Freitag, 4. Januar 2008

Wie man seiner fundamentalistisch-christlichen Mutter den Buddhismus erklärt

Zurzeit beantworte ich ganze Stapel von Emails, die sich angesammelt haben, seit ich außerhalb der Reichweite des Internets war. Eine von ihnen war von einer Frau, deren Mutter eine fundamentalistische Hardcore-Christin ist. Sie wollte wissen, wie sie ihrer Mutter den Buddhismus erklären sollte. Folgendes habe ich geschrieben (hier leicht verändert):

Ich weiß nie, was ich Leuten, die sehr feste Meinungen über Religion haben, über den Buddhismus erzählen soll. Manchmal scheint es, dass, ganz egal, was man sagt, es von ihnen in irgendeine dafür bestimmte Schublade ihres Gehirns geschoben wird.

Ein paar bewährte Aussagen, die mich manchmal retten, sind: Der Buddhismus ist keine Religion, sondern eine Philosophie. Buddhisten verehren Buddha nicht, sie glauben nicht, dass er ein Gott oder irgendein übernatürliches Wesen war. Buddha war ein gewöhnlicher Mensch, den Buddhisten als eine Art Genie betrachten, in der Art, wie wir Einstein oder Beethoven als Genies ansehen. Die Statuen von Buddha sind sozusagen wie Statuen von Aristoteles oder Plato. Buddhisten verbeugen sich vor diesen Statuen, um ihren Respekt zu zeigen, nicht um sie zu verehren.

Es ist völlig in Ordnung für Buddhisten, wenn man zugleich Christ und Buddhist ist. Ich weiß, dass es Christen oft schwer fällt, dies zu akzeptieren, Buddhisten nicht. Buddhas Philosophie betont Mitleid und Freundlichkeit sowie physische und mentale Stabilität. Wir betreiben unsere Meditationspraxis, um diese Qualitäten zu entwickeln, nicht um in irgendeine spirituelle Trance einzutreten oder irgendeinen veränderten mentalen Zustand zu erfahren. Das sehr stille und ruhige Gefühl bei der Meditation hilft einem, stabiler und ruhiger zu werden, um in der Lage zu sein, mit Freundlichkeit und Mitgefühl zu handeln.

Betone einfach, dass der Buddhismus keine Religion ist und dass er vollständig kompatibel mit christlichen Ansichten ist. Falls sie versucht, über Buddhismus zu recherchieren, könnte sie herausfinden, dass manche Leute ihn als Religion beschreiben (besonders Christen, die den Buddhismus fürchten und sogar Buddhisten selbst). Falls sie nachforscht und einige dieser Ansichten teilt, würde ich durchaus zugeben dass manche buddhistische Sekten religiöser sind. Es ist sogar wahr, dass es Buddhisten gibt, die sich Buddha als eine Art Gott vorstellen. Erzähle ihr, dass Zen-Buddhisten nicht so denken, besonders diejenigen, die Dogens Philosophie folgen. Obwohl der Versuch, ihr Dogen zu erklären, zu sehr in die Tiefe gehen könnte. Du könntest einfach sagen, dass er ein japanischer Buddhist war, der im 13. Jahrhundert lebte und der all die religiösen Aspekte des Buddhismus verwarf, weil er dachte, dass diese religiösen Aspekte nicht mit Buddhas ursprünglicher Intention übereinstimmten. Darüber kann man natürlich streiten. Einige Forscher sehen Dogen als sehr religiös an. Es hängt wirklich davon ab, wie man „religiös“ definiert. Aber es ist eine legitime Art, Dogen so zu erklären, wenn man sich mit jemandem unterhält, der auf all die anderen Details ohnehin nicht hören wird.

Oder deute einfach auf das Fenster und ruf: „Guck mal! Da ist Bigfoot!!“ Und wenn sie sich umdreht, um nach draußen zu schauen, lauf einfach weg. Das funktioniert auch.

Mann, ich verschwende meine Zeit und bekomme mein drittes Buch nicht fertig. Sollte ich mich mal drum kümmern!

Tschüss!

Donnerstag, 3. Januar 2008

Frohes neues Jahr!

Frohes neues Jahr! Und ein wundervolles, glückliches, erfolgreiches und was immer sonst noch 2008 euch allen. Eingeschlossen den Drecksack aus der Kommentarspalte, der „Go Blue Go Die.“ nicht mochte.

