandelt:

ZU GUT

Samstag, 30. Dezember 2006

Bist du glücklich?

Frohes neues Jahr! Ich weiß, dafür ist es vielleicht ein paar Tage zu früh, also frohes Jahresende. Das Jahresende ist die Hochsaison für Depressionen. Und da ich darum gebeten wurde, über Depressionen zu schreiben, scheint genau jetzt die richtige Zeit dafür zu sein.

Den größten Teil meines Lebens war ich fast immer sehr depressiv. Als ich herausfand, was Selbstmord war, stellte ich mir vor, wie ich ihn am besten begehen könnte. Ich erinnere mich daran, düstere Gedanken gehabt zu haben, mir kurz vor der siebten Klasse das Leben zu nehmen. Mit Depressionen kenne ich mich also aus.

Ich hasse Leute, die dir erzählen, wie sie mithilfe einer Religion Depressionen, Alkoholismus, Ziellosigkeit, Haarausfall, Skorbut oder was auch immer heilten, und dann versuchen, dich für diese Religion zu gewinnen. Also, welchen Eindruck du auch immer von diesem Artikel bekommen magst, denke bitte nicht, dass ich das hier tue. Für mich ist es kein Problem, falls du dich nicht für Zazen interessierst. Ist halt dein Pech.

Egal. Als ich mein Abitur machte, war ich ein super-depressiver Typ. Und natürlich hatte ich allen Grund dazu. Ich war ein hässlicher und unbeholfener Versager ohne Zukunft. Und als sei dies noch nicht schlimm genug gewesen, beabsichtigte Ronald Reagan - das war jedem klar - uns noch vor dem Ende der 80’er in den totalen, globalen Atomkrieg zu führen, während ein Haufen verräterischer Ex-Hippys Koks sniffte und reich wurde. Das war kein Witz. Ich war mir dessen absolut sicher. Also dachte ich die Frage sei nur die, mich entweder jetzt umzubringen, oder meine Tage mit in ihren Höhlen zerschmolzenen Augäpfeln und meinen an der Wand hängenden Schatten zu beenden.

Ich war ein Pessimist ersten Ranges. Ich denke, das war eines der ersten Dinge, die mich am Buddhismus faszinierten. Es schien, wie das Äußerste an Pessimismus. Buddhas Botschaft beginnt mit „Alles Leben ist Leiden“. Was könnte ansprechender für einen Pessimisten sein? Bei den ersten Versuchen Westlern den Buddhismus zu erklären, wurde dieser oft als streng pessimistisch als auch völlig nihilistisch dargestellt. Es war allerdings ein großes Rätsel, warum die Anhänger einer solch deprimierenden Religion so glücklich sein konnten. Warum liefen sie ständig lächelnd umher, anstatt einfach irgendwo von einer Brücke zu springen? Tatsächlich ist der Buddhismus nicht im geringsten pessimistisch und hat nicht das Mindeste mit Nihilismus zu tun.

Die angeblich pessimistische Sicht des Buddhismus hängt mit seiner Bewertung der idealistischen Sichtweise zusammen. Durch die Brille der Gedanken und Vorstellungen gesehen, ist alles im Leben Leiden oder, um eine genauere Übersetzung des originalen, von Buddha benutzten, Pali Wortes zu geben – „Dukkha“ – alles Leben ist unzufrieden stellende Erfahrung. Dein tatsächliches Leben kann nie und nimmer mit deiner Vorstellung zusammenpassen, wie es sein sollte. Sogar deine glücklichsten Erfahrungen werden überschattet von dem Wissen, dass sie irgendwann vorbeigehen werden. Diese Anschauungsweise hört sich echt deprimierend an.

Aber es gibt einen recht einfachen Ausweg. Buddha betrachtete sein Leben und entdeckte etwas, das viele von uns während ihres ganzen Lebens nicht einmal bemerken. Wir leben nicht in unseren Gedanken und Vorstellungen. Wir leben in der Realität und die Realität ist vollständig außerhalb unserer Gedanken und Vorstellungen. Egal wie wir das Leben das wir leben beschreiben, diese Beschreibung ist nur ein Gedanke. Wie mies du dein Leben auch finden magst, dein Leben ist nicht der Gedanke, den du über dein Leben denkst. Es geht nicht darum schlimme, depressive Gedanken auszulöschen. Es geht darum zu verstehen, was deine Gedanken eigentlich sind.

Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Dies nur intellektuell zu verstehen, wird dir wenig helfen. Du musst es „durch Praxis lernen“, um es mit den Worten Dogens zu sagen.

