Montag, 2. Juni 2008

Spiritueller Krempel

Ich hab heute ein Gedicht geschrieben. Hier ist es:

Spiritueller Krempel, spiritueller Kack
Pack ´nen Haufen von dir in einen Sack
Nehm dich mit nach Haus
Und Stell dich dort aus
Werd dann transzendieren
Das illusorische Ich in meinem Hirn

Spiritueller Kram ist natürlich der ganze spirituelle Mist, den du in New Age Buchläden und Konsorten finden kannst. Heilkristalle, kleine Amuletts, diese kleinen Armband Dinger mit den Perlen drauf ...

Kann sein, dass es daran liegt, dass ich zu meiner Tätigkeit als spiritueller Lehrer gekommen bin wie die Jungfrau zum Kind. Ich wollte niemals ein spiritueller Lehrer oder, schlimmer noch, ein spiritueller Führer sein. Ich nehme aber an, dass viele Typen in dieser Szene es wollten. Dies war ihr Kindheitstraum. Sie übten vorm Spiegel und wünschten und hofften und machten endlich ihren Traum war. Gut für sie.

Letzten Samstag bei unserem wöchentlichen Zazen Treffen im Hill Street Center brach zwischen den üblichen zehn Leuten, die dort erscheinen, eine Diskussion darüber aus, wie wir unsere Tätigkeit ausweiten könnten. Ich sagte den Leuten dort, dass ich nicht den Wunsch habe, irgendetwas in der Art zu tun.

Ein paar von diesen Leuten waren einige Tage vorher zum anderen Ende der Stadt gegangen, um einen anderen Lehrer auszuprobieren. Sie waren erstaunt darüber, dass bei ihm jede Woche zwischen 75 und 100 Leute erscheinen und mit ihm meditieren. Wie kommt es, dass wir immer nur zehn sind? Und wie kommt es, dass wir immer noch Miete zahlen, wo wir doch Spenden sammeln und ein eigenes Zen Center für uns kaufen könnten?

So zu denken ist allerdings problematisch. Zum einen wird Zen Praxis niemals populär werden. Naja, sag niemals „nie“, stimmt's? Aber es wird nicht in nächster Zeit passieren und das ist in Ordnung. Sogar wenn 75 Leute in Hill Street auftauchten, wären trotzdem nur zehn da, denen es ernst ist, plus 65 Leute, die gekommen sind, um unterhalten zu werden. Und ich würde mich lieber nicht mit diesen anderen 65 Leuten beschäftigen müssen, die in die Quere kommen und ein Durcheinander verursachen.

Das Einzige, was diese zusätzlichen Leute wirklich beitragen, ist zusätzliches Geld. Und der einzige Grund, warum man das Geld braucht, ist eine Einrichtung zu schaffen, die diese zusätzlichen Leute unterbringen kann. Es ist wie eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt.

Bisher verdiene ich meine Brötchen durch das Schreiben und meine Arbeit im Filmgeschäft. Ich bin glücklich damit. Was das Schreiben angeht, so will ich so viele Bücher verkaufen wie nur möglich. Ich werde das Zeug anpreisen, bis ich den Geist aufgebe. Kein Problem. Kauft ein paar Bücher. Auf der linken Seite ist ein Link, um sie bei Amazon bestellen zu können. Oder seid bessere Menschen und kauft sie in eurem örtlichen Bücherladen. Und klickt jetzt zehn mal auf den Link zu meinen Suicide Girls Artikeln, damit die Leute denken ich hätte viele Leser. Kauft, kauft, kauft!!

Meine Praxis ist allerdings eine ziemlich persönliche Sache. Sie hat mir geholfen und es freut mich, sie anderen zugänglich zu machen. Ich versuche aber nicht, sie zu verkaufen. Ich sitze jeden Samstagmorgen und wenn Leute mitmachen wollen, gut. Wenn nicht, ist es auch gut.