Ich verbrachte Silvester und Neujahr im Tassajara Zen Kloster in Carmel Valley, Kalifonien, es war unbeschreiblich schön. Ich bin zu müde um heut Nacht über viele Details zu schreiben. Außerdem übernachte ich für ein paar Tage im San Francisco Zen Center, und die wünschen, dass man um 5 Uhr morgens aufsteht und Zazen praktiziert. Also werd ich nicht lange auf bleiben um in diesen blöden Blog zu schreiben.

Aber neben den Zillionen wirklich schönen Dingen, die in Tassajara passiert sind, gibt es ein wirklich (zumindest für mich) Interessantes. Ich hatte gerade über Bob Dylan’s berühmte „Basement Tapes“ gelesen – das „verschwundene“ Album, welches er 1967 aufgenommen hat, von dem einiges um 1975 veröffentlicht wurde aber das meiste bis heute unveröffentlicht blieb. Als ich über die Aufnahmen las, wollte ich sie auch hören. Aber man muss ganz schön hart suchen um die Bootlegs zu finden, auf denen die besten Sachen sind. Ich hatte vage Pläne, das zu machen, nachdem ich Tassajara verlassen hätte.

Tja. Und so passierte es, dass ich mit einem Langzeitgast in Tassajara namens David Coady sprach. Ich erzählte ihm von diesem Dylan Song “Odds and Ends” welchen ich letztens gehört hatte, und der eine sehr Dogen-mäßige Zeile beinhaltet: “Verlorene Zeit kann man nicht wiederfinden.” Der Song ist einer der wenigen „Basement Tapes“ Stücke, die offiziell veröffentlicht wurden.

Und er erwähnt, dass das Einzige, was er von einer ehemals gigantischen und umfangreichen Sammlung an CDs aufbewahrt hat, eine kleine Box ist, in der sich ein paar Dylan CDs inklusive der kompletten 5er-Disc-Reihe des „Basement Tapes“ Bootlegs befinden.

Verrückt, ne?

Wie auch immer, hier ist ein Song (nicht von den “Basement Tapes”), an den ich kürzlich denken musste, der viele Gefühle meiner letzten Zeit einfängt. Es ist dieses mal keiner meiner eigenen Songs. Er ist von Robyn Hitchcock und dessen Album „Stars For Bram“. Klick auf den Songtitel um ihn zu hören.

Gute Nacht!

DAISY BOMB
by Robyn Hitchcock

Sometimes a bomb is not enough
To express the way I feel
And an explosion in the dark
Won't let you down
Sometimes a kiss is not enough
You just have to make it two
Darling I love you inside out
And upside down
I love you
Like a bomb
In my heart
Sometimes a kiss goes on so long
And it just won't let you go
Darling I love you inside out
And upside down
I love you
Like a bomb
In my heart
Daisy bomb
Daisy bomb
Daisy bomb

Samstag, 24. November 2007

Keine Frage, Keine Antwort

Hier ist der zweite Fall aus Dogens Koan Buch, Shinji Shobogenzo:

Meister Obaku Ki-Un auf dem Berg Obaku im Ko-Distrikt fragte Meister Hyakujo Ekai: "Wenn ich die Lehre, die du uns gegeben hast, mit anderen teilen möchte, wie sollte ich dann lehren?"

Meister Hyakujo blieb auf seinem Kissen sitzen und sagte gar nichts.

Obaku Ki-Un fragte: "Wie kann ich zukünftig deine Söhne und Enkelschüler etwas lehren?"

Meister Hyakujo erwiderte: "Was du gesagt hast, zeigt, dass du ein wirklicher Mensch bist." *

Das ist eine der Fragen, die ich so oft gestellt bekomme, dass ich darüber nachdenke, sie in meine Frage und Antwort Liste (F.A.Q.) zu stellen, die ich nebenbei gesagt, seit der Bronzezeit nicht mehr auf den neusten Stand gebracht habe. Die Leute wollen immer wissen, "wie kann ich anderen den Buddhismus lehren?"

Die kurze Antwort ist, tu's nicht.