Lass mich versuchen, ein Beispiel zu geben, wie das funktionieren kann. Nehmen wir mal an du verbringst deinen Weihnachtsurlaub mit der Familie. Wenn deine Familie so wie meine ist, dann gibt es keine Möglichkeit, jemals eine Beschäftigung zu finden, mit der alle einverstanden sind. Also endet man beim kleinsten gemeinsamen Nenner und wählt etwas, das zumindest nicht von allen völlig gehasst wird. Nun befindest du dich also in einem hässlichen, langweiligen Einkaufszentrum, wo sie diese billige blöde Weihnachtsmusik spielen, über die du dich schon die letzten zwei Monate aufregst. Alles in diesen abscheulichen Geschäften ist überteuert und furchtbar. Dein Neffe springt wie verrückt herum, deine Nichte schreit, Tante Erna watschelt umher, zeigt auf Dreiräder und sagt zum 57´ mal am Stück „du mochtest Dreiräder, stimmt´s?“ Überall um dich herum stehen Leute, die sich vergnügen, aber dir ist kotzübel. Dein Gehirn verwandelt sich in rosa Pudding. Überall wäre es jetzt besser als hier. Du beginnst dir all die Dinge vorzustellen, die du an diesem Tag machen könntest, wenn du nur nicht in dieser Situation stecken würdest. Deine Fantasie setzt zum Flug an. Zuhause mit einer Packung Taschentücher und den Suicide-Girls zu sein, wäre besser.

Das ist der Punkt, an dem du stoppen musst. Achte darauf, was wirklich passiert. Du bist nicht an einem der Orte, an denen du sein könntest, und tust nicht eine von den Sachen, die du tun könntest. Du bist hier. Dies ist dein Leben. Und du verpasst es. Deine Fantasien sind niemals die Wirklichkeit und sie werden sie auch nie sein, weil nichts von dem was du dir vorstellen kannst, jemals so sein wird, wie du es dir vorstellst.

Dasselbe gilt für all das, worüber du deprimiert sein kannst - die Weltlage, der Stand der aktuellen Musik, der Zustand deiner Haare.

Was mir immer hilft, ist all die kleinen Dinge zu tun, die mein Leben genau jetzt verbessern. Wie z.B. das Klo putzen oder den Müll ausleeren. Bring jemanden zum Lachen. Es gibt immer etwas, das getan werden muss. Immer. Und es ist deine Aufgabe es zu tun. Leiste einen Beitrag an die Welt, in der du lebst. Es ist nicht wichtig ob es was Großes oder was Kleines ist. In der Tat ist etwas Kleines besser. Wir leben unser Leben nicht für uns selbst. Dies ist ein großer Fehler, den fast jeder macht. Du bist ein Teil des Zusammenhangs des Lebens und du hast die Pflicht, deinen individuellen Beitrag zu leisten. Dafür hat dich Gott in die Welt gesetzt. Wenn du gegen dieses Prinzip handelst, fühlst du dich unglücklich.

Ist dein Leben im Gleichgewicht? Oder malst du es dir als ein paar Gipfelerlebnisse aus, große Höhen und große Tiefs, unterbrochen von langen Strecken, in denen nicht viel passiert? Auch Drogen werden dich Durcheinander bringen. So sehr ich es auch hasse wie Nancy Reagan zu klingen, es ist verdammt wahr. Sie ziehen dich für eine kleine Weile hoch, aber dann kommt immer der Rückschlag. Du magst denken es wäre in Ordnung, wenn du nur für den Rausch – egal welcher Art - lebst, unterbrochen von Zeiten in denen nichts passiert. Aber das ist es nicht. Der einfache Grund, warum das Heute so düster und grau erscheint, kommt bloß daher, weil du das Heute mit deiner Erinnerung an den Sonnenschein von gestern vergleichst, oder mit dem Hoch von gestern oder deinem Orgasmus von gestern. Oder das Große „wenn doch nur …“, das alles perfekt machen würde, wenn es nicht außer Reichweite wäre. Aber das sind bloß deine Erinnerungen und Vorstellungen. Die Wirklichkeit ist das Geschirr in der Spüle. Und das Geschirr in der Spüle heute, ist viel besser als die Achterbahnfahrt von letzter Nacht – denn das Heute ist wirklich und gestern und morgen sind Lügen, die du dir selbst erzählst.

Depression ist ein Gedanke. Es ist schwierig, ihn loszuwerden. Aber letztlich sind alle Gedanken, egal welche, nichts als Energie, die innerhalb des Fleisch Klumpens in deinem Schädel herumspringt.

Genieß deine Ferien, oder genieß es, sie nicht zu genießen. Es liegt ganz an dir.

(Link zum Originaltext)