Möglicherweise eröffne ich irgendwann einmal eine Art Zentrum. Ich möchte diese Möglichkeit nicht komplett ausschließen, aber zurzeit bin ich nicht sehr interessiert. Und auch wenn ich eine solche Einrichtung eröffnen würde - unsere Einstellung bliebe dieselbe: Wir sitzen für eine gewisse Zeit des Tages und wer möchte macht mit.

Sonntag, 25. Mai 2008

MINDFULNESS SCHMINDFULNESS

Ich bin so froh, dass Nishijima Roshi einen Blog Eintrag über Achtsamkeit geschrieben hat. Es ist der Artikel vom 24 Mai, 2008, der Link schickt dich nämlich nur zu seinem Blog. Ich habe den ganzen Achtsamkeits-Kram auf jeden Fall ziemlich satt, von daher finde ich es wunderbar, dass ein anderer genauso darüber denkt. Und nein, wir haben niemals über dieses Thema gesprochen.

Schon neulich habe ich gesagt, dass ich den Achtsamkeits-Kult der heutzutage im Buddhismus herangewachsen ist gänzlich zerstören will. Wie Nishijima zeigt, hat das Wort "Achtsamkeit" die Bedeutung bekommen, sich immer tiefer den eigenen Kopf zu verbohren, was niemals Buddhismus ist. Ich glaube, ich habe schon mal darüber gelästert. Aber ich lebe in einem Meditationszentrum, wo verschiedene Lehrer unterrichten, und ich kann dir nicht sagen, wie oft ich schon in meinem Zimmer war und hörte, wie jemand über Achtsamkeit plapperte. Wenn ich dann, nachdem die Gruppe gegangen ist, aus meinem Zimmer komme, finde ich folgendes vor: die Tür ist unverschlossen, die Fenster weit offen und die Stühle überall kreuz und quer verteilt … Was zur Hölle lernen sie dort für eine Art von Achtsamkeit?

Es ist so ein Scheißwort. Egal, nur ein bisschen Werbung für Nishijimas Blog. Und wenn ich schon von Werbung spreche, schau dir hier die für die Zero Defex CD an.

26.05.08

NEUER SUICIDE GIRLS ARTIKEL (Mai, 2008)
und mehr über MINDLESS MINDFULNESS

(SINNLOSE ACHTSAMKEIT)

Hab einen neuen Suicide Girls Artikel veröffentlicht. Wieder einer über Pornos. Ich schwöre, ich werde irgendwann aufhören, immer wieder Artikel über dasselbe Thema zu schreiben. Vielleicht wenn die Leute mich nicht mehr danach fragen.

Gerade erst bin ich aufgewacht, also habe ich nicht vor noch mehr über Achtsamkeit zu erzählen, wenn schon vielleicht später. Die Sache mit den Wörtern im Buddhismus ist so, dass wenn die breite Öffentlichkeit sich an sie hängt und sie auf ihre Art definiert, dann sind die Wörter tot. Ich denke, es ist Zeit das Wort "Achtsamkeit" zu begraben. Es ist einfach nur noch abgedroschen. Und wie gesagt (siehe oben), zielt Achtsamkeit, wenn sie praktiziert wird auf einen nicht ganz klaren Zustand im Kopf des Denkens und Denkens und Denkens, während du dich selbst dazu beglückwünscht, wie achtsam du doch bist. Verschließ die Gott verdammten Türen und Fenster, wenn du das Haus anderer Leute verlässt!

An der einzigen Stelle, von der ich weiß, an der Dogen das Wort Achtsamkeit benutzt, sagt er,

"Achtsamkeit ist der Esel, der den Brunnen anschaut. Es ist der Brunnen, der den Esel anschaut. Es ist der Esel, der den Esel anschaut. Es ist der Brunnen, der den Brunnen anschaut."
Er sagt außerdem,
"Ohne zu wissen, wer es dir lehrte, denkst du, dass das Bewusstsein eine Funktion des Gehirns ist. Wenn ich sage, dass das Bewusstsein Gras und Bäume ist, glaubst du es nicht."
Und selbstverständlich gebrauchte Dogen das Wort "Achtsamkeit" überhaupt nicht. Ebenso Buddha. Das Wort existierte zu ihrer Lebenszeit nicht einmal. Die englische Sprache selbst existierte nicht einmal zur Zeit Buddhas. Später werde ich das japanische Wort nachschlagen, das Dogen benutzte, und das hier von Nishijima/Cross als "Achtsamkeit" übersetzt wurde*.