Natürlich meine ich dieses "tu's nicht" nicht absolut. Aber in den meisten Fällen brauchst du wirklich niemanden irgendetwas beibringen. Lass sie in Ruhe, hör auf damit, wie Brians Mutter in dem Film 'Das Leben des Brian' sagt. Wenn deine Freunde oder deine Familie etwas über den Buddhismus wissen wollen, werden sie danach fragen. Ansonsten besteht die buddhistische Regel: keine Frage, keine Antwort.

Davon wurde ich vor Kurzem überzeugt, als ein gewisser buddhistischer Meister mit dem Versuch begann, mich netterweise mit seinen Lehren zu beglücken. Allmächtiger Gott, falls es irgendetwas Lästigeres gibt als das, dann will ich nicht wissen, was es ist. Letztenendes habe ich rausgefunden, wie ich meinen Spamfilter einstelle, um seine E-Mails direkt in den Papierkorb zu leiten, so muss ich den Scheiß wenigstens nicht mehr lesen.

Ich stelle mir allerdings vor, dass jeder, der mein Zeug liest, meine Verachtung für Meister teilt, die versuchen, dir ihre Lehren aufzuzwingen. Gott, ich hoffe niemand von euch versucht das, was ich sage, irgendjemanden aufzudrängen. Vielleicht hast du trotzdem das Gefühl, dass dieser oder jener Freund von dir von der Praxis profitieren könnte, und du ihm gerne die Chance dazu geben würdest. Das ist nett, aber unglücklicherweise kannst du nicht viel dafür tun.

Den Buddhismus jemandem zu lehren, den du kennst, kommt in etwa dem gleich, jemanden den du kennst, dazu zu bringen mit dir zu schlafen. Du kannst das Thema nicht zur Sprache bringen, ohne derjenigen Person Angst zu machen. Oder noch schlimmer, sie werden sich fühlen, als ob du sie mit deiner Religion vergewaltigt hättest. Es bringt einfach nichts.

Selbst in meiner heutigen Position erzähle ich Leuten, die ich treffe, nicht wirklich von Zen, außer sie fragen. Selbst dann gebe ich erst mal ein paar scherzende Antworten, um zu sehen, ob sie wirklich ernsthaft daran interessiert sind. Wenn jemand nicht aufrichtig nach den Lehren verlangt, ist es völlig sinnlos ihr diese zuteil werden zu lassen. Sie werden sowieso nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit zuhören. Du wirst also nur deinen Atem verschwenden und dich selber zum Affen machen.

Wie auch immer, das ist meine kleine Predigt für den Tag. Ich wünsch dir einen guten.


* Zitiert aus: Die Schatzkammer der wahren buddhistischen Weisheit. O. W. Barth (2005) von G.W. Nishijima und D. D. Waskönig.

Link zum Originaltext:

http://hardcorezen.blogspot.com/2007/11/dont-ask-dont-tell.html

Sonntag, 9. September 2007

Der nackte Affe

Einige Dinge müssen klargestellt werden, bevor es los geht. Ich habe in letzter Zeit viele E-Mails und Kommentare erhalten, in denen man sich um meine finanzielle Situation sorgt. Mir tut es leid, irgendjemandem Sorgen bereitet zu haben. Aber meine finanzielle Situation ist momentan wirklich in Ordnung. Ich versuche, Zeug loszuwerden, weil ich viel zu viel habe*, nicht weil ich das Geld brauche. Ich habe immer noch einen Job. Zumindest im Moment. Und wenn das zu Ende gehen sollte, werde ich einen anderen Job finden.

Während meinem Zazen habe ich letzter Zeit beobachtet, dass mein Gehirn, basierend auf trivialsten Reizen, erstaunliche Szenarien erfindet. Irgendeine Idee wird von Gott weiß wo in meiner Birne auftauchen, woraus plötzlich komplette Welten aus geistigem Zeug entstehen. Sozusagen wie der Urknall. Ich habe mich sogar selbst dabei beobachtet, wie ich anfing, vollkommen imaginäre Gespräche über vollkommen imaginäre Dinge zu führen. Das passiert auf einem unbewussten Level, so dass ich noch nicht mal die Beschaffenheit und das Thema dieser Gespräche und was weiß ich kommentieren kann, weil sie keines zu haben scheinen. Erst nachdem sie sich gebildet haben, kann ich sie etwas Bestimmtem zuordnen. Es ist nur eine Art von gewohnter Reaktion, auf einer sehr tiefen Ebene. Also eigentlich sollte ich nicht überrascht sein, wenn Leute gewaltige fantastische Vorstellungen, aufgrund ein paar zufälliger Sätze in einem Blog, erfinden. Doch so dankbar ich euch für eure Besorgnis bin, es gibt wirklich keinen Grund dafür.