Das Ding ist aber, dass die "Achtsamkeit", die heutzutage gelehrt wird, zu implizieren scheint, dass wir achtsam sein müssen. Als ob wir irgendwie über Achtsamkeit verfügen könnten. Nee. Das geht nicht. Achtsamkeit ereignet sich ständig, wir müssen ihr aus dem Weg gehen.

* (Einige Stunden später von Brad W. hinzugefügt. Anm.d.Red.) Sieht so aus, als ob ich einen Fehler gemacht habe! Zum ersten Mal in meinem ganzen Leben (Hallo Trolle)! Ich dachte immer, in der Esel-Brunnen Zeile ginge es um Achtsamkeit. Ich habe es sogar so in mein Buch Sit Down And Shut Up geschrieben. Das beweist, dass man niemals dem trauen kann, was in Büchern steht! Blamabel!!

In Wahrheit steht der Esel-Brunnen Kram im Kapitel "Erzeugt kein Unrecht" (諸悪莫作 SHOAKU MAKUSA, Kapitel 10, Buch 1 der Nishijima Übersetzung des Shobogenzos) und lautet:

[Die Beziehung] zwischen dem "Unrecht" und dem "Es-nicht-Erzeugen" ist nämlich nicht [einseitig]. Wenn es so wäre, würde der Brunnen nur den Esel anschauen, [wenn sie sich begegnen,] aber der Brunnen schaut auch den Brunnen an, der Esel schaut auch den Esel an, der Mensch schaut auch den Menschen an, und der Berg schaut auch den Berg an. ( Zitiert aus: Shobogenzo, Band 1, Kristkeitz Verlag)
Nishijima erklärt das Kapitel in seinem Blog genau hier.

Dies bezieht sich auf einen Koan, der im Eihei Koroku steht (永平禅師語録 Die aufgezeichneten Worte von Eihei Zenji, auch bekannt als Dogen). Der Koan lautet:

Meister Sozan fragte einst einen Mönch: "Wie ist es, wenn der Dharma Körper der Realität, Form in Übereinstimmung mit den Lebewesen manifestiert, so wie der Mond im Wasser gespiegelt wird?" Der Mönch sagte: "Es ist wie ein Esel, der einen Brunnen anschaut". Sozan sagte: "Du hast ziemlich viel gesagt, aber du hast nur 80 Prozent darüber gesagt" Darauf fragte der Mönch: "Meister, was sagst du?" Sozan antwortete: "Es ist wie der Brunnen, der den Esel anschaut."
Die einzige Stelle, die ich finden kann, in der Dogen sowas wie das Wort "achtsam" benutzt, taucht im Zazengi (坐禅儀) auf, "Anleitung zum Zazen". In der Übersetzung von Kazuaki Tanahashi, welche im Buch Moon In A Dewdrop erschienen ist, heißt es, "sei achtsam auf die vorübereilende Zeit." Ich habe es überprüft. Die original Zeile ist Folgende: 光陰を護惜べし. Carl Bielefeldt übersetzt dies als, "schätze den Wert der vorübereilenden Tage und Nächte hoch." Die beiden Wörter 光陰 und 護惜 sind nicht mehr im allgemeinen Gebrauch. 光陰 Bedeutet ungefähr, "Licht und Dunkelheit". Und nur nebenbei, für die unter euch, die denken ich hätte einen verdorbenen Charakter, zufällig kenne ich das Schriftzeichen 陰 aus dem Wort 陰毛, was Schamhaar heißt, oder wörtlich "Haar in der Dunkelheit". Das Wort 護惜 ist eine Kombination aus zwei Schriftzeichen, die "schützen" (護) und "kostbar" (惜) bedeuten. Das ist das Wort, das Tanahashi als "achtsam" übersetzt. Es ist nicht so weit hergeholt, wie die Übersetzung Brian Victorias von Kodo Sawakis Äußerung "wir hatten es satt zu töten" mit "wir konnten nicht genug vom Töten kriegen". Es ist eine kleine, aber dennoch völlig akzeptable, Übersteigerung hier das Wort "achtsam" zu verwenden.

Pass darauf auf, nicht an Worten festzukleben (sagt ein Typ, der gerade ein paar Stunden seines Urlaubs dem Nachschlagen einiger Wörter gewidmet hat). Sagt nicht, ich hätte nie etwas für euch nachgesehen!

28.05.08
Achtsamkeit (zum tausendsten Mal)

Mein Gott! Ich habe mich zwei Mal geirrt! Die ersten beiden Male in meinem ganzen Leben in denen ich einen Fehler gemacht habe! Was ist nur los?

Danke an Ted Biringer und Dosho Port für das Auffinden weiterer Stellen, an denen das Wort "Achtsamkeit" oder Ähnliches in Dogens Schriften noch auftaucht. Die längste und vollständigste Erklärung, die er darüber gibt, bietet das Kapitel SANJUSHICHI-BON BODAI BUNPO 三十七品菩提分法. Dies ist das Kapitel 73 des 95 Kapitel-Shobogenzo und erscheint als das erste Kapitel im 4 Buch der Nishijima/Cross Übersetzung oder im Kapitel 1 von Buch 10 in der Shobogenzo Übersetzung Nishijimas ins moderne Japanisch. 現代語訳正法眼蔵, welches auch Dogens tatsächliche Worte enthält).

Hier ein bisschen von dem, was Dogen sagt:

"Bewusstheit" als eine Wurzel ist eine Ansammlung roten Fleisches, [ein Mensch, der] wie ein kahler Baum ist. Eine Ansammlung roten Fleisches nennen wir "einen kahlen Baum", und ein kahler Baum zu sein, ist die Wurzel der Bewusstheit. Ihr seid diese Bewusstheit, wenn ihr euch selbst im Dunklen ertastet. Es gibt eine Bewusstheit des Körpers und eine Bewusstheit, in der ihr euch euer selbst nicht bewusst seid. Es gibt eine Bewusstheit, in der Gedanken und Empfindungen auftreten, und eine Bewusstheit, in der ihr euch eures Körpers nicht bewusst seid.
Bewusstheit [oder die natürliche Fähigkeit, in der Gegenwart zu sein,] ist ohne Zweifel die Lebensgrundlage aller Menschen auf der ganzen Erde, und sie ist die Lebensgrundlage aller Buddhas der zehn Richtungen. In einem Augenblick der Bewusstheit mag es viele Menschen geben, und in einem Menschen gibt es viele Augenblicke der Bewusstheit. Dennoch gibt es Menschen, die Bewusstheit haben, und solche, die sie nicht haben. Ein Mensch lebt nicht unbedingt im Zustand der Bewusstheit und die Bewusstheit selbst hat nicht unbedingt etwas mit einem Menschen zu tun. Selbst wenn dies so ist, ist die Tugend der vollkommenen Verwirklichung da, wenn ihr in der Lage seid, eure natürliche Bewusstheit zu bewahren. ( Zitiert aus: Shobogenzo, Band 4, Kristkeitz Verlag)
Das Wort, das in der (engl.) Nishijima/Cross Übersetzung als Mindfulness übersetzt wird, ist 念. (In der deutschen Kristkeitz Übersetzung "Bewusstheit", Anm. d. Red.). Im modernen Japanisch wird dieses Zeichen "nen" ausgesprochen und bedeutet Sinne, Ideen oder Bewusstheit, Gewahrsein. Im gewöhnlichen Gebrauch erscheint es in Worten wie 残念 (zanen) "bedauerlich", bei dem sich das erste Zeichen auf Dinge bezieht, die gewöhnlich als fehlend gedacht werden oder 念入り (neniri) "vorsichtig" bei dem das zweite Zeichen in etwa "hinzufügen" oder "eintreten" bedeutet. Im nicht buddhistischen Kontext wird das Wort 念 gewöhnlich nicht als Mindfulness übersetzt. "Mind", ohne "-fulness" ("Geist", ohne "-Anfüllung/Fülle") könnte auch eine gute Lesart für 念 sein. Versuchs mal auf diese Weise und schau, was es dir sagt. Ist ein bisschen anders, oder?