Mein neues Lieblingsbuch ist Der nackte Affe von Desmond Morris. Ich fand es an einem Bücherstand im Freien in Greenwich Village. Ich wusste von dem Buch aufgrund seines Rufes; es gilt als einer der Klassiker, die richtig gut sein sollen. Aber das war alles, was ich wusste.

Ich habe es gerade vor etwa einer halben Stunde beendet und ich denke, dass es unglaublich ist. Es wäre wesentlich besser, wenn an Buddhismus interessierte Leute, Bücher wie Der nackte Affe lesen würden, anstatt der fragwürdigen, verwirrend philosophischen Bücher in der „Spiritualitäts“-Abteilung deines örtlichen McBuchschuppens.

Der Autor, Desmond Morris, ist ein britischer Zoologe, der seine sein zoologisches Augenmerk auf den Menschen richtete. Das Buch betrachtet den Menschen als ein Tier, eine intelligente und fleischfressende Unterart fast unbehaarter Primaten. Seine Schlussfolgerungen scheinen größtenteils fast restlos gültig zu sein. Er bringt viele der Dinge, auf ich während meiner eigenen Übung gestoßen bin, sehr deutlich auf den Punkt. Sehr viele Leute fühlten sich unwohl, als das Buch 1967 zuerst herauskam – und es ist ziemlich deutlich, warum. Anstatt die Menschen als erhabene, hochgeistige Wesen mit hässlichen Körpern darzustellen, zeigt er uns, wie wir wirklich sind – eine sehr erfolgreiche Art der Affen.

Natürlich sind Menschen nach buddhistischer Sicht nicht nur Tiere. Aber das bedeutet nicht, dass wir überhaupt keine Tiere sind. Wir sind nur ziemlich verschieden von den anderen Tieren. Aber auch Elefanten sind anders als alle anderen Tiere, und ebenso Meeresnacktschnecken und Skorpione und alle anderen Lebewesen. Wie alle anderen Kreaturen haben wir sowohl eine materielle als auch eine immaterielle Seite. Aber, wieder vom buddhistischen Standpunkt aus gesehen, sind diese beiden Seiten tatsächlich ein und dasselbe. Die Tatsache, dass wir sehr erfolgreiche Primaten mit größeren Pimmeln und Titten als andere unserer Art-Verwandten sind, ist Teil unserer spirituellen Natur.
Zieh‘ dir das mal rein!

Morris’ Kapitel über das Kämpfen ist von besonderer Bedeutung. Praktisch alles, was ich in meinem letzten Artikel für Suicide Girls erwähnte, ergibt sich aus dem gleichen Standpunkt, den er dort vertritt**. Er erläutert sogar die Funktion des sympathischen und parasympathischen Nervensystems auf ziemlich genau dieselbe Weise, wie Gudo Nishijima davon redet. Nishijimas Meinung ist, dass das Üben von Zazen hilft, diese beiden gegensätzlichen Teile unseres autonomen Nervensystems auszubalancieren; und dass das „Wegfallen von Körper und Geist“, wovon Dogen redet, tatsächlich das Ausgleichen unseres autonomen Nervensystems ist.
Natürlich erwähnt Morris Zazen nicht. Ich glaube nicht einmal, dass er irgendwas darüber weiß.

Das Kapitel über Körperpflege ist ziemlich interessant. Morris vergleicht die Entwicklung der Krankenpflege bei den Menschen mit dem Putzinstinkt anderer Primaten. Er sagt, dass die meisten unserer Krankheiten nicht aufgrund von echten Verletzungen oder Keimen entstehen, sondern aus dem tiefsitzenden Bedürfnis von unseren nackten Artgenossen gepflegt zu werden. Ich habe dies selbst oft gedacht, war aber nie wirklich in der Lage, es so gut zu beschreiben, wie Morris es schafft. Dies heißt nicht, dass es keine wirklichen physischen Krankheiten gibt. Die gibt es. Aber wir täten gut daran, sorgfältig deren Ursprung zu untersuchen.
Wie auch immer, es ist ein gutes Buch.
Also los, hol’s dir.