Falls du es kompliziert magst, das chinesische Zeichen 念 besteht aus zwei Teilen. Das Zeichen oben 今bedeutet "jetzt", während das 心 unten "Mind" (Geist) oder "Herz" bedeutet. Im buddhistischen Kontext wird 心 im Englischen meist als "Mind" übersetzt. Also, wer auch immer sich das Zeichen erdacht hat, schien wohl den Zustand des Geistes genau im Jetzt herauszustellen zu wollen. Wofür auch immer meine Sprachanalyse gut sein soll, sie ist nicht viel wert. Nur ein bisschen Kanji Spielerei für euch alle. Nishijima erzählte mir einst die Geschichte, wie er einen Bibelgelehrten in Israel besuchte. Der Besuch, sagte er, zeigte ihm "die Gefahren des Glaubens an alte Texte." Wir verfangen uns in Streitereien um Wörter, die unglaublich blöd sind, selbst wenn sie sich verdammt schlau anhören.

Der Punkt ist, dass das Wort "Mindfulness" im aktuellen Gebrauch, solch ein unsinniger Begriff geworden ist, dass er mehr schadet als nützt. Es ist Zeit ihm die Luft raus zulassen und ihn aus seinem Elend zu stoßen.

Fuck mindfulness.

Meine Freundin Tonen erzählte mir die Geschichte, dass, während sie in Japan war, ihr ein Zen Meister, den sie dort traf, erzählte, dass Amerikaner, die seinen Tempel besuchten, sich bei ihm immer überschwänglich darüber ausließen, wie achtsam sie doch wären. "Steckt eure Video Kameras weg," sagte er ihnen, "Ihr nehmt euch nur selbst beim achtsam sein auf!"

Beim Lesen von dem, was Dogen schrieb, wird klar, dass das Wort 念 weitestgehend missverstanden wurde, sogar zu seiner Zeit unter den Leuten, zu denen er sprach. Deswegen versuchte er ihr gewöhnliches Verständnis des Wortes auf eine Weise zu verdrehen, wie sie es nicht erwartet hätten.

Auf jeden Fall enthält dasselbe Kapitel die Zeile, "Höre nicht auf die ungenügenden Worte von Zen Meistern und dergleichen." Da habt ihr's!

Montag, 10. März 2008

Was bringt mir Zazen?

Am Sonntag habe ich die erste von drei Sitzungen bei Karuna Yoga in Los Feliz (L.A.) geleitet. Es war eine gute Sitzung, obwohl drei Leute abgewiesen wurden, die eine Stunde zu spät kamen, weil sie nicht mitbekommen hatten, dass an diesem Morgen Zeitumstellung war. Tut mir leid. Ihr habt aber noch zwei weitere Gelegenheiten, es hinzukriegen. Sonntag, den 16. März, um acht Uhr morgens und Sonntag, den 23. März, um die gleiche Zeit.

Bei Karuna bekam ich eine Frage gestellt, die sehr oft aufkommt. Sie lautete ungefähr: „Wenn ich diese Zazen-Praxis
aufnehme, was bringt mir das?“

Es gibt Millionen Variationen dieser Frage und jeder Zen-Lehrer wird ständig mit ihr konfrontiert. Mein Freund Greg Fain vom San Francisco Zen Center sagte, dass die Beantwortung dieser Frage umso schwieriger wird, je mehr man Zazen übt. Sehr oft geben Zenlehrer Antworten, die oberflächlich oder herablassend scheinen: „Nix!“ ist eine recht gebräuchliche Entgegnung. Aber wir sind nicht oberflächlich, sondern bloß ehrlich.

Die meisten Meditationslehrer versuchen dir ihre Technik schmackhaft zu machen, weshalb sie nette, einfache Antworten auf diese Frage haben. Sie werden dir etwas von Gelassenheit erzählen, von Geistesfrieden, ja sogar davon, die Erleuchtung zu erreichen. Langfristig hat Zazen sicherlich all´ diese Vorteile. Aber ich hasse es, sie zu betonen, denn wenn du in deiner Praxis auf diese Dinge spechtest, dann wird die bloße Tatsache, dass du sie erreichen willst, dich davon abhalten, sie zu erreichen. Gerade weil du ständig außerhalb deines tatsächlichen Geisteszustandes nach Geistesfrieden suchst, hast du niemals Frieden. Gerade weil du außerhalb dieses Moments nach Erleuchtung suchst, hast du keine Chance auf Erleuchtung. Du kannst sicherlich seltsame Geisteszustände erreichen, von denen dir skrupellose Lehrer erzählen werden, dass es die Zustände sind, die du suchst. Aber ich würde auf keinen von denen hören. Was wissen die überhaupt über deinen Geisteszustand?

Auf einer gewissen Ebene könnte man tatsächlich sagen, dass man durch die tägliche Zazen-Praxis “etwas bekommt”. Ich hätte sie definitiv nicht 25 Jahre lang aufrecht erhalten, wenn sie komplette Zeitverschwendung wäre. Aber um irgendetwas davon zu haben, musst du den Gedanken, dass du jemals irgendetwas davon haben wirst, fallen lassen. Schau einfach genau, wo du in diesem Moment bist. Das reicht.

Muss jetzt meine Brötchen verdienen. Tschau!

ADDENDUM

Fast unmittelbar nachdem ich diesen Eintrag eingestellt hatte, schrieb irgendein anonymer Poster:

„Ich hätte sie definitiv nicht 25 Jahre lang aufrecht erhalten, wenn sie komplette Zeitverschwendung wäre.“ Das ist eine ziemlich dumme Äußerung. So schaut´s also mit Zazen aus... . In Hardcore Zen sagtest du, man solle nur sitzen. In Sit Down and Shut Up sagtest du, man solle im Halb-Lotos sitzen. Und Dogen sagt, man habe ohne Lehrer keinen Zugang zum echten Zen. Ich bin enttäuscht, da es sich, je mehr ich mich darin vertiefe, immer mehr anhört wie all` das andere Zeugs da draußen.

Diese Frage bringt einen weiteren interessanten Aspekt der Praxis ans Tageslicht, der mit der Eingangsfrage zusammenhängt. Niemand wird versuchen, dir Zen zu verkaufen. Nun, ein paar Typen (ich werde keine Namen nennen) wollen dir etwas verkaufen, das sie Zen nennen. Aber das ist nicht Zen.

Warum sollte ich versuchen euch Zen zu verkaufen? Ich kriege kein Geld dafür. Ich bekomme keine Bonuspunkte vom Hauptbüro in der Fukui-Präfektur. Ich bekomme im Himmel keinen Kranz dafür, dass ich mehr Seelen gewonnen habe. Ich habe keinen Grund euch Zen zu verkaufen. Ihr denkt, dass ich durch die Retreats und Vorträge Geld verdiene? Ha! Die Dinger kosten mich immer mein letzes Hemd. Hätte ich keinen Beruf und keine Beschäftigung als Autor, dann könnte ich nicht mal in Betracht ziehen sie durchzuführen. Ich denke, dass die meisten Zenlehrer eine ähnliche Einstellung bezüglich der „Vermarktung“ der Praxis haben. Du willst eine lukrative Karriere? Werd´ bloß kein Zenlehrer.