Schaut euch den Eintrag weiter unten an, wo ich nächste Woche sein werde, und denkt daran, dass eure Anwesenheit erforderlich ist. Ernsthaft. Bitte glaubt nicht, dass abertausende Menschen zu diesen Veranstaltungen kommen, unabhängig davon, ob ihr auftaucht oder nicht, und dies als Entschuldigung benutzt, um nicht zu kommen. So viele kommen nicht. Wenn ihr mögt, was ich tue, dann unterstützt es bitte. OK?

*Obwohl ich scheinbar weit weniger Kram als die meisten Leute in meinem Alter, die ich kenne, habe. Ich denke, dass es wegen der Art des Krams ist, dass es wie mehr wirkt. Mein Freund Bob, der auch Tonnen an Monsterspielzeug und Sachen hat, sagt über sich selbst „Meine Wohnung sieht aus, als ob ein 13-Jähriger im Lotto gewonnen hätte.“ – meine Wohnung sieht ziemlich genau so aus.

**Obwohl ich diesen Text geschrieben hatte, lange bevor ich das Buch bekam. Und wie kommt es, dass so wenige von den Leuten, die Kommentare posteten, bemerkten, dass ich sagte, es sei äußerst bedauerlich, dass wir immer noch gewaltige Armeen brauchen, um unsere Freiheit zu schützen? Diese Tatsache muss sich ändern, wenn wir als Art überleben wollen. Aber es wird sich nicht ändern, wenn wir uns das nicht eingestehen. Ich nehme sowieso an, dass Pazifisten gerne sauer werden und gegen diejenigen kämpfen, die mit ihnen nicht einer Meinung sind…

*** Ist schon ironisch, oder?

Donnerstag, 23. August 2007

Wie ich meinen Sommerurlaub verbrachte

Meine Vorstellung war, dass ich mich eines Tages hinsetzen würde, um meine Erlebnisse über den Aufenthalt beim Great Sky Zen Sesshin auf eine schöne, präzise Weise aufzuschreiben. Du weißt schon, so wie es ein professioneller Schriftsteller machen würde. Aber ich scheine dafür unfähig zu sein. Ich habe einfach einen zu großen Haufen Arbeit vor mir, um genügend Zeit dafür zu haben. Hier sind also meine allgemeinen Eindrücke, direkt in die Blog-Vorlage eingegeben, ohne die Rechtschreibung oder irgendwas zu prüfen.

Das Kloster Hokyoji liegt mitten im Niemandsland. Als Erstes fliegst du zum La Crosse Flughafen in La Crosse, Wisconsin, der mehr wie eine Bushaltestelle, denn wie ein Flughafen aussieht. Dagegen erscheint Akrons kleiner Flughafen wie der La Guardia-Flughafen. Dann fährst du ungefähr eine Stunde durch die sanft geschwungenen Hügel am Rande des Mississippi, kurz durch Iowa und weiter nach Minnesota. Der eigentlich nächste Ort ist ein kleines Dorf mit 200 Einwohnern in Iowa, dessen Namen ich vergessen habe. Obwohl ich mich nicht an den Namen des Ortes erinnern kann, so erinnere ich mich doch an den Namen des Typs, der seit 40 Jahren an der Tankstelle arbeitet. Er heißt Jug (Kanne) Darling (Liebling). Ohne Scheiß. Um richtig Spaß zu haben, musst du rund 45 Minuten weiter nach Iowa hineinfahren und einen anderen Ort besuchen, dessen Namen ich auch vergessen habe, der aber sage und schreibe 2000 Einwohner hat.