Versteht mich jetzt nicht falsch. Ich versuche ja tatsächlich, euch meine Bücher zu verkaufen. Los, kauft sie! Durch sie bekomme ich Geld. Einer der Gründe, warum ich dieses Blog betreibe, ist es, diese Bücher zu verschachern. Aber das ist ne ganz andere Kiste. In diesen Büchern geht es um meine Zen-Praxis. Aber die Bücher selbst sind nicht Zen-Praxis.

Die Belohnung, die ich dafür kriegen würde, dass mehr Leute Zen praktizieren, ist eine friedvollere, stabilere Welt. Und das will ich tatsächlich. Also ja, vielleicht versuche ich doch, euch Zen zu verkaufen. Ich nehme alles zurück.

Freitag, 15. Februar 2008

Valentinstag mit den Suicide Girls

Für euch Leute dort draußen, die noch immer Beweise dafür brauchen, dass Brad Warner tatsächlich der Porno Buddhist ist, (ich muss das gesetzlich schützen lassen, es könnte schließlich irgendwann einen guten Buchtitel abgeben) und es verdient hat Gegenstand des Gelächters im Buddhismus zu sein, hier ist ein Foto von der großen Suicide Girls Party gestern Nacht, die im Namen von PETA 2 stattfand. Ja richtig, es ist PETA 2 gemeint und nicht PETA. Fragt mich nicht nach dem Unterschied, denn ich kenn ihn nicht. Ich bin schlecht darin, mir Namen zu merken. Aber hier ist, was mein verrottetes Zen-Hirn ausspucken kann. Die Frau in Rot, um deren Schulter ich meinen Arm habe, ist Arabia, gleich hinter ihr in Schwarz ist Aspen, die regelmäßig unsere Zazen Sitzungen in Santa Monica besucht und die Frau ganz links, deren linkes Auge und linke Schulter auf dem Bild sind, ist Sam, die auch an den Samstags Zazen Sitzungen teilnimmt.

Die Party war laut. Ich wollte nicht zu lang bleiben, da Aspen mich mitgenommen hatte und den nächsten Tag arbeiten musste. Damit war ich einverstanden, denn ich bin ohnehin keine Nachteule. Die Stunde, die wir im Roxy waren, hat echt Spaß gemacht. Allerdings bin ich kein Partylöwe. Somit hat die Stunde auch völlig ausgereicht. Sam war Teil der Modenshow, die hauptsächlich aus Unterwäsche und falschem Fell bestand. Allerdings keine falsche- Fell Unterwäsche, was sicherlich interessant gewesen wäre. Meine Freundin Cake hat auch an der Modenshow teilgenommen, nur leider habe ich sie bevor wir los mussten nicht mehr angetroffen. Cake, falls du das hier lesen solltest, es war nicht bös’ gemeint.

Montag, 4. Februar 2008

Angst

Eine kleine Klarstellung, bevor wir anfangen: Vor langer Zeit schrieb ich einen Hinweis auf dieser Seite, in dem es heißt: “Ich freue mich über Eure Emails. Aber bitte beachtet, dass, wenn ihr mir eine Email schickt, ich diese entweder in diesem Blog hier oder auf “Suicide Girls”, verwenden könnte“. Diesen Hinweis findet Ihr da drüben zu Eurer Linken, wenn Ihr ungefähr ein Drittel des Wegs runterscrollt. Ich wünschte, er könnte weiter oben stehen. [Dieser Hinweis gilt für Brads Originalblog – Anm. der Red.]

Wie auch immer, dies gilt für alle Emails, die ich als Antwort auf Artikel und Bücher bekomme, die ich geschrieben habe, aber auch für Fragen bezüglich der Übung und so was. Wenn Ihr nicht wollt, dass das, was Ihr schreibt, veröffentlicht wird, dann sagt es mir bitte. OK?

Nachdem ich das klargestellt habe, möchte ich hier die Frage eines Lesers veröffentlichen, die einige von Euch interessieren könnte:

Hey Brad,

Wie läuft´s? Ich bin ein Fan deiner Bücher. Hab Hardcore Zen zweimal gelesen und lese gerade Sit Down and Shut Up. Bloß als Hintergrundinfo: Ich meditiere seit fünf bis sechs Jahren täglich und mache seit ein wenig mehr als einem Jahr Shik-an-taza (das könnte falsch geschrieben sein). Ich habe das Gefühl, dass ich in letzter Zeit halbwegs anständig Sitze.

Ich habe ein Problem, weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, und hoffe auf ein wenig Rat. Mein Vater starb vor ungefähr vier Jahren, und seitdem helfe ich ziemlich viel bei der Pflege meiner Mutter mit. Ich hatte in dieser Zeit auch Probleme mit Stress. Kürzlich habe ich, wahrscheinlich durch meine Meditation, festgestellt, dass ich mir die ganze Zeit Sorgen um den Tod mache oder, um genauer zu sein, Angst vor dem Tod habe aber auch Angst davor, mein Leben zu vermurksen. Ich habe Angst davor, etwas Falsches zu tun und verletzt zu werden oder etwas zu tun, das mein Leben in die falsche Richtung treibt. Wenn meine Freunde oder meine Familie einen Ausflug machen, sorge ich mich ständig darum, dass ihnen ein Unfall oder sowas zustößt, und ich glaube, dass ich ihnen im Falle, dass sowas passiert, vorher all meine Zeit widmen muss, da ich auch nichts bereuen will. Das ist ein Problem. Ich kann mein Leben nicht richtig leben, da ich mir ständig über solchen Blödsinn Gedanken mach.

Und ich weiß, dass es Blödsinn ist, und nicht mehr (auf einer intellektuellen Ebene zumindest). Versteh mich nicht falsch, ich suche nicht nach einem Heiland, aber falls ich etwas dagegen machen kann oder du eine Idee hast, die mir helfen könnte, würde ich mich sehr darüber freuen.

Danke nochmal, Bruder,

Matt.


Matt,

Danke für deine Mail. Ich wünschte, ich hätte eine magische Lösung für dein Problem. Aber es gibt keine.

Letztlich sind sogar deine tiefsitzendsten und scheinbar realen Ängste nur Gedanken. Jeder fürchtet sich vor irgendetwas. Das Problem hat nichts mit der spezifischen Natur dieser oder jener Angst zu tun. Ob es sich um Angst vor dem Tod, Höhenangst oder Angst vor Enten mit Melonenhüten handelt, es ist immer das selbe Zeugs.

Es ist sehr schwierig, die Wurzeln unserer Angst auszureißen. Das wirst du vermutlich nie ganz schaffen. Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt oder gab, der sich von all dem befreien konnte, Buddha eingeschlossen.

Eine Sache, die mir hilft, ist mich damit zu konfrontieren. Nishijima Sensei sagte mir mal so etwas wie “Ich versuche, mir verhasste Informationen immer genau anzusehen”. Was bedeutet, dass es oft hilft, sich mit etwas, vor dem man sich fürchtet, genau auseinanderzusetzen. In meinem Fall war es eine intensive Angst vor der Chorea Huntington, einer Erbkrankheit, die meine Mutter getötet hat. Also ging ich her und las so viel wie möglich darüber. Es war mir ein Gräuel, das zu tun. Aber die Lektüre zeigte mir nur einen Haufen kluger Leute, die mit Theorien um sich warfen. Sie wussten wirklich überhaupt nichts. Diese Auseinandersetzung half mir stark dabei, meine ständige Angst vor der Krankheit zu besiegen. Diese Angst taucht nach wie vor hin und wieder in meinem Geist auf. Ich weiß nur, dass es keinen Sinn macht, ihr Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Angst vor dem Tod und die Angst davor, Dein Leben zu vermasseln, sind nur Gedankenschleifen in Deinem Kopf. Sie bedeuten nichts. Du musst nicht an sie glauben. Du musst dir nie selber glauben.

Ich hoffe, dass dir dieser Rat ein bisschen was gebracht hat.

Brad