Aber während des einwöchigen Sesshins sind wir zu keinem dieser Orte gefahren. Für 7 Tage hatten wir Bewohner von Hokyoji zu sein, Hokyoji Essen zu essen und Hokyoji Scheiße zu scheißen, um ein altes Zen-Gedicht umzuformulieren. Das Kloster besteht aus 4 Hauptgebäuden, die sich über ein paar Morgen eines gerodeten Waldstücks am Ende einer gut 2 Kilometer langen Auffahrt verteilen. Unser Hauptgebäude war ein Zendo (Raum für die Übung des Zazen) für 30 Personen nahe der Ortsmitte. Abseits davon stand ein Gebäude, das sie „die Blockhütte“ nannten, weil es bei der Ortsgründung eine echte Holzhütte mit nur einem Raum, ohne Strom und fließend Wasser war. Heute ist es ein Haus mit Strom und fließenden Wasser, Gott sei Dank. Aber ich musste mich dort nicht einquartieren. Sie steckten mich in ein Haus weit unten am Ende des Geländes, das sie „die Werkstatt“ nannten. Wie der Name vermuten lässt, war hier die Werkstatt für‘s Holzsägen und all die anderen Arbeiten, die gemacht werden mussten, um die anderen Gebäude auf dem Grundstück zu bauen. Der erste Stock ist jetzt zu einem ziemlich spartanischen Wohnbereich umgebaut worden. Ohne fließendes Wasser, aber zumindest hatten wir Strom. Das andere Gebäude heißt „das Tee-Haus“. Es steht in der Nähe des Zendo und hat neben einem kleinen Tee-Raum auch Duschen, die einen feinen Nieselregen über deinem Kopf versprühen, je nach deiner Wahl, entweder lauwarm oder kochend heiß. Ich habe nie herausgefunden, wie ich das Wasser effektiv runter zu meinen Füßen bekomme.

Es gab neun 45-Minuten Zazen-Perioden, jeden Tag beginnend um 5 Uhr morgens und endend um 10 vor 9 abends. Die Weckglocke wurde um 04:30 Uhr geläutet. Das ist ziemlich normal. Nishijimas Sesshins sind ein bisschen einfacher, was die Menge an Zazen angeht. Ich war um die Gesundheit meiner Knie besorgt. Aber ich bin froh sagen zu können, dass ich die ganze Sache ohne erkennbaren Schaden überstanden habe. Die Zazen Perioden werden zuerst von einer Zeremonie unterbrochen, bei der das Herz Sutra rezitiert wird, dann folgt das Frühstück im Oryoki Stil, eine kurze Pause, ein Dharma Vortrag und eine weitere Zeremonie, bei welcher Dogens Jijuyu Zanmai gesungen wird. Danach kommt das Mittagessen, eine sehr lange Pause und Samu (eine Arbeits-Periode) (mehr dazu später), eine weitere verdammte Zeremonie, bei der das Dai Shin Darani gesungen wird, und eine letzte Zeremonie bei der Dogens Fukanzazengi (universelle Aufforderung zum Zazen) gesungen wird. Zwischen all dem Kram, ist vor der Wand sitzen oder Kinhin (gehendes Zazen) angesagt. Oder andersrum, all das kommt zwischen den Zazen-Perioden. Such‘s dir aus.

Manches von dem war neu für mich. Nishijimas Sesshins haben keinerlei Zeremonien oder irgendwelche Rezitationen. Deswegen kannte ich keinen dieser Gesänge. Auch die Arbeits-Perioden bei seinen Sesshins beinhalten gewöhnlich nur das Saubermachen der Toiletten oder das Fegen der Schlafzimmer. Beim Great Sky lassen sie dich schwer arbeiten. Das ist notwendig, weil selbst nach 30 oder 40 Jahren Betrieb, die Arbeiten am Anwesen größtenteils noch nicht beendet sind. Also arbeiteten wir größtenteils daran, den Garten ansehnlich zu machen, und Sachen in Ordnung zu bringen, die es nötig hatten, in Ordnung gebracht zu werden. Oh, und wir haben Wespen aus den Schlafzimmern verjagt. Ich war am Ende jeder Arbeitsperiode erschöpft. Aber es war auch gut. Es hat definitiv deine Beine nach all dem Sitzen wieder in Bewegung gebracht. Außerdem hast du eine anständige Aufgabe bekommen, was bei manchen Sesshins nicht der Fall ist.

Um die 30 Leute nahmen teil, inklusive fünf (zähl‘ nach) Zen-Meister. Mal sehen, an wen ich mich erinnern kann. Da war Tonen O’Conner vom Milwaukee Zen Center, Zuiko Redding vom Cedar Rapids Zen Center, Dokai Georgesen vom Hokyoji selbst, Rosan Yoshida aus einem Ort in Iowa, glaub ich, Genmoyo Smith aus ... ich weiß nicht mehr wo, und ich. Ich könnte all die Informationen nachsehen, die ich vergessen habe, aber das entspräche nicht der Spontaneität dieses Beitrags. Tonen und Zuiko sind Frauen, und der Rest von uns Lehrern sind Männer. Ich war wirklich beeindruckt von Zuiko. Sie studierte mit derselben sehr strengen Zen-Meisterin wie Taijun Saito, eine Nonne, die mit Nishijima studierte. Beide wurden in den Zen-Abläufen so gedrillt, dass sie diese vorwärts und rückwärts beherrschen. Ich weiß einen Scheiß über die Rituale. Ich schätze diejenigen, die sich damit auskennen, nicht gering. Ich kann es einfach nicht. Und es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich es jemals können werde. Um ehrlich zu sein, es interessiert mich nicht sehr. Dennoch ist es interessant es zu sehen und etwas von Leuten zu lernen, die diese Abläufe beherrschen.

Was kann ich dir sonst noch erzählen? Viel, eigentlich. Und ich werde das wahrscheinlich in den kommenden Artikeln tun. Aber ich möchte es heute kurz halten.

Was habe ich gelernt? OK. Ich habe gelernt, dass es verdammt noch mal egal ist, was du während des Sitzens denkst. Ich wusste das. Aber am 4. Tag merkte ich es auf deutliche Weise. Ich war, wie so oft, ein bisschen reizbar und schmerzempfindlich geworden und dachte, „Mann, die Gedanken in meinem Kopf drehen sich wie wild, wie kommt es, dass das niemals aufhört?“ Ich sollte dir dazu sagen, dass ich kurz vor dem Sesshin mit einer Menge Zeugs konfrontiert wurde. Die Nachricht, dass die Firma für die ich arbeite, ihr Büro in Los Angeles zu schließen beabsichtigt, war keine Kleinigkeit. Das Büro in Los Angeles bin ich. Mehr davon später. Aber es reicht zu sagen, dass ein paar Dutzend anderer Sachen hätten behandelt sein müssen, nachdem das Sesshin vorüber war. Das mache ich jetzt irgendwie, und deswegen ist dieser Artikel kurz und spontan.

Egal, alles Mögliche lief in meinem Kopf rauf und runter. In Bewegung gesetzt, würde es nicht aufhören, bis es seine Energie verbraucht hätte. Und auf einmal bemerkte ich, dass es scheißegal ist. Denken war nur etwas, das während der Praxis passierte. Dennoch war die Praxis noch immer völlig richtig. Das war keine Idee wohlgemerkt. Das kam als echte Erfahrung. Es gibt ein altes Koan über einen Mönch, der sagt, ”wenn ein klarer Geist kommt, lass ihn kommen, wenn ein umwölkter Geist kommt, lass ihn kommen. ”Der Meister fragt ihn, “was, wenn weder ein klarer noch ein unklarer Geist kommt?“ Und der Mönch sagt sowas wie, “ich habe gehört bei H&M gibt es einen Ausverkauf von Unterwäsche.“ So in der Art ist es gewesen. Cool.

Es ist lustig, wie diese Dinge ablaufen. Ich habe dieselbe Lektion ein Dutzend Mal gelernt, vergessen und wieder gelernt. Und ich bin sicher, dass ich es noch ein paar Dutzend Mal mehr lernen werde, bevor sie mich verbrennen und meine Asche hinter JB’s Down in Kent, Ohio verstreuen.

Mmmmmhhhhh… Was noch? Ich hielt einen Dharma-Vortrag. All die anderen Zen-Lehrer hielten Zen-Vorträge und meiner war wie ein Auftritt von Krusty dem Clown. So ist das Leben. Beim Versuch den Rückwärtsgang des Kloster Lieferwagens ausfindig zu machen, durchfurchte ich den ganzen Hof. Ich habe andere Sachen gemacht.

Aber ich muss jetzt gehen. Sorry. Später mehr! Fragt mich nach Sachen. Vielleicht wird es mein Gedächtnis in Schwung bringen …

Link zum Originaltext